Spannendes Fachgespräch zum Thema „Ethik im Krankenhausalltag“.

Ethik im Krankenhausalltag

Am Freitag, den 21. Oktober 2016, fand am ifz ein Fachgespräch zum Thema „Ethik im Krankenhausalltag“ statt. Expertinnen und Experten aus der Medizinethik trafen mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten zusammen und öffneten einen spannenden Raum für Diskussionen. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Mit welchen ethischen Herausforderungen sehen sich Krankenhäuser derzeit besonders konfrontiert? Wie kann man Ethik im Krankenhausalltag verankern und welche Schritte müssen diesbezüglich erfolgen?

Eingangs wurde über aktuelle Herausforderungen für Ethik im Krankenhausalltag diskutiert. Dabei kamen unterschiedliche Facetten und teils gegensätzliche Einschätzungen zur Sprache. Während einige die Tendenzen zur „Verwirtschaftlichung“ im Sinne von Kommerzialisierung des Gesundheitswesens kritisch sahen, hoben andere den ethischen Wert von Wirtschaftlichkeit im Sinne eines sparsamen Mitteleinsatzes hervor, betonten jedoch den bestehenden Verbesserungsbedarf. Einig waren sich die Anwesenden darüber, dass es bezüglich wirtschaftlicher Überlegungen bei Therapieentscheidungen verbindlicher und ethisch gut durchdachter Richtlinien bedarf. Einige Teilnehmende nannten auch auf den auf dem Krankenhauspersonal lastende Zeitdruck als größte Herausforderung für Ethik im Krankenhausalltag, andere wiesen auf die „starre“ hierarchische Strukturierung nach Berufsgruppen mit unterschiedlichen Handlungslogiken und Moralsystemen hin. Eine Ethik benötige eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen den Berufsgruppen, die das „Silodenken“ überwinden kann und Patientinnen und Patienten ganzheitlich sieht.

Aus dem Forschungsgespräch können einige Punkte abgeleitet werden, die in Bezug auf Ethik im Krankenhausalltag eine bedeutende Rolle spielen. Insbesondere kommt es darauf an, das gesamte System des Krankenhauses in die Entwicklung einer Ethikkultur miteinzubeziehen. Das bedeutet, dass schon in der Gestaltung der Strukturen, Prozesse und Zielvorstellungen des Krankenhauses ethische Aspekte als Qualitätskriterien Berücksichtigung finden sollten. Die Unterstützung durch die gesamte Führungsebene ist für eine nachhaltige Veränderung von fundamentaler Bedeutung. Für den Prozess der Ethikentwicklung benötigt es außerdem Zeiten und geeignete Räume für Pausen und Kommunikation, beispielsweise in Form von Ethikcafés und Kamingesprächen, wo ein Dialog auf Augenhöhe stattfinden kann.

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Gunter Graf und Elisabeth Buchner (beide ifz) eröffnen gemeinsam mit Oberarzt Christian Brandtner (SALK) das Fachgespräch und geben Einblicke in das Projekt „Ethische Aspekte des Alltags auf der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Herausforderungen und Lösungsstrategien“. Anschließend sprach Karl-Heinz Wehkamp (Uni Bremen) in seinem Vortrag „Ethik jenseits der Fallbesprechung“ über die Ermittlung und Bearbeitung ethischer Herausforderungen im Krankenhaus.

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Rainer Kinast (Vinzenzgruppe Österreich) berichtete über die Wertearbeit der Vinzenzgruppe mit besonderem Schwerpunkt auf der Verbesserung der Lebensqualität von Patientinnen und Patienten.

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Brigitta Gruber (Arbeitspsychologin an den SALK) gab Einblicke in das auch ethisch relevante Thema „Pausenkultur(en)“ im Krankenhaus. Kurz vor Ende des Fachgesprächs warf Jürgen Wallner (Barmherzige Brüder Österreich, Medizinische Uni Wien) die Frage auf, wie man die Ethik der DNA in ein Krankenhaus bringen kann. Abschließend wurde noch einmal intensiv darüber diskutiert, wie eine Alltagsethik im Krankenhaus aussehen könnte.

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Das Fachgespräch beruht auf dem Projekt „Ethische Aspekte des Alltags auf der Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie. Herausforderungen und Lösungsstrategien“, welches das ifz mit den Salzburger Landeskliniken (SALK) durchführte. Es hat wichtige Einsichten in die ethischen Herausforderungen der Krankenhäuser gegeben und bedeutende Schritte aufgezeigt, die notwendig sind, wenn man Ethik im Krankenhausalltag nachhaltig verankern will.