Resiliente Gemeinschaften

Umgang mit dem Unerbittlichen: Was Gemeinschaften und Organisationen angesichts von Katastrophen und Krisen resilient macht

Laufzeit: 1. Mai 2020 – 31. Dezember 2021

Fördergeber: Land Salzburg (Ref. 2/04 Kultur und Wissenschaft), Verein Freunde des IFZ e.V.

Forschungsvorhaben: Im Rahmen dieses Forschungsprojekts gehen wir systematisch der Frage nach, was Gemeinschaften und systemrelevanten Organisationen dabei hilft, Katastrophen, Tragödien und Krisen zu bewältigen. Wir kombinieren philosophisches Herangehen mit einem engen empirischen Bezug in Form dreier Fallstudien, Begriffsarbeit mit ‚lokalem Wissen‘ und der Einbindung von Betroffenen.

Resilienz gilt als Fähigkeit eines Menschen, mit existenzieller Verunsicherung zu Rande zu kommen. Oder auch als Fähigkeit, trotz widriger Bedingungen in seiner Persönlichkeit gedeihen zu können. Resilienz ist Widerstandskraft. Was aber bedeutet Resilienz für Gemeinschaften oder für Organisationen? Auch sie werden von tragischen Ereignissen heimgesucht oder durch Krisen vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt. Nicht zuletzt können gemeinsam erfahrene Krisen und durchlebte Tragödien trennen oder zusammenschweißen. Im Fall einer gelungenen Verarbeitung können sie zu einem erneuerten Miteinander führen, zu einer „neuen Normalität“.

Fallstudie 1 ist eine Gemeinde (St. Johann am Walde), die von einer Naturkatastrophe schwer getroffen wurde. Tragödien, die menschliches Leben fordern und dabei eine ganze Gemeinde betreffen, zwingen leidvolle Lernerfahrungen auf, die besonnener, kompetenter und nichtzuletzt „menschlicher“ Verantwortungsträger bedürfen, damit sie gut bewältigt werden können. Was waren die größten Herausforderungen, und wie sind die handelnden Personen an diese Aufgabe heran- und aus ihr hervorgegangen? Wie ordnen die Menschen diese Erfahrungen restrospektiv ein? Was (und wer) hat sich als helfend und heilsam erwiesen? Was als schwierig und überfordernd?

Fallstudie 2 ist eine Organisation, die in verschiedenen Situationen Nothilfe leistet. Von Organisationen, die per se auf Handeln in Krisen eingerichtet sind, ist Bedeutendes zum Thema institutioneller Resilienz zu lernen. Wie lässt sich ein Umgang mit Krisen kompetent organisieren? Wann kann trotzdem eine förderliche Kultur des Miteinander aufrechterhalten werden? Wo liegen die wesentlichen Lernerfahrungen im Hinblick auf Resilienz? Ein Schwerpunkt der Analyse betrifft die Erfahrungen in der aktuellen Covid-19-Krise.

Fallstudie 3 sind kommunale Hilfssysteme für Notleidende in ihrer Reaktion auf die Covid-19-Krise. Welche Erfahrungen machten bestehende Hilfssysteme, welche neuen Initiativen konnten gesetzt werden? Wie ist es gelungen, Menschen, die besonders unter den Maßnahmen zu leiden haben/hatten, zu unterstützen? Welche Rolle spielen dabei (alte und neue) Formen zivilgesellschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements?

Bei aller nicht zu leugnenden Tragik von Katastrophen und Krisen – sie sind auch eminente Orte und Gelegenheiten für existenzielle Lernerfahrungen. Das ifz stellt sich engagiert dieser Herausforderung, um relevantes Wissen für eine geglücktes Miteinander zu heben und zu sichern.

Team: Dr. Helmut P. Gaisbauer (Leitung), Mag. Elisabeth Buchner MA, Fabian Kos MA; Rückfragen und Kontakt unter: mrohrauer [at] nullifz-salzburg.at

Milestones/Output:

  • Ein Fachgespräch im November 2020 mit dem Titel: „Zum Umgang mit dem Unerbittlichen“. Dies soll zur systematischen Diskussion, zur Vertiefung und Absicherung mit WissenschaftlerInnen (aus dem Resilienz-Netzwerk) und PraktikerInnen (Seelsorge, Krisenintervention, Landesverteidigung) dienen.
  • Eine Veranstaltung in St. Johann am Walde zur Präsentation der Forschungsergebnisse, evt. Buchvorstellung.
  • Monographie (Arbeitstitel): „Nach dem Sturm: Was ein Dorf im Umgang mit der Tragödie wachsen lässt“.
  • Monographie (Arbeitstitel): „Zum Umgang mit dem Unerbittlichen. Was Gemeinschaften und Organisationen in Krisen wachsen lässt“, Mandelbaum, Wien.