COVID-19: Ihre Erfahrungen

Herzlichen Dank, dass Sie Ihre Erfahrungen während dieser Pandemie, die alle Menschen auf allen Kontinenten dieser Welt trifft, mit uns teilen. Wir laden alle herzlich dazu ein, gemeinsam mit uns zu reflektieren und nachzudenken. Derzeit ist alles anders. Und auch „nach Corona“ wird vieles anders sein als „vor Corona“.

Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Eine starke Veränderung war der erste Lockdown: keine ordentlichen Ausgangsmöglichkeiten, keine Beschäftigung. Zur Zeit habe ich weniger Arbeitszeiten und weniger Kontakte zu meinen Verwandten. Ich sehe das als negativ. Gegen die Maskenpflicht habe ich nichts.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich möchte nicht an Covid-19 erkranken, aber auch keinen zweiten Lockdown, wie im April. Auf keinen Fall möchte ich wieder untätig, ohne Beschäftigung zu Hause sein.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Eigentlich nicht. Meine Hoffnung ist, dass es bald einen mRNA-Impfstoff geben wird. Ich denke, nach Corona wird wieder alles so sein, wie vor Corona, die aktuelle Situation könnte aber auch zu einer Verbesserung des Klimaschutzes führen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich nehme mir mehr Zeit zum Zeitungslesen, das ist positiv.

Samstag, 26. September 2020
Männlich, 48 Jahre, IV-Pensionist/Beschäftigter, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Intensive, sehr schöne Zeit mit meinen beiden Kindern und meinem Freund (der nicht im Haushalt wohnt). Ich habe die Begrenzung des Kontakts auf diese mir sehr nahen Personen genossen und viele neue Seiten an meinen Kindern kennen gelernt.
Und ich habe gelernt, dass ich im Home-Office deutlich effizienter arbeiten kann und auch dieses sehr zu schätzen gelernt – auch wenn es in Summe mehr Arbeit bedeutete.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich möchte vermeiden, mich und meine Familie anzustecken. Sorgen macht mir eher die Zukunft für die junge Generation, die noch in der Ausbildung ist und/oder Job sucht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Der Wegfall von allen Terminen war wunderbar. Kein Terminstress, kein Freizeitstress, kein Shoppen. Leere Straßen, kein Flugzeuglärm. Familien, die mit ihren jugendlichen Kindern spazieren gehen.
Hoffentlich wird insgesamt mehr Home-Office möglich sein um den Verkehr zu entlasten. Ich persönlich werde den Terminkalender meiner Jüngeren entrümpeln.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich persönlich habe in dieser Zeit des Shutdowns eher positive Erfahrungen gesammelt, konnte trotz erhöhtem Arbeitsaufkommen mehr auf mich schauen. Das hoffe ich ein wenig mitnehmen zu können.

Montag, 18. Mai 2020
Weiblich, 47 Jahre, Public Relations, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Familie: Kein körperlicher Kontakt zu Eltern (Mitte 70); sehr schmerzhaft zu sehen, wie die Eltern durch die Isolation leiden. Engste Familie: Harmonisches Beisammensein (alle im selben Boot).

Freizeit: Vermehrt Spaziergänge, Laufrunden mit engsten Familienangehörigen. Entspannte Abende ohne „Freizeitstress“. Mehr intensive Zeit im Garten mit Gartenarbeit.

Arbeitsumfeld: Von 100% Office auf 0%. Oder von 0% Home-Office auf 100%. Die Arbeit soll normal bzw. intensiver als zuvor weiterlaufen, aber Probleme mit VPN-Verbindung, Upgrade auf ein schnelleres Internet, kleiner Bildschirm sind zeitintesiv und demotivierend. Absprache innerhalb der Familie, wer, wann, welches Endgerät benutzt. Wer, wo, wann ungestört arbeiten kann. Außerdem Arbeitseinschränkungen bezüglich Ausdrucke mit Home-Drucker, fehlende kurze Kommunikationswege, fehlendes analoges Arbeitsmaterial (analoge Ordnerablage, Pinwand etc.).

Nachrichtenkonsum: Vermehrtes, intensiveres, tägliches Verfolgen der aktuellen Situation.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Wie werden die Eltern das schaffen? Wie können wir sie trotz der Distanz unterstützen? Wie groß / wieviel größer wird die Kluft zwischen Arm und Reich? Welche persönlichen/wirtschaftlichen Katastrophen werden noch kommen? Wann wird es wieder wie vorher? Wie wird der körperliche Kontakt zu engsten Freunden?

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Derzeit positiv: Was sehr positiv ist/war, ist, dass alle Familienmitglieder zu Hause waren und es so (fast überraschend) gut und harmonisch funktioniert hat. Das freie Einteilen der Arbeitszeit war sehr positiv.

Was Hoffnung gibt: Wenn wir alle klug agieren, und an einem Strang ziehen, dann können wir es noch schaffen, unseren Planeten vor der Umweltkatastrophe zu retten. Das hat der Lockdown gezeigt. Nicht nur ein „Danke“ an die Berufsgruppen in systemrelevanten Berufen, sondern auch monetäre Abgeltung in Zukunft – leider eine sehr kleine Hoffnung.

Persönlich: Was ich in die Zukunft mitnehmen möchte ist, dass ich meine freie Zeit weniger und gezielter verplane und dadurch mehr zur Ruhe komme.

Beruflich mitnehmen möchte ich: eine gute Kombination zwischen Office und Home-Office finden (60:40).

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Neu/vermehrt: Bewegung in der Natur, täglich Yoga, Fixpunkt bei Schönwetter: täglich um 15 Uhr gemeinsamer Kaffee/Tratsch mit den Nachbarn über den Gartenzaun.
Seit Corona bin auch ich (als Verweigerin) in Whatsapp und bin in dieser besonderen Situation erstmals begeistert davon. Dadurch vermehrter Kontakt zu Freunden/Familie über Chats und Video-Chats.

Sonntag, 17. Mai 2020
Weiblich, 48 Jahre, Studiengangsorganisation, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Schule: Kinder sollen und müssen zu Hause lernen, sie sind mehr zu Hause und haben weniger soziale Kontakte.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Dass meine Eltern an Corona sterben könnten;
Dass Ungleichheiten in der Gesellschaft sich verschärfen (arm/reich, Frau/Mann), und es somit insgesamt zu einem Rückschritt kommt.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ganz persönlich: Die Ruhe und vermehrte Familienzeit tat der Familie gut. Das Nicht-entscheiden-müssen ob etwas konsumiert wird (einkaufen, fortgehen, Kino …), was konsumiert wird, oder ob beispielsweise am Wochenende ein größeres Freizeitprogramm gemacht wird und wo, das war ebenfalls entlastend.

Was ich mitnehmen möchte: Mich nicht drängen lassen von den vielen Möglichkeiten an Aktivitäten, die es gibt.

Für die Gesellschaft: Ich bin skeptisch, ob es hier zu Veränderungen im Denken kommt.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Die Besinnung darauf, was mir wichtig ist: Vor allem meine Familie, das Bewusstsein, dass es uns gut geht, da wir zum Beispiel keine finanziellen Sorgen haben. Die vermehrte Zeit für Ausflüge in die Natur und Zeiten für mich (Medidation, Yoga) haben mich gestärkt.

Sonntag, 17. Mai 2020
Weiblich, 49 Jahre, Ärztin, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung für mich ist, dass ich durch Corona so lange intensiv zu Hause sein kann. Ich studiere und arbeite zurzeit gleichzeitig. Das Studium ist ein Vollzeitstudium, das ich eigentlich in Linz absolviere und demnach normalerweise unter der Woche drei bis vier Tage gar nicht zu Hause bin. Mit Corona wurde alles von einem Tag auf den anderen auf Distance Learning umgestellt und mit den Ausgangsbeschränkungen war ich in den vergangenen beiden Monaten so viel daheim wie schon lange nicht mehr. Mein Job (aktuell 8h/Woche) hab ich schon vor der Krise teilweise aus dem Home-Office betrieben und die Umstellung war daher recht einfach. Gekriselt hat es im Studium. Alle waren gestresst und unsicher, wie das denn nun alles klappen soll. Man war nicht auf Distance Learning vorbereitet, geschweige denn mit den technischen Möglichkeiten vertraut. Nach der verwirrenden, stressigen Anfangszeit hat es sich nun aber eingependelt und auch das Studium verläuft fast normal. Inzwischen genieße ich es sogar, zu Hause zu sein. Meine wöchentliche Pendelei von Krems nach Linz fällt weg, Wegzeiten und Staus auf dem Weg zur Uni fallen weg. Ich kann mir jeden Tag kochen, was ich will und muss kein Mensa-Essen oder irgendwelche Weckerl essen. Mein Mann ist auch zu 100% im Home-Office seit Mitte März und daher kann ich auch in Kaffeepausen tratschen gehen. Wir haben außerdem getrennte Räume für unsere Arbeitsplätze, was das Studieren und Arbeiten sehr angenehm macht.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Sorgen mache ich mir um meine Angehörigen und deren Gesundheit. Meine Mutter und Oma leben jeweils alleine und waren in den Wochen der Ausgangsbeschränkungen recht einsam. Viel telefonieren hat zwar geholfen, aber man kann sich nicht durch das Telefon umarmen.

Abgesehen von der persönlichen Ebene mache ich mir auch Sorgen, wie denn das alles weitergehen wird. Kommt eine Wirtschaftskrise? Wird das Leben schwieriger? Kommt eine zweite oder dann auch dritte Corona-Welle? Machen die Geschäfte zu schnell wieder auf? Bin ich zu unvorsichtig? Ist es verantwortungslos, wenn ich meine Oma, Mama oder meinen kleinen Neffen umarme? Wann kann ich je wieder tanzen gehen?

Ich bin in der glücklichen Situation, dass mein Job und der meines Mannes sicher sind. Daher fühle ich mich nicht in meiner Existenz bedroht, doch ganz hinten im Kopf ist da immer auch ein Stimmchen, das mir sagt, dass sich das alles auch ganz schnell ändern kann.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Wie bereits bei Frage 1 angeführt, genieße ich meine Zeit zu Hause, die radikale Reduktion meiner Reisezeiten und die intensive Zweisamkeit mit meinem Mann. Ich hoffe, dass nach Corona Teile des Studiums auch als Distance-Learning-Lehrveranstaltungen angeboten werden, da dies die Teilnahme sehr erleichtert. Außerdem hoffe ich, dass in der Arbeitswelt Home-Office gekommen ist, um zu bleiben. Denn ein bis zwei Tage zu Hause Arbeiten pro Woche sind sicher in den meisten Bürojobbereichen weiterhin sehr gut möglich.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Mein Mann und ich unterstützen uns gegenseitig. Halten uns im Arm, wenn es mal zu viel wird oder geben uns Zeit allein. Telefonate mit Familie und FreundInnen bringen Abwechslung als Ansprechpartner. Zum Stressabbau habe ich wieder regelmäßig zu laufen begonnen, das hilft, um den Kopf frei zu bekommen. Außerdem habe ich meinen Nachrichtenkonsum im Gegensatz zum Beginn der Krise drastisch reduziert. Ständig die geballten negativen Meldungen waren etwas viel.

