Beiträge mit Tag: Capabilities & Entwicklungschancen von Kindern

Clemens Sedmak beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Clemens Sedmak ging im Detail auf die aristotelischen Wurzeln des Fähigkeitenansatzes ein. Er brachte das Konzept der Fähigkeiten zweiter Ordnung (d. s. Fähigkeiten, die es einem ermöglichen, Fähigkeiten erster Ordnung auszuüben) ins Spiel. Die Berücksichtigung der von Aristoteles vorgeschlagenen Kategorie ermöglicht gezieltes Nachdenken über diejenigen Faktoren, die Fähigkeiten erster Ordnung zugrunde liegen.

Der Fähigkeitenansatz könnte unter Einbeziehung aristotelischen Denkens erweitert und theoretisch fruchtbringender gemacht werden.

Ortrud Leßmann beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Ortrud Leßmann diskutiert das Problem der Entscheidungskompetenz im Fähigkeitenansatz.
Sen und Nussbaum betonen immer wieder, wie wichtig es sei, Menschen selbständig entscheiden zu lassen. Wie man allerdings lernt, vernünftige Entscheidungen zu treffen wird von keinem der beiden thematisiert. Leßmann plädierte dafür, den Fähigkeitenansatz um eine Theorie des Entscheiden-Lernens zu ergänzen. Einen guten Ausgangspunkt sieht sie in John Deweys Ansatz, wie er ihn in „Experience and Education“ entwickelt.

Stephan Sting beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Stephan Sting betonte den gesellschaftlichen Wandel im Denken über Gesundheitsfragen. Er verwies auf die Tendenz, dass die Gestaltungsspielräume und das Mitspracherecht des Einzelnen bezüglich der eigenen Gesundheit immer größer wird. (Jugendliche z. B. wollen dem Schönheitsideal entsprechen und verzichten deswegen auf eine gesunde Ernährung.) Auch die Zusammenhänge zwischen sozialem Status und gewissen Erkrankungen sind nicht von der Hand zu weisen.

Aus einer „Capabiltiy-Perspektive“ ergibt sich ein interessantes Bild: Sie hebt die Autonomie des Einzelnen hervor und fordert, dass eine reflektierte Entscheidung für einen ungesunden Lebensstil zu respektieren ist. Die Frage ist nur, wann eine Entscheidungen (beeinflusst durch soziale Benachteiligung und Unwissenheit) als „echte Entscheidungen“ gesehen werden soll. Das führt zu Überlegungen von Paternalismus, wie er auch in der einschlägigen Literatur des Fähigkeitenansatzes problematisiert wird.

Jean-Luc Patry beim Fachgespräch Theorienlandschaft des Fähigkeiten-Ansatzes


15.09.2009

Jean-Luc Patry setzt den Fähigkeiten-Ansatz in Zusammenhang mit der „Values and Knowledge Education“ (VaKE). Die VaKE stammt aus der Erziehungswissenschaft und bindet die Lernenden aktiv in die Gestaltung des Lernprozesses ein. Ein zentrales Anliegen der VaKE ist Raum für Auseinandersetzung mit moralischen Fragestellungen zu schaffen. Hierbei steht die Begründung von Werten im Vordergrund.
Ziel des Lernens ist die Verwirklichung des Potentials des Einzelnen. Seine Autonomie und Entscheidungskompetenz ist hierbei zentral: Die VaKE will Menschen unterstützen, das Leben zu führen, das sie aus guten Gründen wertschätzen. Die Ähnlichkeiten zum Fähigkeiten-Ansatz sind hierbei offensichtlich.
Die VaKE könnte ein richtungweisendes Modell in der pädagogischen Umsetzung des Fähigkeiten-Ansatzes darstellen.

Bernhard Schwaiger beim Fachgespräch “Theorienlandschaft des Fähigkeitenansatzes”


15.09.2009

Mentalisierung ist die Fähigkeit, das eigene Verhalten oder das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren. Dr. Bernhard Schwaiger bettete das Konzept der Mentalisierung in Martha Nussbaums Einteilung der Fähigkeiten in Basis-Fähigkeiten, interne Fähigkeiten und kombinierte Fähigkeiten ein. Er verwies auf die Bedeutung der Mentalisierung für die menschliche Entwicklung.

Sein Vorschlag, das Konzept der Mentalisierung in Martha Nussbaums Liste der zentralen menschlichen Fähigkeiten aufzunehmen, wurde von einigen Teilnehmern unterstützend aufgenommen. Andere waren der Meinung, es lasse sich in schon vorhandene Kategorien einordnen. Konsens bestand darin, dass der philosophische Rahmen des Fähigkeitenansatzes um psychologische Erkenntnisse und Kategorien angereichert werden muss, will man ihn erfolgreich in die Praxis umsetzen.

Philosophie Senior Scientist e-mail

Gunter Graf studierte Philosophie in Salzburg, wo er 2012 promovierte. Seit 2008 ist er Research Fellow am ifz und seit 2014 Post-Doc am Zentrum für Ethik und Armutsforschung, wo er im Projekt “Soziale Gerechtigkeit und Kinderarmut” tätig ist. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte umfassen Themen der Ethik und Sozialphilosophie mit einem Fokus auf den Capability-Ansatz und normativen Fragen der Kindheits- und Armutsforschung. Am ifz arbeitet er hauptsächlich an anwendungsbezogenen sozialethischen Projekten, die auf konkrete gesellschaftliche Verbesserungen abzielen, etwa zur Frage des guten Lebens in Betreuung und Pflege, zu einer Alltagsethik im Krankenhaus und zu den Herausforderungen der Arbeitsgesellschaft.

Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift für Praktische Philosophie (open-access), Mitorganisator der Tagung für Praktische Philosophie und Koordinator des Netzwerkes Philosophie und Kindheit (mit Gottfried Schweiger) sowie des regionalen Netzwerkes zum Capability Approach (mit Bernhard Babic). Darüber hinaus betreut er zusammen mit Gottfried Schweiger die Salzburger Beiträge zur Sozialethik, die gemeinsame Working Paper Reihe des ZEA und des ifz.

Gunter Graf verbrachte Forschungsaufenthalte an der Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) in Brasilien, dem King’s College London in Großbritannien und bei SOS-Kinderdorf in Namibia. Im Rahmen seines Zivildienstes arbeitete er bei CEDRO in Lima, Peru – einer Organisation, die in der Drogenprävention tätig ist und Integrationsprogramme für Straßenkinder durchführt.

Durch Publikationen und Vorträge trägt er laufend zur sozialphilosophischen Debatte, aber auch zum Theorie-Praxis-Transfer bei. Zu seinen aktuellen Veröffentlichungen zählen die Monographie „A Philosophical Examination of Social Justice and Child Poverty” und der Sammelband “The Well-Being of Children. Philosophical and Social Scientific Approaches“ (beides gemeinsam mit Gottfried Schweiger).