Beiträge mit Tag: Capabilities & Entwicklungschancen von Kindern

Volkswirtschaftslehre, Gastwissenschafterin, EU-Projekt Re-inVEST
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Ortrud Leßmann ist seit August 2015 für das Projekt Re-InVEST beim ifz tätig. Die studierte Volkswirtin hat 2005 zum Thema Armutsmessung in Oldenburg (Deutschland) promoviert und seither breit und international zu den Themen Armutsmessung, Kinderarmut, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit, menschenwürdige Arbeit und sozioökonomische Entwicklung publiziert. Ihre Forschungsinteressen liegen im Schnittbereich von Volkswirtschaftslehre, Soziologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften. Sie ist Expertin für den Capability Ansatz und engagiertes Mitglied in der Human Development and Capability Association (hd-ca.org). Ortrud Leßmann sitzt außerdem im Management Board von Re-InVEST und ist seit 2011 Teil des Netzwerks Alliances to fight poverty, aus dem Re-InVEST hervorgegangen ist. In den Jahren 2011 und 2014 war sie bereits als Gastwissenschaftlerin am ifz tätig.

Clemens Sedmak beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Clemens Sedmak ging im Detail auf die aristotelischen Wurzeln des Fähigkeitenansatzes ein. Er brachte das Konzept der Fähigkeiten zweiter Ordnung (d. s. Fähigkeiten, die es einem ermöglichen, Fähigkeiten erster Ordnung auszuüben) ins Spiel. Die Berücksichtigung der von Aristoteles vorgeschlagenen Kategorie ermöglicht gezieltes Nachdenken über diejenigen Faktoren, die Fähigkeiten erster Ordnung zugrunde liegen.

Der Fähigkeitenansatz könnte unter Einbeziehung aristotelischen Denkens erweitert und theoretisch fruchtbringender gemacht werden.

Ortrud Leßmann beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Ortrud Leßmann diskutiert das Problem der Entscheidungskompetenz im Fähigkeitenansatz.
Sen und Nussbaum betonen immer wieder, wie wichtig es sei, Menschen selbständig entscheiden zu lassen. Wie man allerdings lernt, vernünftige Entscheidungen zu treffen wird von keinem der beiden thematisiert. Leßmann plädierte dafür, den Fähigkeitenansatz um eine Theorie des Entscheiden-Lernens zu ergänzen. Einen guten Ausgangspunkt sieht sie in John Deweys Ansatz, wie er ihn in „Experience and Education“ entwickelt.

Stephan Sting beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Stephan Sting betonte den gesellschaftlichen Wandel im Denken über Gesundheitsfragen. Er verwies auf die Tendenz, dass die Gestaltungsspielräume und das Mitspracherecht des Einzelnen bezüglich der eigenen Gesundheit immer größer wird. (Jugendliche z. B. wollen dem Schönheitsideal entsprechen und verzichten deswegen auf eine gesunde Ernährung.) Auch die Zusammenhänge zwischen sozialem Status und gewissen Erkrankungen sind nicht von der Hand zu weisen.

Aus einer „Capabiltiy-Perspektive“ ergibt sich ein interessantes Bild: Sie hebt die Autonomie des Einzelnen hervor und fordert, dass eine reflektierte Entscheidung für einen ungesunden Lebensstil zu respektieren ist. Die Frage ist nur, wann eine Entscheidungen (beeinflusst durch soziale Benachteiligung und Unwissenheit) als „echte Entscheidungen“ gesehen werden soll. Das führt zu Überlegungen von Paternalismus, wie er auch in der einschlägigen Literatur des Fähigkeitenansatzes problematisiert wird.

Jean-Luc Patry beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Jean-Luc Patry setzt den Fähigkeiten-Ansatz in Zusammenhang mit der „Values and Knowledge Education“ (VaKE). Die VaKE stammt aus der Erziehungswissenschaft und bindet die Lernenden aktiv in die Gestaltung des Lernprozesses ein. Ein zentrales Anliegen der VaKE ist Raum für Auseinandersetzung mit moralischen Fragestellungen zu schaffen. Hierbei steht die Begründung von Werten im Vordergrund.
Ziel des Lernens ist die Verwirklichung des Potentials des Einzelnen. Seine Autonomie und Entscheidungskompetenz ist hierbei zentral: Die VaKE will Menschen unterstützen, das Leben zu führen, das sie aus guten Gründen wertschätzen. Die Ähnlichkeiten zum Fähigkeiten-Ansatz sind hierbei offensichtlich.
Die VaKE könnte ein richtungweisendes Modell in der pädagogischen Umsetzung des Fähigkeiten-Ansatzes darstellen.

Bernhard Schwaiger beim Fachgespräch „Theorienlandschaft des Fähigkeitenansatzes“


15.09.2009

Mentalisierung ist die Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren. Dr. Bernhard Schwaiger bettete das Konzept der Mentalisierung in Martha Nussbaums Einteilung der Fähigkeiten in Basis-Fähigkeiten, interne Fähigkeiten und kombinierte Fähigkeiten ein. Er verwies auf die Bedeutung der Mentalisierung für die menschliche Entwicklung.

Sein Vorschlag, das Konzept der Mentalisierung in Martha Nussbaums Liste der zentralen menschlichen Fähigkeiten aufzunehmen, wurde von einigen Teilnehmern unterstützend aufgenommen. Andere waren der Meinung, es lasse sich in schon vorhandene Kategorien einordnen. Konsens bestand darin, dass der philosophische Rahmen des Fähigkeitenansatzes um psychologische Erkenntnisse und Kategorien angereichert werden muss, will man ihn erfolgreich in die Praxis umsetzen.