Sonntag, 17. Mai 2020
Weiblich, 33 Jahre, Projektmanagerin und Studentin, Krems Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Das Familienleben ist komplett auf den Kopf gestellt und ich genieße es, so viel Zeit mit meiner Tochter verbringen zu können; Uni-Leben fehlt sehr.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Die gleichen wie vor Corona.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ja: die Entschleunigung des Alltags – nicht Tausende Termine erfüllen zu müssen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Mehr Bewegung im Freien (viel Spazieren gehen)

Sonntag, 17. Mai 2020
Anonym
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Kaum Änderungen, da ich in den vergangenen 25 Jahren schon meist Home-Office gemacht habe. Mir fehlen nur etwas die Cafébesuche, die Uni, Konzerte, Ausflüge, Reisen oder ins Kino gehen, aber das ist alles leicht auszuhalten.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Keine.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Sogar sehr viel Positives! Viel mehr Ruhe und Stille, Zeit für Dinge, die ich schon lange machen wollte; aufräumen, Platz und Klarheit schaffen. Für mich fühlt es sich an wie Urlaub: Zeit für das Wesentliche im Leben zu haben! Auf vieles eine neue Perspektive gewinnen!

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Meditation, Beschäftigung mit dem Buddhismus helfen mir auf der geistigen Ebene (schon seit einigen Jahren). Auf der körperlichen Ebene noch mehr bewusstes Essen, bewusster Medienkonsum; Bewegung wie Spaziergänge in der Natur. Musik, Beschäftigung mit Kunst und Literatur haben mir seit jeher gutgetan, nun habe ich endlich auch mehr Zeit dazu. Ein reiches Innenleben stärkt automatisch die Widerstandskraft.

Montag, 20. April 2020
Weiblich, 60 Jahre, geringfügig selbstständig/Pensionistin, Flachgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Eigentlich gibt es keine tiefe Erfahrung von Veränderung. Geänderte Tagesroutinen und Sozialroutinen sind im Vergleich zu den „großen“ Fragen die mich bewegen zwar augenscheinlich und mitunter unangenehm, aber verhältnismäßig banal.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Die Sorge ist, dass nach der Covid-19-Krise alles so weitergeht wie davor. Neoliberale Politik hat die Gesundheitssysteme auf Effizienz und Schlankheit getrimmt, weshalb jetzt keine Reserven vorhanden sind. Die Produktion von jetzt dringend benötigten Waren wurde in Billiglohnländer mit Defiziten an Menschenrechten und/oder grundlegender materieller Versorgung verlegt. Die schamlose Ausbeutung von Tieren und Ökosystemen hat das Virus erst so schnell alle zoogenen Schranken überspringen lassen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Weniger Treibhausemissionen, keine Wochenendshoppingtrips nach London, weniger Autos auf den Straßen, weniger Shoppingwahn (außer Klopapier und Nudeln).

Keine Hoffnung für die Zukunft nach Corona: Die Menschen können sich offensichtlich tatsächlich eher das Ende der Welt vorstellen, als das Ende des Kapitalismus (Zizek).

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich fühle mich aufgrund meiner demographischen und sozialen Situation ohnehin privilegiert. Meine Familie und Freund*innen geben mir Kraft.

Samstag, 18. April 2020
40 Jahre, Lehrer*in, St. Johann
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung war für mich, dass wir als Familie über Wochen hinweg nicht gemeinsam das Haus verlassen konnten. Bei uns in Südtirol war es bis vor kurzem so, dass immer nur ein Elternteil mit einem Kind kurz rausgehen konnte. Das wurde nun etwas entschärft, jetzt ist es meiner Frau und mir wieder möglich, gemeinsam mit unseren zwei Kindern – wenn auch nur kurz – rauszugehen.

Beruflich spüre ich keine Veränderung, da ich als Landwirt normal weiterarbeiten kann. Allerdings mussten wir auf die Lieferung von bestimmten Materialien länger als üblich warten. Die Corona-Pandemie hat mich bzw. uns hauptsächlich privat getroffen.

Ich habe allerdings ein schlechtes Gewissens, da ich durch meine Arbeit in den vergangenen Wochen sehr viel außer Haus war und meine Frau mit unseren zwei kleinen Kindern großteils alleine war.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Meine Sorgen betreffen die Zukunft nach der Krise. Wie wird das weitergehen? Wann kommt eine Impfung? Wie geht es mit dem Kindergarten und der Schule weiter? Wird sich Italien wirtschaftlich erholen können?

Aber am schlimmsten finde ich die sozialen Auswirkungen: Bei uns waren die Menschen die vergangenen Wochen regelrecht in ihren Häusern und Wohnungen eingesperrt. Viele sind durch diese Isolation und Einsamkeit traumatisiert. Menschen haben angefangen, sich gegenseitig auszuspionieren und die Polizei zu rufen, nur weil sie jemanden auf der Straße gesehen haben. Es wurden sogar Drohnen eingesetzt, um die Straßen und Menschen zu beobachten. Viele haben Angst, außer Haus zu gehen oder miteinander zu reden. Wenn mein kleiner Sohn jemanden auf der Straße sieht, fürchtet er sich, dass die Polizei kommt und er eine Strafe erhält. Angst war und ist das vorherrschende Gefühl hier bei uns. Die Geldstrafen sind immens hoch. Erst vergangene Woche ist eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern eine kleine Runde um den Häuserblock spazieren gegangen. Sie musste über 200 Euro Strafe zahlen. Niemand, der das nicht selbst miterlebt, kann sich vorstellen, wie es ist, so zu leben.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Positiv finde ich die Auswirkungen auf die Natur: Es ist kein Verkehr mehr, Parkplätze sind leer, keine Flugzeuge sind am Himmel, man hört keinen Lärm. Früher waren unsere Berge mit Wanderern und Radfahrern überfüllt. Das hat sich nun krisenbedingt gelegt. Man kann richtig zusehen, wie sich die Natur erholt.

Freitag, 17. April 2020
Männlich, 33 Jahre, Selbstständig, Südtirol
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Meine Persönlichkeit.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ungewissheit.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Natürlich, Menschen helfen einander vermehrt und es wird mehr auf die Mitmenschen geachtet. Der Umwelt tut es gut und das Klima hat sich ein wenig gebessert. Man kann die Zeit mit der Familie verbringen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Indem ich mich beschäftige, Dinge für die Uni erledige, Homeworkouts, Zeit mit der Familie, Marvel Filme anschauen, etc.

Ich bleibe positiv und bin optimistisch. Ich mache mehr mit meinem Bruder und das erinnert mich ein bisschen an die Zeit, als wir noch klein waren.

Donnerstag, 16. April 2020
Weiblich, 20 Jahre, Studentin, Tirol
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Unser Alltag hat sich durch die Covid-Krise nicht sehr stark verändert. Wir haben einen acht Monate alten Sohn und unser Alltag besteht nach wie vor aus Spielen, Essen und Schlafen. Sehr traurig bin ich darüber, dass ich meine Familie und Freunde nicht treffen kann. Das ist für mich die größte Veränderung. Meine Schwester hat eine Tochter, die neun Monate alt ist, und wir haben vor der Krise viel Zeit miteinander verbracht. So konnten wir uns gegenseitig unterstützen, was uns den Alltag erleichtert hat.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich mache mir Sorgen darüber, dass sich Familienmitglieder oder Freunde, die zur Risikogruppe gehören, mit dem Virus anstecken könnten. Und natürlich mache ich mir auch Sorgen um unseren kleinen Sohn. Ich finde es wirklich sehr beängstigend, dass Menschen aufgrund des Corona-Virus sterben.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Positiv ist für uns, dass mein Mann aufgrund der Krise von zu Hause aus arbeitet. So haben wir mehr Zeit miteinander und mein Mann kann mich im Alltag mit dem Kleinen unterstützen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Wir verbringen so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft. Dabei genießen wir derzeit besonders das schöne Wetter.

Donnerstag, 16. April 2020
Weiblich, 34 Jahre, in Karenz, Hallein
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich war sehr viel unterwegs, eigentlich täglich, jetzt muss ich mich auf Zuhause beschränken. Am schmerzhaftesten ist für mich allerdings, dass ich meine Enkelkinder nicht berühren, nicht umarmen kann. Meine große Enkelin kommt im Herbst in die Schule, ich hätte gerne mit ihr geübt, und sie auf ihrem Weg dorthin begleitet, auch weil mir das persönlich sehr wichtig ist. Das fällt jetzt weg und macht mich sehr traurig. Und ich befürchte, dass ich womöglich ihren Schulstart im Herbst verpasse, das tut mir sehr weh.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Da mein Mann und ich schon älter sind, habe ich Angst um unser Leben. Da wir beide Vorerkrankungen haben, fürchte ich mich sehr vor einer Ansteckung! Ich stelle mir den Tod durch Corona schrecklich vor, so möchte ich auf keinen Fall enden. Gleichzeitig fühle ich mich sicher und geschützt von der Außenwelt. Alle nehmen Rücksicht. Man bringt uns Lebensmittel und Medikamente bis vor die Haustür. Alle kümmern sich um uns und wollen helfen.

Ich habe Angst, dass durch die jetzigen Öffnungen, der Virus neu aufflammen wird und zurückkommt. Und dass ich dann nicht mehr so geschützt bin, vor allem weil mein Mann dann wieder mehr unternehmen und dem Virus ausgesetzt sein wird.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Meine Hoffnung ist die Zukunft. Ich hoffe, dass die Menschheit etwas aus der Krise lernt. Dass der Habgier Einhalt geboten wird. Dass die Reichen nicht reicher werden, sondern der Wohlstand gerechter verteilt wird.

Auch für den Klimawandel hoffe ich: Meine Generation hat diesbezüglich sehr viel vermasselt, ich hoffe, dass die junge Generation es besser macht. Ich hoffe dies vor allem für meine Kinder und Enkelkinder.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Mein Überlebenswille hilft mir. Ich fühle mich derzeit gut aufgehoben. Ich lebe in einem sicheren Umfeld und halte mich an die Vorgaben der Regierung. Ich habe weder finanzielle noch berufliche Sorgen, da ich Pensionistin bin. Das ist schon mal eine große Erleichterung.

Was mich äußerst positiv erstaunt und was ich so nicht erwartet habe: die Haltung der jüngeren Generation. Früher hatte ich manchmal das Gefühl, wir „Alten“ gehen den „Jungen“ auf die Nerven und liegen ihnen auf der Tasche. Aber all die Maßnahmen und dass sich alle daran halten, das tun sie für uns Alten.

Auch die Regierung gibt mir viel Sicherheit, ich war mit fast all ihren Handlungen einverstanden. Ich bin allerdings dafür, dass die Maßnahmen noch zwei Wochen verlängert werden. Ich hoffe nicht, dass die Fallzahlen durch diese frühe Öffnung wieder steigen.

