Rückblick: Künstliche Intelligenz zwischen gesellschaftlichem Wandel und organisationaler Verantwortung
Veranstaltungen 20. Oktober 2026
Die 3. KI-Konferenz in St. Virgil beschäftigte sich thematisch vor allem mit den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf Menschen, Organisationen und die Gesellschaft. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die Technologie selbst als vielmehr die Frage, wie KI eingesetzt wird, wer über ihren Einsatz entscheidet und welche gesellschaftlichen und organisationalen Konsequenzen daraus entstehen.
Die Diskussion machte deutlich, dass KI auf zwei unterschiedlichen, aber eng miteinander verbundenen Ebenen betrachtet werden muss:
- Gesellschaftliche und politische Ebene: Hier geht es um die Macht und den Einfluss großer Technologieunternehmen, politische Regulierung (beispielsweise auf EU-Ebene) sowie Fragen der Demokratie und gesellschaftlichen Teilhabe. Eine zentrale Frage lautete, inwieweit Bürger*innen die Entwicklung und den Einsatz von KI überhaupt noch mitgestalten können oder ob die wesentlichen Entscheidungen von politischen Institutionen und großen Technologiekonzernen getroffen werden.
- Organisationale und individuelle Ebene: Diese Perspektive beschäftigt sich mit dem konkreten Einsatz von KI in Unternehmen, Vereinen, NGOs und im persönlichen Berufsalltag. Im Vordergrund stehen die Möglichkeiten und Grenzen von KI als Arbeitsinstrument sowie die Auswirkungen auf Arbeitsprozesse, Zusammenarbeit und Kompetenzen.
Während sich die Wiener Soziologin Julia Eisner in ihrem Vortrag stärker mit den Menschen als Nutzer*innen von KI beschäftigte, richtete der Blick der KI-Forscherin Olivia Zechner auf Organisationen, Vereine und NGOs.
KI als Führungs- und Organisationsthema
Eine zentrale Erkenntnis der Tagung war, dass insbesondere generative KI stärker als Führungsaufgabe verstanden werden muss. Ihr Einsatz ist nicht nur eine technische oder individuelle Entscheidung, sondern betrifft die strategische Ausrichtung von Organisationen, die Gestaltung von Arbeitsprozessen und den Umgang mit Beschäftigten. Damit verbunden war die Diskussion über mögliche Arbeitsplatzverluste durch KI. Ob KI allerdings zur Unterstützung von Beschäftigten, zur Veränderung von Tätigkeiten oder zum Personalabbau eingesetzt wird, hängt wesentlich von organisationalen und unternehmerischen Entscheidungen ab.
Kritische Auseinandersetzung statt blindem Technologievertrauen
Ein weiteres Thema war die Vertrauenswürdigkeit von KI. Dabei stellen sich Fragen nach der Qualität der zugrunde liegenden Daten, dem Schutz der Privatsphäre sowie den Auswirkungen auf Kommunikation und Entscheidungsprozesse. Die Qualität von KI-Ergebnissen hängt wesentlich von den verwendeten Daten ab. Ein unkritisches Vertrauen in KI ist daher ebenso wenig zielführend wie eine grundsätzliche Ablehnung.

Diskutiert wurde außerdem das Risiko des sogenannten De-Skillings: Wenn bestimmte Aufgaben zunehmend an KI ausgelagert werden, besteht die Gefahr, dass Menschen bisher vorhandene Fähigkeiten verlieren oder weniger eigenständig anwenden. KI kann zugleich als Werkzeug und als „Reality Check“ dienen, die bestehende Arbeitsweisen, Annahmen und Entscheidungen hinterfragt. Entscheidend ist, dass die Ergebnisse kritisch eingeordnet und menschliche Kompetenzen weiterhin bewusst eingesetzt werden.
Demokratische Teilhabe
Über die unmittelbaren Auswirkungen auf den Arbeitsalltag hinaus wurde KI als Anlass verstanden, grundlegende gesellschaftliche Fragen neu zu stellen: Wie verändert sich unsere Gesellschaft durch den Einsatz von KI? Wer profitiert von diesen Veränderungen? Wer trägt mögliche Nachteile? Und wie können Beteiligung und demokratische Mitgestaltung sichergestellt werden? Dabei wurde deutlich, dass viele Herausforderungen rund um KI nicht allein technischer Natur sind. Vielmehr liegen sie auf politischer, gesellschaftlicher oder unternehmerischer Ebene und müssen auch dort bearbeitet werden.
Handlungsfähigkeit statt Angst und Überforderung
Ein wiederkehrender Gedanke war, dass Unsicherheit gegenüber KI nicht in Angst oder Handlungsunfähigkeit münden sollte. Stattdessen wurde dafür plädiert, den eigenen Handlungsspielraum in den Mittelpunkt zu stellen. Dafür gilt es zunächst, den aktuellen Entwicklungsstand von KI realistisch einzuschätzen und zwischen drei Fragen zu unterscheiden: Was wollen wir über KI wissen? Was müssen wir wissen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können? Und was können wir tatsächlich beeinflussen oder verändern?
KI kann in diesem Sinne auch als Weckruf verstanden werden, sich intensiver mit Fragen von Arbeit, gesellschaftlicher Teilhabe, demokratischer Beteiligung und organisationaler Verantwortung auseinanderzusetzen.
Die wesentliche Frage ist nicht nur, was KI technisch ermöglicht, sondern wie Menschen, Organisationen und politische Institutionen mit diesen Möglichkeiten umgehen. Die Auswirkungen von KI auf Beschäftigung, Kompetenzen, gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Prozesse sind nicht ausschließlich technologisch vorgegeben, sondern werden maßgeblich durch menschliche Entscheidungen und institutionelle Rahmenbedingungen geprägt.