Mittwoch, 15. April 2020
Weiblich, 71 Jahre, pensionierte Lehrerin, Flachgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Einschränkungen in sozialen Kontakten und sportlichen Betätigungen stellen aktuell die größten Veränderungen dar. Wir kommen aber durch Videotelefonie ganz gut zurecht damit. Wir organisieren öfters Videotelefonie-Abende mit Freunden und Familie.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Neben den üblichen unternehmerischen Sorgen in einer Wirtschaftskrise (und auch ohne Krise) macht mir der Virus und seine möglichen Langzeitfolgen Sorgen. Es gibt bereits erste Anzeichen, dass schwere Verläufe eine dauerhafte Schädigung der Lunge herbeiführen können (Lungenfibrose). Möglich ist auch eine erneute Mutation des Virus und in einer zweiten oder dritten Viruswelle könnte der Virus noch weit aggressiver werden. Dies wurde auch bei der Spanischen Grippe so beobachtet. Erst bei der zweiten Welle kam das Virus mutiert und aggressiver zurück. Und wir werden bestimmt eine zweite Welle erleben (beginnt bereits in Asien). Ein möglicher Impfstoff welcher in beschleunigter Weise entwickelt wird, macht mir ebenfalls Sorgen. In einem Interview mit Dr. Drosten (Charité Berlin) erzählte der Virologe, dass in seiner Branche bereits diskutiert wird, ob auch ein Impfstoff mit häufigen Nebenwirkungen (1/1000) in dieser besonderen Situation zum Einsatz kommen kann. Ich impfe regelmäßig, aber ein neuer Impfstoff dieser Kategorie macht mir schon Sorgen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Weniger. An eine Zukunft welche der Zukunftsforscher Matthias Horx prophezeit, in der Milch und Honig fließen, glaube ich nicht. Meiner Ansicht nach wird sich kaum etwas ändern und wir werden zu „business as usual“ zurückkehren. Einzige Ausnahme einer wirklichen Veränderung sehe ich, wenn sich die Lage dramatisch verschlechtert. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass der Verzehr und Handel von Buschfleisch (bushmeat) weltweit verboten und streng kontrolliert wird. Viele Viren, wie etwa Ebola, entstammen dem Verzehr von Wildtieren aus dem Dschungel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein weitaus gefährlicher Virus im Urwald/Dschungel bereits auf uns wartet (Zoonose).

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Beschäftigung! Wir haben einen kleinen Sohn und durch mein Unternehmen gibt es immer was zu tun und uns wird nicht langweilig. Ich habe auch angefangen wieder etwas zu musizieren. Sehr entspannend! Und natürlich Netflix 🙂

Mittwoch, 15. April 2020
Männlich, 39 Jahre, Unternehmer, Salzburg Land
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Am meisten zu schaffen macht mir die Distanz zu anderen Menschen, die sozialen Abstände, kein Zusammensitzen mit den engsten Freunden und Bekannten, vor allem mit den Kindern und Enkelkindern. Als großer Sportler fehlt mir natürlich auch die Bewegungsfreiheit. Ich kann nicht mehr Schwimmen oder Tennis spielen… Auch dass alle großen Sportveranstaltungen abgesagt sind und im Fernsehen nichts mehr übertragen wird, vermisse ich sehr. Das Zuhausebleiben macht mir weniger aus, ich finde immer genug zu tun.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich habe große Angst, dass ich mich anstecke, oder auch dass sich meine Frau ansteckt, da wir ja doch im fortgeschrittenen Alter sind. So versuche ich mich so gut wie möglich auf Distanz zu halten und die Vorgaben der Regierung einzuhalten.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich hoffe, dass die einzelnen Staaten mehr Selbstständigkeit entwickeln, zum Beispiel in der medizinischen Versorgung, beispielsweise dass Medikamente wieder im eigenen Land hergestellt werden. Dass die Leute nicht mehr so sinnlos herumfliegen. Positiv ist für mich, dass ich gemeinsam mit meiner Frau das Haus wieder auf Vordermann gebracht habe.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich habe das Gitarrespielen wieder für mich entdeckt. Auch erleben meine Frau und ich bei unseren täglichen Spaziergängen nun viel bewusster unsere Umgebung. Und bei jedem Spaziergang fallen uns neue Dinge auf, die uns begeistern, die wir aber vorher noch nie gesehen haben.

Die Vorfreude auf das Leben „nach“ Corona hält mich auch über Wasser. Ich werde alles, was ich vorher als „normal“ empfunden habe, nachher mehr zu schätzen wissen, wie das Zusammensitzen mit Freunden oder den Sport.

Man darf seinen Optimismus nie verlieren, und man soll sich auch nicht von den Medien zu sehr beeindrucken lassen.

Mittwoch, 15. April 2020
Männlich, 73 Jahre, Pensionist, Salzburg Land
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Der plötzliche Umstieg auf Home-Office war eine der größten Veränderungen, die mir das Ausmaß bzw. auch die Veränderungen aufgrund der Pandemie so richtig bewusst gemacht haben. Seitens unseres Unternehmens gab es dabei sehr viel technische, inhaltliche und organisatorische Unterstützung, die aber vor allem in den ersten Tagen auch zu einer Überforderung und Anspannung führten: Volle Mailbox, 2x täglich Videokonferenz, unzählige Telefonate und eine Menge offener Fragen ließen eine Hektik aufkommen, die im Gegensatz zu den leeren Straßen und Geschäften stand. Mir den eigenen Druck zu nehmen, alles für alle sofort und perfekt koordinieren und kontrollieren zu können, war für mich eine der wesentlichen Erfahrungen/Herausforderungen in dieser Zeit.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Nicht zu wissen, wie lange diese Situation andauert, ab wann wir wieder in den „Normalbetrieb“ übergehen können, ist eine der vielen Fragen, die mich beschäftigen. Ebenso die Frage, welche wirtschaftlichen Auswirkungen ausbleibende Aufträge (österreichweit und in Salzburg) auf unseren Bereich/unsere Projekte haben werden: Wie lange wird es Kurzarbeit geben? Was ist dann?

Meine Kolleginnen und ich haben in den vergangenen Wochen ein – manchmal tägliches – „Auf & Ab“ im Umgang mit digitaler Kommunikation und fehlendem persönlichem Kontakt erlebt, sei es in Einzelcoachings bzw. -gesprächen oder in Teammeetings. Dabei bemerke ich, dass das „Durchhalten“, vor allem für einige unsere Klientinnen, immer schwieriger (und existenzbedrohender) wird.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Für mich ist die derzeitige Situation auch ein Lernprozess: Ich hatte – vor Corona – einen ziemlich genauen Plan im Kopf, wie ich die kommenden Monate (beruflich & privat) gestalte. Und so brauchte ich einige Zeit, mich in die neue Situation einzufinden und zu akzeptieren, dass vieles davon (derzeit?) nicht möglich ist und sich Prioritäten verschieben. Letztendlich war das Loslassen von Erwartungen, Zeitdruck und gewohnten Denkweisen aber auch befreiend. Diese Haltung macht mich innerlich ruhiger und gibt mir eine neue, andere Energie – die meine KollegInnen, Klientinnen und ich „nach Corona“ bestimmt gut brauchen können.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Die gegenseitige Unterstützung und der Austausch in den Teams, die Gespräche mit KollegInnen, das Nachlassen der Informationsflut und nicht zuletzt eine gewisse Routine im Umgang mit technischen Hilfsmitteln führen beruflich zu einer neuen „Normalität“, die mir im derzeitigen Arbeitsalltag sehr hilft. Ebenso sind reguläre, längere Mittagspausen, Yoga via Youtube und ein kurzer Arbeitsweg, neue Routinen, die ich durchaus positiv sehe.

Ich verbringe nun viel mehr Zeit zuhause und merke, dass ich für bestimmte Aufgaben (fast) keinen Plan mehr brauche. Sondern warten kann, bis ich Lust habe, sie zu machen (sogar Fensterputzen und Unkraut jäten).

Montag, 13. April 2020
Weiblich, 46 Jahre, Projektmanagement, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Einschränkung der Freiheit; vollkommene Einschränkung der sozialen Kontakte; arbeiten im Home-Office; keine kulturellen Veranstaltungen; das was ich habe, lerne ich besonders zu schätzen wie Wohnung, Balkon, Garten, Partner, Hausgemeinschaft, mehr als genug zu Essen und keine finanziellen Probleme.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Leben mit dem Coronavirus: Wie wird das gehen? Was heißt das für unsere Sozialkontakte, für die Reisefreiheit? Wie wirkt sich das alles für Menschen in der finanziellen Krise aus? Was wird aus psychisch kranken Menschen und wie viele werden dazu kommen? Wie geht es bei Älteren, Hochrisikogruppen, Obdachlosen?

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Kein Freizeitstress: keine Termine sind auch entlastend.

Klima: Die Natur kann durchatmen.

Kein Fluglärm, entspanntere Tage, die Kinder haben Zeit, Eltern spielen mit den Kindern. Man ist nicht verplant. Es ist ein einfacher, aber schöner Alltag. Home-Office ist möglich und in manchen Bereichen auch sinnvoll.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Nur ein Mal täglich Nachrichten hören; ich kann die Krise mit dem Partner durchleben; Balkonkonzerte; telefonischer Kontakt mit FreundInnen und Bekannten; Yoga und Meditation sowie Bewegung im Freien; fein kochen und essen mit einem Glas Wein; Zeit zum Lesen

Sonntag, 12. April 2020
Weiblich, 55 Jahre, Pädagogin, Innsbruck
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Derzeit mache ich – in mir selbst – die tiefste Erfahrung in Form von Bewusst-Sein. Ich nehme eine erhöhte Präsenz in mir wahr, einfach im Hier und Jetzt sein. Dies ist einfach da, ohne dass ich bewusst den Fokus darauf richte. Vermutlich dadurch, dass ich einiges an „Ablenkung“ im Außen wegfällt.

Beruflich war es eine Umstellung von einem Tag zum anderen auf Home-Office umzustellen. Die Klientinnen nicht mehr unmittelbar zu sehen. Mimik, Gestik und die Resonanz des Gesagten ist nicht mehr sichtbar bei der telefonischen Beratung. Und doch entstand in diesen Telefongesprächen ein „Wir-Gefühl“, die Frauen erkundigten sich, wie es mir in dieser Situation geht und wie ich damit umgehe.

Im Privatleben verbringen mein Mann und ich mehr Zeit zusammen zuhause. Für uns als Familie ist es eine Umstellung, dass unsere erwachsenen Kinder und Enkelkinder nicht mehr kommen oder übernachten können oder wir sie besuchen können. Genauso mit der Großmutter bzw. Urgroßmutter. Auch dass es keine herzigen Berührungen derzeit gibt, um uns gegenseitig nicht anzustecken und dadurch womöglich andere Menschen gefährden. Doch der Gedanke daran, dass dies zum Schutze der Bevölkerung ist, hilft sich daran zu halten. Das Einkaufen mit Mundschutz war beim ersten Einkauf von einem etwas bedrückenden Gefühl begleitet.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich bin eine Person mit positiver Lebenseinstellung und gesegnet mit einer guten Basis an Vertrauen ins Leben. Eine neue Sorge ist jene um meine Mutter. Sie ließ sich anfangs nichts sagen und ging noch einkaufen, obwohl sie zur Risikogruppe gehört und ich gerne für sie einkaufen gegangen wäre. Erst nachdem ich ihr gesagt habe, dass dies der Bundeskanzler nicht erlaube, weil sie eine gefährdete Person ist, durfte ich den Einkauf übernehmen. Und sie hat sich daran gehalten.

Viele Klientinnen hatten existenzielle Sorgen und tiefgehende Ängste. Sie in dieser Zeit konkret zu unterstützen, da zu sein und Schritte zu entwickeln damit umzugehen und später auch das zu sehen, was trotz allem auch gut ist im Leben, begleitet mich beruflich. Manchmal begleitet mich auch echte Sorge um jene Person und deren Angehörige, und mich beschäftigt, was ich noch tun und wie ich noch unterstützen kann. Doch die konkrete Hilfe, welche organisiert werden konnte, und die Telefongespräche in diesem Moment waren bereits hilfreich, und ich musste mich darauf besinnen, einfach den Kontakt zu halten und „da“ zu sein.

Auch die Sorge um andere Personen im näheren Umfeld oder Familienangehörige, welche in Italien leben, ist neu. Doch ein vermehrter telefonischer Kontakt mit Videokamera hilft.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Mutter Erde konnte sich bereits in dieser kurzen Zeit, in welcher sich die Menschen zurückgezogen haben, erholen. Dies zeigt, was alles möglich ist, und gleichzeitig zeigt dieser Virus uns Menschen die Grenzen auf und trifft genau dort, wo bereits das Pendel zu weit ausgeholt hatte.

Nun liegt der Fokus auf das Wesentliche im Leben und vieles Unwichtige fällt einfach weg. Das befreit auch. Die Gespräche mit Nachbarn und generell anderen Menschen sind intensiver – weg von oberflächlichem hin zu aufrichtigem Interesse und Anteilnahme am Anderen.

Meine Hoffnung ist, dass auch nach Corona, unter anderem auch mehr Videokonferenzen anstelle von Geschäftsreisen, mehr Regionalität sowie die Verbundenheit und Solidarität zwischen den Menschen aufrecht erhalten bleibt. Und durch Corona die Chance auf einen Wandel zu mehr Verbundenheit aller Lebewesen auf der Erde im Einklang mit der Natur möglich ist.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich werde mir intensiver bewusst und mache gleichzeitig die Erfahrung, dass ich darauf achte und es wichtig ist, worauf ich meine Gedanken lenke. Diese sind durchwegs positiv. Als ich „negative“ Gedanken hatte und sogar ausgesprochen habe, dass die Technik und ich nicht befreundet sind, zeigte sich mir dies sofort und die Erfahrung bestätigte mir diese Aussage in Form von Schwierigkeiten auch bei kleineren technischen Themen. So machte ich mir dies bewusst und arbeitete an dem „Ich-bin-gerade-dabei-mich-mit-der-Technik-anzufreunden-und-zu-lernen“.

Dankbarkeit begleitet mich schon viele Jahre. Es gibt so vieles wofür ich dankbar bin, schon allein in Österreich zu leben erfüllt mich mit Dankbarkeit. Derzeit mache ich mir bewusst, wie ich mein Leben gestalten möchte und was ich Positives beitragen kann zur Veränderung. Denn wenn viele Menschen bereit sind, nicht nur über nötige Veränderung zu reden, sondern selbst etwas beitragen, so kann dies gelingen. Die Berliner Mauer ist auch nicht durchbrochen worden durch den Wunsch einiger weniger Menschen. Doch als ganz viele Menschen diesen Wunsch hatten und darauf zugingen, fiel die Berliner Mauer.

Freitag, 10. April 2020
Weiblich, 52 Jahre, Case Management, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit erlebe ich als tiefste Veränderung. Auch die körperlichen Auswirkungen durch den fehlenden Ausgleich. Keine direkten sozialen Kontakte zu haben empfinde ich auch in der Kommunikation als teilweise schwierig, da sich Befindlichkeiten häufig nicht so gut einschätzen lassen. Dies gilt sowohl für den privaten aber noch mehr für den beruflichen Kontext.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Durch die Möglichkeit des Home-Office kann ich selbst bestimmen, wann ich das Haus verlasse und auch die sozialen Kontakte sind so leichter eingrenzbar als auf dem täglichen Arbeitsweg oder den Kontakten in der Arbeitsstätte. Sorgen bereitet mir, wenn es für MitarbeiterInnen und KlientInnen unerlässlich ist, sich außerhalb der Wohnung aufzuhalten. Hier einzuschätzen, welche Maßnahmen und Handlungen sinnvoll und notwendig sind, gestaltet sich zum Teil als sehr schwierig.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Es gibt immer zwei Seiten, auch diese Situation hat Positives. Dieses extreme „ausgebremst werden“ führt uns noch einmal mehr auf uns zurück, gibt Zeit zum Nachdenken und überdenken. Hoffnung gibt mir, dass es auch vorbei gehen wird.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Im beruflichen Kontext hilft es mir, zu versuchen, mich abzugrenzen, in dem ich meine Arbeitszeiten nach Möglichkeit einhalte und nach Dienstschluss versuche Ausgleich zu finden. Dies mache ich, indem ich zumindest ein Mal am Tag spazieren gehe (und dabei gerne neue Wege abgehe). Ich bin auch immer wieder fasziniert über die kreativen Möglichkeiten, Aktivität möglich zu machen und Initiativen die dadurch gestartet werden.

Auch gibt es nun Zeit, lange nicht mehr genutzte Offline-Interessen zu verfolgen (Häkeln, Lesen, und andere Dinge für die man sonst nie Zeit hatte) – das finde ich sehr wertvoll.

Donnerstag, 9. April 2020
Weiblich, 33 Jahre, Projektleiterin, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich kann meine kleine Wohnung derzeit nicht verlassen. Ich fühle mich sehr einsam und bin oft traurig. Ich bin alleinstehend und das ist schrecklich für mich. Hoffentlich hört das bald auf, sodass ich bald wieder an die Luft gehen kann.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ängste habe ich keine. Aber ich bin sehr oft traurig und fühle mich depressiv. Dann telefoniere ich mit meinen Bekannten und meiner Nichte; so vergeht die Zeit auch schneller und die Einsamkeit vergeht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich hoffe sehr, dass die Krise bald vorbei ist, dass ich wieder Bekannte treffen oder spazieren gehen kann. Ich wünsche mir nichts mehr, als wieder ins Kaffeehaus zu gehen, gemeinsam mit anderen Seniorinnen einen Kaffee zu trinken, Karten zu spielen, einfach nur zu plaudern und zusammen zu sitzen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Mir helfen meine täglichen Telefongespräche mit meiner Nichte und meinen Bekannten. Und ich halte mich an der Hoffnung fest, dass die Krise bald vorbei ist und ich mich mit all meinen Familienmitgliedern wieder treffen kann, dass wir Geburtstagsfeste und das Osterfest nachholen können.

Mittwoch, 8. April 2020
Weiblich, 86 Jahre, Pensionistin, Schlanders, Vinschgau (Südtirol)
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung ist für mich, dass mein Mann nun rund um die Uhr zuhause ist und wir die Zeit zusammen als Familie verbringen können! Da wir unser zweites Kind erwarten und ich im letzten Schwangerschaftsdrittel bin, ist dies für mich eine große Entlastung! Für uns bedeutet das: viel gemeinsame Zeit, schöne Momente, aber auch Situationen, in denen es mal zu Reibereien kommt. Es herrscht bei uns totale Ausgangssperre und das heißt, es ist uns nur gestattet, das Haus für Einkäufe, Arzttermine oder sonstige wichtige Termine zu verlassen. Weder Großeltern, noch Freunde oder Bekannte dürfen wir treffen. Diese Situation ist eine ganz neue Erfahrung für uns und manchmal nicht sehr einfach.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich muss sagen, dass ich persönlich kaum Ängste und Sorgen habe! Ich hoffe, dass wir und unsere Familien, Großeltern, Freunde das alles gut überstehen! Glücklicherweise sind wir gesund und leiden nicht an Vorerkrankungen! Für alle, die gesundheitliche Probleme haben, ist die Situation dramatisch und somit versuchen wir so gut es geht, durch unser Verhalten sie nicht zu gefährden!

Ich mache mir jedoch manchmal Gedanken über die bevorstehende Geburt, für die ich mich ins Krankenhaus begeben muss und nicht weiß, was mich dort erwartet! Aber ich bin positiver Dinge, dass alles gut gehen wird!

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Die jetzige Situation ist für mich auch positiv. Wir haben das Glück, in einem schönen Haus mit Garten leben zu dürfen. Mein Mann unterstützt mich zuhause und wir haben viel gemeinsame Familienzeit! Unser kleiner Sohn genießt die Aufmerksamkeit beider Elternteile und er ist zum Glück noch zu klein, um zu verstehen, was gerade passiert! Ich schätze diese Zeit sehr und versuche, das Positive darin zu sehen, denn diese Ausnahme-Situation wird es wahrscheinlich nie wieder geben!

Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass wir viele Sachen wieder mehr schätzen, zum Beispiel gemeinsame Zeit mit Familien und Freunden, die Natur, unser schönes Land, unsere Gesundheit vor allem und dass wir zufriedener sind mit dem was wir haben!

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Es hilft uns sehr, telefonisch, meist über Videochat mit unseren Liebsten in Verbindung zu bleiben. Dass unser Sohn seine Großeltern somit auch sehen kann, ist für ihn jedes Mal ein Erlebnis! Wir versuchen einfach, jeden Tag so entspannend wie möglich zu gestalten und hoffen, dass bald alles so langsam wieder „normalisiert“ wird!

Mittwoch, 8. April 2020
Weiblich, Südtirol
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Nicht gut ist, dass ich meine Schwester und meinen Schwager nicht persönlich sehen kann und ebenso die Eltern (keine physische Nähe).

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich habe die Sorge, dass der Virus jemanden aus der Familie erwischt. Ängste habe ich keine. Ich rede mit anderen darüber bzw. mache mir selbst darüber Gedanken.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Gut ist, dass ich jetzt immer bei meinem Freund bin. Ich hoffe, dass durch den Virus die Leute besser mit der Natur umgehen und besser darauf achten. Virus als Reaktion darauf, wie wir mit der Natur umgehen.

Ich persönlich hoffe, dass ich und meine Familie gesund bleiben. Ich bin in der Krise darauf gekommen, dass mir Malen und Zeichnen viel Spaß macht.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Mein Freund (ich bin nicht allein); Videos abseits vom Corona-Thema zum Ablenken; Fischen/Natur; Malen; bei Lieblingsliedern lautstark mitsingen.

Mittwoch, 8. April 2020
Weiblich, 32 Jahre, Teilnehmerin an einem  Sozialprojekt, Pongau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Gefühl von Pause von der Gesellschaft/dem Stress; Gespräche werden viel tiefgründiger; Distanz bringt Nähe; Freude über die Erholung der Natur und dass alle nun sehen, wie leicht es ginge.

Manche Menschen gehen nur schwer von ihren Standards herunter (Beispiel: Einkäufe für meine Großmutter). Manche Probleme lösen sich in Luft auf, andere wiederum verstärken sich enorm (von Mitmenschen in meinem Umfeld).

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Bedenken, wie sehr ich mich vor der Quarantäne in der Stressgesellschaft gefühlt habe und dass ich das für mich nicht mehr möchte. Diskussionen mit meinen Großeltern, denen schon die Decke auf den Kopf fällt und die immer wieder um Vorsicht gebeten werden müssen. Innerfamiliäre Diskussionen (warum sollte es jetzt anders sein?); Verschiedenen Verhaltensmuster etc. kommen gerade jetzt stark heraus und deren Auswirkungen machen mir schon Sorgen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Hoffnung betreffend Umdenken der Menschen bezüglich Umwelt (Rad statt Auto, Urlaub im Inland statt weit weg zu fliegen, regional einkaufen, Standard runterschrauben…) und auch im Sozialen (man spürt jetzt was wichtiger ist anstatt immer höher, schneller, weiter).

Persönlich spreche ich seit Jahren von einer längst überfällig benötigten Pause für mich und die Welt… Ich erhole mich extrem und kann belastende, aufgeschobene Dinge nun endlich abarbeiten (mache gerade den Floristenmeister und weiß nicht, wann ich das alles im Normalleben geschafft hätte). Das gibt mir für meine Zukunft sehr zu denken. Ich werde das Hamsterrad in allen Belangen meiden wie die Katze das Wasser, für meine persönliche Gesundheit.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Viel frische Luft, Bewegung, ausreichend Schlaf, gutes frischgekochtes Essen, Zeit zum Wohnen, Briefkontakt, Telefonkontakt, Spaziergänge mit einer verwandten Person mit zwei Meter Abstand zum Quatschen.

Mittwoch, 8. April 2020
Weiblich, 35 Jahre, Kindergartenpädagogik, Soziale Arbeit, Floristik, Salzburg Land
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Aus beruflicher Sicht: Homeoffice, kein persönlicher Kontakt zu KlientInnen, kein persönlicher Kontakt zu KollegInnen.

Familie/Freunde/Soziales Umfeld: kein persönlicher Kontakt außerhalb des Wohnverbundes möglich.

Einschränkung von Grundrechten/der persönlichen Freiheit (Bewegungsfreiheit): Es wird mir jetzt noch viel mehr der Stellenwert von persönlicher Freiheit und Grundrechte bewusst.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ängste/Sorgen um Eltern und um krebskranke Freundin, da sie Teil der Risikogruppe sind. Keine Sorge um berufliche Zukunft, aber ich mache mir schon Gedanken, wie es wirtschaftlich und gesellschaftlich nach der Krise weitergeht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Nachdenkprozess um die derzeitigen Auswüchse (Umweltzerstörung, übertriebene Globalisierung, Kapitalismus, Auslagerung von Produktionsstätten…); sozialer Zusammenhalt trotz sozialem Abstand (Nachbarschaftshilfe); Idee, dass aus der Krise eine neue nachhaltige Gesellschaft entstehen kann; neue kreative Ideen entstehen; Besinnen auf die wichtigen Werte und Bedürfnisse; neues Bewusstsein, in einem Land mit guter Gesundheits- und Sozialversorung leben zu dürfen!

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Meine Stärken, Ressourcen: Meine Familie, Lebensgefährtin, Freunde, meine Arbeit, Renovierungsarbeiten, Zweitwohnsitz, Laufen, Joggen, Natur, Backen.

Der Gedanke, dass diese Zeit wieder vorbeigehen wird.

Mittwoch, 8. April 2020
Männlich, 44 Jahre, Sozialarbeiter, Pongau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung momentan ist für mich, dass meine beiden Söhne nicht in die Schule gehen könne. Da beide ADHS haben, ist es nicht leicht für mich, mit ihnen hinauszugehen, da sie sich nicht an die Verhaltensregeln halten. Es ist schwer, mit ihnen zu lernen und sie den ganzen Tag zu beschäftigen.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Wie lange es noch dauert, bis das alles vorbei ist…

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Weniger Verkehr, kein Stress in der Früh und weniger Termine.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Man kann Dinge im Haushalt erledigen, für die man sonst nur schwer Zeit hat. Ich nähe gerade gerne Masken für meine Familie und Freunde.

Dienstag, 7. April 2020
Weiblich, 29 Jahre, arbeitslos, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Der Vater unserer Kinder und mein Ehemann darf nicht mehr Nachhause kommen. Er arbeitet in einem systemrelevanten Job. Bei uns im Haus lebt seine 80-jährige Mutter und ich selber habe Asthma und bin zurzeit an einer starken Bronchitis erkrankt. Wir telefonieren und skypen, zurzeit ist er wieder in unserem Wohnort. Wenn er uns besucht, dann im Garten und wir sprechen aus vermeidlich sicherer Entfernung miteinander.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Aufgrund einer anhaltenden und akuten Atemwegserkrankung, habe ich Sorge, mich mit Covid-19 anzustecken. Ich bin seit über vier Wochen krank und musste bereits ins Krankenhaus. Wir haben eine 10-jährige Tochter und ich habe Angst, dass sie möglicherweise ohne mich aufwachsen muss, wenn ich mich infiziere.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich sehe diese Situation als Chance, unser Konsumverhalten und das stetig notwendige Wirtschaftswachstum zu überdenken. Die notwendige Digitalisierung im Moment wird unsere Auffassung von Arbeitsplätzen verändern. Die Notwendigkeit, auch ohne Reisen Meetings abzuhalten, wird unseren Begriff von Mobilität neu definieren. Die Schule und die Lehrer müssen auch im fortgeschritten Alter lernen, sich an neue Situationen zu gewöhnen. Ich denke Schule muss und wird neu gedacht werden.

Die Erfahrung, dass es zu einer Zunahme von Gewalt in den Familien unter Isolation kommt, wird hoffentlich zu einem neuen Bewusstsein führen, dass toxische Männlichkeit nicht nur ein erfundener Begriff der Geschlechterforschung ist. Diese Katastrophe wird möglicherweise ein Umdenken im Bereich des Klimawandels und der damit verbundenen Umweltkatastrophen bringen. Ich glaube fest daran, dass der Mensch aufgrund seines kreativen Potenzials in der Lage ist, Lösungen für diese und kommende Krisen zu finden.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich habe ein großes Maß an Resilienz. Meine Biografie ist voll von kleineren und größeren dramatischen Ereignissen. Ich habe eine positive Grundhaltung, gegenüber einschneidenden Lebensereignissen. Sie stehen immer auch für Veränderung und das Überdenken der eigenen Prioritäten und Einstellungen.

Abgesehen davon bin ich ein introvertiertes Einzelkind mit einem introvertierten Einzelkind als Tochter. Die gesellschaftliche Isolation empfinden wir beide als nicht allzu belastend. Wir folgen einem relativ strikten Tagesplan während der Woche, aber am Wochenende zelebrieren wir dieses auch (keine Arbeit, keine Schule und keine Pläne).

Außerdem haben wir den Vorteil in einem großen Haus mit Terrasse, Garten und Haustieren zu leben. Mein Mann und ich sind beruflich so aufgestellt, dass wir zwar finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, diese sind aber nicht existenzbedrohend. In diesem Bewusstsein leben wir auch. Wenn wir das Gefühl haben, es ist nicht mehr erträglich, erinnern wir uns an die Menschen, die all diese Annehmlichkeiten nicht haben. Dann sind wir zwar traurig über deren Schicksale, aber unsere eigene Situation rückt in den Hintergrund und wir machen weiter.

Dienstag, 7. April 2020
Weiblich, 45 Jahre, Geschäftsführerin, Tamsweg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Das soziale Umfeld vermisse ich sehr. Das Verzichten auf die sozialen Kontakte ist für mich persönlich das Gravierendste. Andere Einschränkungen wie beim Einkaufen oder dass man nirgends hinfahren kann, berühren mich nicht so sehr. Aber die Nähe zu Freunden oder Nachbarn oder zur eigenen Familie fehlt mir sehr. Umarmungen fallen zum Beispiel weg und man muss auf Distanz bleiben, wo es vorher eine sehr große Nähe gab.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich bin kein Mensch, der sich gesundheitlich große Sorgen macht. Eher beschäftige ich mich damit, ob alle sozialen Kontakte wieder aufleben. Ob wieder alles so wird wies es mal war. Ich mache mir auch Sorgen darüber, wie die Menschen reagieren, wenn die Maßnahmen lockerer werden. Werden die Menschen dann übertreiben? Kommt alles wieder auf uns zurück und verschärft sich die Situation dann wieder? Ich habe Angst, dass zu Früh die Leine locker gelassen wird, und dass uns allen das nicht wirklich hilft.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Mir fällt auf, dass die meisten Menschen viel respektvoller miteinander umgehen, viele sind auf Distanz sogar noch freundlicher. Beim Spazierengehen zum Beispiel hat nun jeder ein freundliches Lächeln im Gesicht und grüßt von der anderen Straßenseite her. Ich habe die Hoffnung, dass wir mehr schätzen lernen, was wir in unserer Gesellschaft und in unserem Alltag alles für Möglichkeiten haben. Wie wertvoll es ist, wenn man Freunde und Bekannte und Familie wieder um sich haben kann. Ich hoffe auch, dass viele wieder mehr Bescheidenheit an den Tag legen, da man jetzt sehr gut sehen kann, mit wie wenig man eigentlich auskommt. Und dass man so auch gut leben kann.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich habe den Vorteil, den Luxus, dass ich in einem Haus mit Garten lebe. Ich kann raus, ohne dass ich unter Leute muss. Wir kochen grundsätzlich viel selber, das machen wir jetzt natürlich auch. Es gliedert sich aber sehr stark heraus, wer mir wichtig ist und wem ich wichtig bin.

Die Vorfreude auf die sozialen Kontakte „nach“ Corona hilft mir sehr durch diese Zeit. Ich freue mich sehr darauf, mein kleines Taufpatenkind wieder in den Arm zu nehmen. Ich möchte, dass wir die jetzige Situation alle gesund überstehen und dann normal weitermachen können. Und mit „normal“ meine ich das Zwischenmenschliche und nicht die Wirtschaft.

Dienstag, 7. April 2020
Weiblich, 46 Jahre, Hausfrau, Salzburg Flachgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die tiefste Erfahrung von Veränderung betrifft bei mir die Einschränkungen unmittelbarer sozialer (realer/physischer) Kontakte.

In Bezug auf Familie und Freunde/Freundinnen: Ich versuche, über andere Wege (telefonisch, E-Mail) mit ihnen Verbindung zu halten und sie und mich in der derzeitigen Situation zu ermutigen und darauf zu hoffen, zu vertrauen, dass wir uns bald wieder sehen und persönlich treffen werden.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Meine Sorgen und etwaigen Ängste sind weniger gesundheitlicher Art – ich sehe die derzeitige Covid-19-Situation hier eher gelesen; Sorgen machen mir Diskussionsbeiträge und zum Teil auch geplante Maßnahmen, was den Umgang mit bestimmten Grundrechten durch politische Entscheidungsträger, die Polizei etc. betrifft – Ungarn ist sicher ein extremes Beispiel, aber gewisse autoritäre Züge und Verhaltensweisen zeigen sich durchaus in Österreich. Es wird auch in Zukunft nicht immer einfach sein, unterschiedliche Rechte und Freiheiten unterschiedlicher Gruppen gegen- und miteinander abzuwägen: Der Eigenverantwortung jedes/r einzelnen, selbst einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise zu leisten, sollte im Zweifelsfall mehr Gewicht als verordneten Regelungen beigemessen werden, wenngleich es letztere sicher auch in gewisser Weise unbedingt braucht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Positives kann ich der derzeitigen Situation durchaus abgewinnen, da sie mich zu einem grundsätzlicheren Nachdenken über das Verhältnis von Mensch (als Teil der Natur) und dem Virus (als Teil der Natur) bringt – letztlich hat die Natur meiner Interpretation nach einen gewissen Eigensinn und wir Menschen als Teil der Natur können sie nur begrenzt beherrschen und kontrollieren. Als Mensch und Sozialwissenschaftler anregend und positiv nehme ich Solidaritätserfahrungen und (freilich offen, wie lange auch noch nach der Corona-Krise) wahrnehmbare Solidaritätseffekte wahr; die Einschränkung des Konsums auf Grundversorgungsgüter ist insofern auch unter Umständen positiv, als sie mich zum Nachdenken bringt, was ich wirklich zum Leben brauche und vielleicht ist das auch bei anderen der Fall. Corona regt jedenfalls mein Denken und meine Phantasie an und ich beschäftige mich bewusst auch mit Diskussionsbeiträgen anderer, die in diese Richtung interpretiert werden können – insofern hat die derzeitige Situation auch ein kreatives Potenzial – ob und wie sich dies auch in anderen Bereichen oder Problemen (etwa die nach wie vor bestehenden Herausforderungen in den Bereichen Klima, Migration/Flucht/Asyl) auswirken wird, bleibt für mich aber offen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Wichtig für mich ist genug Zeit zur Entspannung, im Rahmen der Ausgangsbeschränkungen auch viel Bewegung im Freien (halt alleine), die Natur und auf gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf zu achten – eigentlich brauche ich diesbezüglich meinen Lebensstil nicht allzuviel ändern; in vielen interessanten Büchern zu lesen und auch meine Arbeit wenn möglich anregend zu gestalten: dies alles kann durchaus meine Widerstandsfähigkeit stärken; neue Gewohnheiten nehme ich bis jetzt noch nicht wahr – eher das Bemühen, das Leben trotzdem möglichst erfüllt zu leben und mich am Aufblühen der Natur und des Frühlings (auch wenn es viel zu warm ist…) zu freuen. Und auch mich hin und wieder mit anderen auszutauschen, wie sie durch die derzeitige Situation kommen.

Dienstag, 7. April 2020
Männlich, 58 Jahre, Sozialwissenschaftler, Wien
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich bin seit zehn Jahren im Pension. Ich hatte ein sehr interessantes und vielfältiges Berufsleben im Bundesministerium für Land – und Forstwirtschaft (Name hat sich geändert). Ich war international viel unterwegs und ich habe in meiner Pension zwei Masterstudien an der Donau Universität Krems absolviert. Mir fehlt der Kontakt zur Familie, Freunde und die Kontakte bei der UNO in Wien. Ebenso musste ich einige Reisen absagen. Ebenso fehlen mir die Besuche von Oper und Konzerte, die Kultur. Aber ich weiß, das die Einschränkung unbedingt erforderlich ist, um selbst gesund zu bleiben und meine Mitmenschen nicht zu gefährden. Es wird eine andere Zeit kommen!

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Nur nicht krank zu werden, sodass ich die Jahre vor mir positiv und vielfältig erleben darf.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Das Positive dieser Zeit ist, dass man bescheidener wird. Ich habe große Bewunderung, Dankbarkeit und Respekt für den großen Einsatz unserer Ärzte, Pflegerinnen und sozialen Einrichtungen, aber auch für die klare Vorgabe unserer Politik. Ich wünsche mir, das so manches positives Verhalten unserer Mitmenschen auch nach Corona anhalten möge. Ein Umdenken ist dringend notwendig auch der Trend zur Bescheidenheit.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Meine wichtigste Kraft für diese Zeit ist mein Glaube, die Hoffnung, dass wir alle gut durch die schwierige Zeit hindurch kommen und das die Parteivertreter auch nach Corona menschlich miteinander umgehen. Ebenso wünsche ich mir, das die Medien und Journalisten menschlicher und fair mit Entscheidungsträger umgehen.

Für mich ist wichtig, dass ich bewusster meine Lebensgestaltung plane und ich mich über jeden gesunden Tag freue. Ich freue mich wieder sehr auf nette Begegnungen mit meiner Familie und Freunden. Ich möchte mich auch bei meinen Nachbarsfamilien, die mich jetzt umsorgen, entsprechend bedanken.

Dienstag, 7. April 2020
Weiblich, 76 Jahre, Pensionistin, Wien
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung für mich ist es, nur einmal in der Woche in die Arbeit fahren zu müssen und sonst 24 Stunden zu Hause mit meiner Familie zu verbringen. Ich hätte nie gedacht, dass das so gut funktionieren könnte. Es ist nicht immer einfach, aber ich nehme diese Zeit als Geschenk. Wann sonst hat man so viel Zeit für einander oder für sich selbst? Ich genieße es einfach, einmal nichts machen zu müssen und Zeit dafür zu haben, zu überlegen, was ich wirklich will, was mir wichtig ist, was im Leben eigentlich zählt.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich finde es sehr traurig, dass viele Menschen gestorben sind und noch sterben müssen, dass viele ihre Arbeit verlieren, dass einige von Corona profitieren werden und andere alles verlieren, was sie bis jetzt erreicht haben. Ich habe noch keine Angst, weil ich hoffe, dass bei uns weiterhin alles gut läuft und wir gesund bleiben. Ich bin dankbar dafür, dass wir gesund sind und ein Haus mit Garten haben.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Seit längerer Zeit ist es mir nicht gut gegangen. Nach außen hin war eigentlich alles bestens, ich konnte das aber nicht richtig erleben oder genießen. Es klingt vielleicht seltsam, aber nach der ersten Woche mit den Corona-Einschränkungen, fühlte ich mich wie ein anderer Mensch. Ich kann mir nicht erinnern, wann ich zuletzt so erholt und glücklich war. Die ganze Verspannung, der Druck und Stress sind schlagartig weg. Ich habe endlich Zeit für alles gehabt und habe trotzdem fleißig zu Hause gearbeitet. Ich hoffe, dass ich das nach der Corona-Krise nicht sofort wieder verliere und langsamer leben kann. Ich merkte, dass ich in meiner Arbeit am falschen Platz bin, es raubt mir nur meine Kraft und es ist schade, so viel Zeit an einer Stelle zu verschwenden, wo man nur geschätzt wird, wenn es gerade passt.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich mache viel Sport, wenn mir danach ist, was früher nur zu bestimmten Zeiten möglich war. Ich habe jeden Tag Kraft dafür und Lust darauf. Kochen bereitet mir wieder Freude, wie früher. Ich habe aufgehört zu planen, was vor drei Wochen einfach undenkbar war.

Montag, 6. April 2020
Weiblich, 41 Jahre, Psychologin, Salzburg Umgebung
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich bin in der Landwirtschaft tätig, dort erfahren wir kaum Einschränkungen. Hier in Südtirol müssen wir allerdings bei jedem Schritt außer Haus eine Selbsterklärung bei uns tragen, in der steht, warum und wieso wir das Haus verlassen. Die größte Veränderung erfahre ich im Moment im Privaten, da wir schon seit Wochen unsere Kinder und Enkelkinder nicht mehr sehen dürfen.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

In Italien möchte ich in der jetzigen Situation nicht krank werden und ins Krankenhaus kommen. Ich habe das Gefühl, dass Italien dieser Situation nicht gewachsen war und auch immer noch nicht ist. Meine größte Angst ist, dass sich Italien und auch Spanien nicht von dieser Situation erholen. Die EU müsste nun sehr viel mehr zusammenhalten. Ich befürchte auch, dass von den Hilfsgeldern nichts für die kleinen Unternehmen übrig bleibt. Ich glaube, dass nur große und zuvor schon starke Firmen eine Überlebenschance haben. Ich habe richtig Angst, dass es in Italien, vor allem im Süden, nach der Coronakrise zu einer großen Not kommt, sowohl was Arbeitslosigkeit als auch Hunger betrifft.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Für mich gibt es im Moment nur einen positiven Effekt: Die Umwelt und die Natur. Allerdings bin ich auch überzeugt, dass es nach der Krise noch schlimmer wird bezüglich Umweltverschmutzung.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich glaube, dass ich „nach Corona“ sicher weiterhin bewusster leben werde. Früher bin ich planlos mit dem Auto irgendwohin gefahren. Das geht jetzt nicht mehr, und das möchte ich auch nicht mehr so machen, einfach weil es nicht notwendig ist. Ich mache auch mehr Zuhause und helfe meiner Frau mehr im Garten und im Haushalt.

Montag, 6. April 2020
Männlich, 65 Jahre, pensionierter Landwirt, Kortsch, Vinschgau (Südtirol)
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich bin im Home-Office tätig, da mein Arbeitsplatz nicht betreten werden darf. Für den Ortswechsel war ich immer sehr dankbar, um Abstand zu gewinnen, sich besser und einfacher Ruhe- und Arbeitszeiten einzuteilen sowie Privates und Berufliches zu trennen. Das fällt nun weg, wenn ich Telefon- und Videokonferenzen in meiner privaten Wohnung abhalte und rund um die Uhr daheim bin.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Bis jetzt gelingt mir das Home-Office ganz gut, und auch das Alleinsein (eigene Wohnung) bereitet mir bislang keine Probleme. Ich hoffe, dass ich es auch weiterhin schaffe, leistungsfähig, gesund und glücklich zu bleiben.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich empfinde es als angenehm, mir spontane Pausen einräumen zu können. Zudem bin ich sehr dankbar, überhaupt arbeiten zu können und Geld zu verdienen. Positiv ist auch, dass meine Eltern und Großeltern die Möglichkeit entdeckt haben, Videoanrufe mit der gesamten Familie zu tätigen. Ich gehe auch bewusster mit meiner Zeit um, beispielsweise plane ich viel sorgfältiger, was ich alles mit einem einzigen Gang außer Haus erledigen kann. Ich schätze es auch positiv ein, mit großer Sicherheit zu wissen, dass diejenigen, die ich telefonisch erreichen möchte, auch erreichbar sind.

Ich glaube, dass die momentane Situation für ein Gefühl der Solidarität, des Mitgefühls und der Rücksichtnahme sorgt. Für die Zukunft wäre es toll, wenn wir – gestärkt durch die „Corona-Zeit“ – auch andere großen Probleme auf die gleiche Art positiv bewältigen könnten.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Im Home-Office hilft es mir tatsächlich, durch entsprechende Kleidung sich zum Arbeiten zu motivieren und Freizeit von Arbeit zu trennen. Ich werde vermutlich auch meinen neu eingerichteten Arbeitsplatz Zuhause an dieser Stelle und in der Form (be)stehen lassen. Mich stärkt meine Familie, da ich sehe, wie wertvoll es ist, arbeiten zu können und produktiv sein zu können.

Montag, 6. April 2020
Weiblich, Angestellte
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die wohl tiefste Veränderung ist die neue Verbundenheit mit dem eigenen Zuhause. Ich habe mich Zuhause schon immer sehr wohl gefühlt und bislang fällt mir auch noch nicht die Decke auf den Kopf. Das liegt aber insbesondere daran, dass ich von Zuhause arbeiten, Sport machen kann, ich nicht allein bin (mein Freund ist ebenfalls da), ich keine Kinder um mich habe, denen es zu langweilig wird. Mir gefällt es aktuell, dass ich meinen Alltag so strukturieren kann, dass er zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Mir wird auf der anderen Seite jeden Tag bewusster, wie privilegiert ich eigentlich bin. Die Gedanken an die Menschen, die kein gemütliches Zuhause haben, mit vielen Menschen auf engstem Raum leben, häusliche Gewalt erfahren oder aktuell unter starken Existenzängsten leiden müssen, quälen mich sehr.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Mich persönlich quälen die Sorgen um Andere am meisten… Insbesondere um die Gesundheit meiner Familie, meiner Freunde und deren Familien. Außerdem kommt hinzu, dass wir natürlich nicht wissen, was wirtschaftlich auf uns zu kommt, wenn die Krise überstanden ist.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Wie bereits unter Frage 1 beschrieben, kann ich der Situation aktuell sehr viel Positives abgewinnen, aber auch nur, weil ich in dieser privilegierten Situation bin. Alles ist entschleunigt, ich kann in Ruhe an meiner Dissertation schreiben, leckeres Essen kochen, Sport treiben, lesen… Alles wofür sonst immer zu wenig Zeit war.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Struktur hilft. Ein immer gleicher Ablauf aus Aufstehen, Frühstücken, Arbeiten/Schreiben, Mittagessen, Arbeit/Schreiben, zum Feierabend laufen gehen, anschließend Zuhause Sport treiben und abends mit meinem Freund gemeinsam Lesen, Fernsehen etc. Eigentlich vergeht die Zeit viel zu schnell.

Montag, 6. April 2020
Weiblich, 30 Jahre, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dortmund
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Das „Alles von zu Hause aus“ ist wohl die gravierendste Veränderung. Das zu Hause ist jetzt zusätzlich auch Arbeitsplatz, Sportstätte, Treffpunkt mit Freunden (online) etc. Das bedeutet, ich muss mich noch besser strukturieren, damit sich meine unterschiedlichen Lebensbereiche nicht ständig vermischen.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Persönlich begleiten mich keine Sorgen oder Ängste. Diese beziehen sich eher auf die allgemeinen, vor allem wirtschaftlichen Auswirkungen durch die gesetzten Corona-Maßnahmen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Das Innehalten, das Raus aus dem Hamsterrad, die vorherrschende Ruhe und Stille bringen eine wohltuende Entschleunigung. Auch einen besonderen Zusammenhalt, ein „füreinander Dasein“ nehme ich wahr. Meine Hoffnung ist, dass wir als Gesellschaft etwas von diesen positiven Dingen mit in die Zeit nach Corona nehmen!

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Dabei hilft mir die Geborgenheit in meiner Familie, vor allem mit meiner Frau und unseren beiden Söhnen. Dabei hilft mir ein sozialer Austausch über die sozialen Medien. Dabei hilft mir, mich nach dem Home-Office täglich konsequent in der Natur zu bewegen. Dabei hilft mir, mich abseits von Nachrichten über Corona mit positiven Themen zu befassen.

Montag, 6. April 2020
Männlich, 52 Jahre, soziotherapeutischer Trainer, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Mein Mann und ich befinden sich derzeit im Home-Office. Die Kinder sind seit drei Wochen zu Hause und müssen außerschulisch ihren Hausaufgaben machen. Kinderbetreuung, beim Hausaufgaben helfen, Homeoffice, Arbeitspensum erfüllen, die Familie ist nun 24 Stunden jeden Tag zusammen etc. Das sind große Herausforderungen für die gesamte Familie.

Den Kindern fehlen die sozialen Kontakte sehr.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Mein Mann ist selbstständig und lebt vom Tourismus. Er hat seit der Coronakrise kein Einkommen. Da der Tourismus längere Zeit eingeschränkt werden wird, wissen wir nicht, wann mein Mann wieder sein Geschäft öffnen kann. Wir haben Miete zu zahlen und machen uns Sorgen wie das zukünftig finanziell zu stemmen sein wird.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Entschleunigung, weniger Stress in der Früh (man nimmt sich mehr Zeit zum Frühstücken), Stille (kaum Autoverkehr, kein Flugzeug zu hören), weniger Hektik (das Hetzen von A nach B fällt weg).

Umdenken bei der Umweltverschmutzung, Besinnung auf das Wesentliche (wir sind alle gesund und es geht uns trotz Corona gut), Wertschätzung des Hier und Jetzt.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Täglich an die frische Luft, spazieren gehen (in den Wald), tägliche Struktur und Routine, vermehrt Aktivitäten mit der Familie, Dinge im Haus erledigen, die man schon lange aufgeschoben hat. Mit Freunden telefonieren. Bewusste Auszeiten (Kaffee auf der Terrasse, Buch lesen, das Frühlingserwachen der Natur beobachten).

Montag, 6. April 2020
Weiblich, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die Arbeit von Zuhause aus ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Einerseits ist die Kommunikation mit den Kollegen deutlich eingeschränkt – trotz der Möglichkeit von Videokonferenzen und Chat. Es herrscht halt echte Distanz. Andererseits ist die Trennung von Arbeit und Freizeit verschwommen. Wenn Leute zum Mittagessen zu einer dringenden Konferenz anrufen, was normalerweise nicht typisch ist, dann nervt das sehr. Außerdem wird irgendwie erwartet, das man jederzeit online erreichbar ist.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich bin in einer vergleichsweise günstigen Situation. Derzeit ist noch Arbeit zu erledigen und ohne Kinder im Haushalt ist dies auch ohne viel Ablenkung möglich. Daher gibt es dazu keine akuten Ängste. Allerdings befürchte ich, dass meine Mitarbeiter immer mehr Sorge um ihren Arbeitsplatz haben bzw. sich das verstärkt. Ist schon deutlich vorhanden. Mehr als beruhigen kann ich da derzeit leider kaum.

Konkrete Angst hab ich natürlich um meine Angehörigen, wie zum Beispiel die etwas älteren Eltern. Außerdem kann ich nicht ausschließen, dass ich selber erkranke und Komplikationen habe.

Angst um die tägliche Versorgung habe ich nicht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Trotz der verschwommenen Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist die Möglichkeit zwischendurch einen Spaziergang oder Sport zu machen, recht positiv. Ich nutze das täglich, zurzeit gibt es ja keine Ausgangssperre.

Trotz der großen Unsicherheit bezüglich zukünftiger Aufträge für unsere Firma ist es tatsächlich befreiend, dass offenbar der Druck bei laufenden Projekten etwas rausgenommen wurde. Es wird nicht sofortige Erledigung erwartet, zumindest derzeit.

Die Hoffnung für die Zukunft wäre am ehesten, dass die schlimmsten Auswüchse des Kapitalismus in Form von globalisierter just-in-time-Produktionswirtschaft zumindest hinterfragt werden. Das hat ja jetzt viele Probleme aufgeworfen. Die Aufstellung von lebenswichtiger Infrastruktur wird auch zu diskutieren sein (hoffentlich). Ein Effekt der Krise könnte sein, dass man etwas mehr auf Fakten und die Wissenschaft hört als Gegenpol zum allgegenwärtigen Populismus. All das wird von der Dauer der Pandemie abhängen, sollte alles in wenigen Wochen vorbei sein, wird nicht viel bleiben. So gesehen kann eine längere Krise der Gesellschaft vielleicht Alternativen aufzeigen, die langfristig die (ganz konkret) erlittenen Opfer wettmachen könnten.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich habe eine harmonische Beziehung zu meiner Partnerin. Dann kann das intensive Zusammenleben eine Bereicherung sein und tatsächlich die Widerstandskraft stärken. Da ich jede Menge Hobbies habe, ist mir auch nie fad. Meine Klassik-CDs kann ich jetzt in Ruhe hören, die sonst schon Staub ansetzen. Ist zwar speziell, aber die Pandemie hat bewirkt, dass ich mich mit der zugrunde liegenden Mathematik der Ausbreitung beschäftigt habe, was mir bei meiner Arbeit bei einem aktuellen Projekt geholfen hat.

Neue Gewohnheiten haben sich bis jetzt nicht herausgebildet, außer regelmäßiges Händewaschen.

Sonntag, 5. April 2020
Männlich, 45 Jahre, Angestellter, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die strikten Ausgehregelungen bei uns in Südtirol machen mir aktuell am meisten zu schaffen: Die Gemeinde darf man zum Beispiel nur verlassen, um zur Arbeit zu gelangen oder um einen dringenden Arztbesuch zu machen. Das Haus oder die Wohnung darf man überhaupt nur dann verlassen, wenn man eine Selbsterklärung mit hat. Man darf nur die lebensnotwendigsten Sachen kaufen, also nur Lebensmittel, alle anderen Dinge wie Blumen, Blumenerde, Schreibwaren oder Spielsachen sind verboten. Keine Friedhofsbesuche, keine Krankenbesuche, keine Altersheimbesuche. Auch sterbende Angehörige darf man nicht besuchen, das ist schrecklich. Mit Hunde durfte man die vergangenen Wochen zwar Gassi gehen, jedoch nicht mit Kindern. Bei Missachtung dieser Maßnahmen drohten hohe Geldbußen.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich fürchte, dass ganz viele Betriebe und Kleinbetriebe gar nicht mehr öffnen können. Nur größere Betriebe und Hotels haben meiner Ansicht nach eine Überlebenschance in dieser Krise. Ich habe Angst, dass Kleinbetriebe leer ausgehen und arme Familien noch mehr hungern müssen. Ich mache mir auch Sorgen, dass vor allem viele Frauen und Kinder jetzt in dieser Situation noch mehr leiden, sei es unter Gewalt oder anderen Misshandlungen. Die Nerven vieler Familien liegen nach wochenlanger Quarantäne blank.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Gewässer sind besser, die Luft ist besser. Autobahnen sind leer, Autos stehen still, ebenso wie Flugzeuge. In Italien gibt es viele Beispiele, zum Beispiel Venedig oder Sardinien, wo sich in dieser kurzen Zeit die Wasserqualität verbessert hat. Ich hoffe generell, dass sich die Umwelt etwas erholt. Aber ich fürchte, dass sich „nach Corona“ alles verschlimmert, weil viele Doppelschichten machen müssen etc. Allerdings steigen vielleicht auch viele auf Fahrräder um.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich bin viel im Garten und Hof. Ich mache Dinge, für die ich schon lange keine Zeit mehr hatte. Ich schwelge auch viel in Erinnerungen und schaue mir Fotos von früher an. Ich erledige sehr viel im Haushalt und hole viel nach. Ich lese viel mehr als früher und sitze manchmal einfach auf dem Balkon und genieße die Natur, schaue den Bäumen zu oder höre die Vögel zwitschern. Dafür hatte ich früher keine Zeit. Ich bin viel kreativer in der Küche, da ich nur einmal die Woche einkaufen gehe und mehr mit dem arbeite, was ich zu Hause habe. Ich koche bewusster und probiere mehr aus.

Sonntag, 5. April 2020
Weiblich, 63 Jahre, pensionierte Verkäuferin, Kortsch, Vinschgau (Südtirol)
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Wegfall von Terminen und Verpflichtungen außerhalb des Hauses (davon ausgenommen Arbeit im Home-Office). Die Bedeutung für mich: Das Reduzieren auf Kernaufgaben im „Haus“, die Wertschätzung von Beziehungen erlebe ich als positive Erfahrung.

Umfeld: „vor Corona“ standen wir ständig mittels Technik (Telefon, Email, soziale Netzwerke etc.) in Verbindung; heute merken wir, dass diese Verbindung vor allem von persönlichen Kontakten lebendig gehalten wurde.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Sorgen um diejenigen, die schon „vor Corona“ nur gerade mal genug für einen Tag hatten und jetzt nicht mal mehr das. Sorge, dass die Mächtigen wieder genauso mächtig oder noch stärker werden als zuvor. Befürchtung, dass die Chance vergeben wird, jetzt neue Regeln aufzustellen, die ein gutes Leben für die Mehrheit fördern.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Positiv ist für mich zu sehen, dass die Natur auch ohne den Menschen auskommt, zu sehen, wie sie aufatmet, zu erfahren, dass sie am Shutdown der menschlichen Systeme vorbeiblüht, wie es ihrem Rhythmus entspricht.

Hoffnung: die Menschen sind wirklich erschüttert; jede Krise hat auch einen positiven Impact.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Dankbarkeit, Gebet, Sport, Strukturen, der andere Mensch in meinem Haus! Aber auch: mein privilegiertes Leben in einem Land wie Österreich.

Sonntag, 5. April 2020
Weiblich, 53 Jahre, NGO, Thalgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Im beruflichen Bereich: durch eine sehr grundsätzliche Umstellung der Arbeitsweise, sehr abrupte Umstellung auf Home-Office von einer Arbeit, die vom täglichen Kontakt und Austausch mit Menschen geprägt ist/war. Natürlich auch im privaten Bereich, aber das können wir ganz gut kompensieren durch häufiges Telefonieren, Umorganisieren etc.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Die Sorge um Menschen im unmittelbaren Umfeld. Trotzdem „bestimmen“ sie meine Situation nicht, sondern sorgen dafür, dass ich Kontakt halte, nachfrage, Hilfe anbiete, rede etc.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Vieles: Dankbarkeit, in einer – trotz allem – sehr privilegierten Position zu sein und Arbeit zu haben; mehr Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, mehr Kontakte und Telefonate mit FreundInnen, Familie; Dankbarkeit und Zusammenhalt generell; sehr konstruktive Zusammenarbeit im beruflichen Umfeld. Auch eine Zeit lang auf so viele Kundenkontakte verzichten zu müssen, ist prinzipiell (solange vorübergehend) keine schlechte Erfahrung. Und es ist auch schön zu sehen, wie sich so viele Menschen bemühen, aus der Situation das Beste zu machen.

Für die Zeit nachher hoffe ich, dass wenigstens manches davon bleibt: von der Rücksichtnahme und dem Zusammenhalt, der konstruktiven Zusammenarbeit – und ein etwas „entschleunigteres“ Leben.

Sonntag, 5. April 2020
Weiblich, 41 Jahre, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung ist, dass das Leben sich nur mehr auf die Kernfamilie beschränkt. Durch Home-Office und E-Schooling hat sich eigentlich alles verändert.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Grundsätzlich mache ich mir durch die Situation keine großen Sorgen bzgl. einer möglichen Erkrankung oder direkter wirtschaftlicher Folgen für mich persönlich. Sondern eher darüber wie (unbeschadet) die Kinder diese Situation auf lange Frist bewältigen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Der Alltag entschleunigt sich eindeutig. Man hetzt nicht mehr von einem Termin zum nächsten. Es gibt wieder mehr gemeinsame Alltags-Zeit in der Familie.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Gemeinsame Familien-Zeit.

Samstag, 4. April 2020
Weiblich, 43 Jahre, Angestellte, Bergheim
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich bin eine sehr soziale Person und die Veränderung, dass ich niemanden mehr sehen/berühren darf, ist sehr schwer für mich.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Dass ich jemanden anstecke, falls ich den Virus haben sollte.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich kann mich mehr auf meine Hobbies konzentrieren. Es gibt zwei Hobbies die ich generell als Berufs-Chance sehe.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich lasse alte Gewohnheiten wieder aufleben: Sport, vor allem Yoga und Meditation.

Samstag, 4. April 2020
Weiblich, 24 Jahre, arbeitslos, Salzburg Maxglan
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Privat: Ich kann Menschen, die mir wichtig sind, auf unabsehbare Zeit nicht persönlich treffen. Das wird über die Zeit belastender und macht mich zum Teil sehr traurig. Im Hintergrund wirkt eine leichte Besorgnis, wie sich die Situation langfristig auf meinen Arbeitgeber auswirken wird. Ich vermisse meine Kaffeehausbesuche.

Beruf: Home-Office lässt Freizeit und Arbeitszeit mehr und mehr verschwimmen. Ich vermisse den persönlichen Kontakt und Austausch mit KollegInnen. Sowohl beruflich als auch privat werden mir die Grenzen von digitaler Kommunikation bewusst. Etwas Atmosphärisches fehlt – Nähe, Wärme, gegenseitige Inspiration. Es können Themen „abgearbeitet“ werden, der Raum dazwischen, der Kreatives ermöglicht, fehlt mir.

Ich habe größten Respekt vor allen Menschen, die momentan den täglichen Betrieb und das Gesundheitssystem aufrecht erhalten. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Wertschätzung in Zukunft in den Löhnen für diese Berufsgruppen zum Ausdruck bringt.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich habe Sorgen über die wirtschaftlichen Entwicklungen, das Sozial- und Gesundheitssystem. In gewisser Weise erscheint mir das Potenzial gegeben, dass Regierungen und Gesellschaftssysteme auseinanderbrechen könnten – mit allen damit verbundenen Risiken und auch Chancen und der Hoffnung, dass sich unser materialistischer Lebensstil grundlegend verändert.

Manchmal erscheint mir alles so irreal und ich frage mich, wann ich aus diesem „Traum“ erwache.

Ich habe Sorge, dass die riesigen Staatsverschuldungen bewirken, dass für eine Ökologisierung von Wirtschaft und Leben nun mangels Geld nichts mehr unternommen wird.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich sehe die Situation als riesigen Weckruf und insofern als große Chance für uns alle, als Einladung zur Reflexion über Zustand der Erde und uns selbst.

Meine Hoffnung ist, dass wir erkennen, wie verletzlich wir als Menschen sind und so als Menschheit nicht weitermachen können. Dass wir uns mehr auf das Wesentliche des Lebens besinnen, weniger konsumieren, uns weniger ablenken durch Events hier und dort.

Es erstaunt mich, welch gravierende Veränderungen möglich sind, wenn als notwendig gesehen. Stichwort Klimawandel. Corona hebelt – zum ersten mal für mich erlebbar – sämtliche wirtschaftlichen Sachzwänge aus.

Ich persönlich merke, wieviel ich nicht benötige. Auf wie wenig sich Leben reduzieren lässt, ohne etwas zu vermissen.

Ich war schon immer gerne mit mir selbst, kann daher diese Zeit für mich auch genießen. Ich liebe die Ruhe, dass in der Außenwelt nichts getan werden kann und muss, ich muss nirgends hin, kann einfach die Zeit hier genießen, vor allem mit vielen Aufenthalten in der Natur.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Am meisten helfen mir die Natur, Zeit der Innenschau, Meditation, Musik. Ich bin mehr in der Natur als je zuvor, lebe „bewegter“. Ich erlebe es als sehr bereichernd, dass all diese Aspekte momentan mehr Zeit in meinem Leben einnehmen als zuvor. Es ist eine Chance für mich, die Lebensausrichtung und Werte neu zu hinterfragen und zu „bestimmen“.

Freitag, 3. April 2020
Weiblich, 52 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung ist, dass ich seit mittlerweile drei Wochen im Home-Office arbeite. Dadurch haben sich der Büroalltag und vor allem die Kommunikation mit den ArbeitskollegInnen stark verändert. Arbeiten im Home-Office bietet aber durchaus Vorteile. Für Pendler wie mich ist der Wegfall des Arbeitswegs ein großer Gewinn – so habe ich pro Tag 1 bis 3 Stunden mehr Zeit.

Auch alltägliche Erledigungen wie Einkäufe können nicht wie gewohnt ausgeführt werden. Mit etwas gutem Willen lässt sich aber alles gut bewältigen.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Sorgen bereiten mir der Widerwille und das Unverständnis von einigen wenigen, die sich nicht an die Situation anpassen und dadurch möglicherweise andere gefährden.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Die aktuelle Situation relativiert so manches, Kleinigkeiten, über die man sich im Alltag sonst aufregt, sind plötzlich nicht mehr von Bedeutung. Ich denke, dass die Krise den Blick wieder auf das Wesentliche – Gesundheit und gesund bleiben – lenkt. Vielleicht ist das auch nach der Krise noch spürbar.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich versuche, die dazu gewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen. Und zwischendurch kurz an die frische Luft zu gehen, hilft auf jeden Fall.

Freitag, 3. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, Translation Manager, Kirchdorf an der Krems
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

– Arbeit von Zuhause aus
– Tägliches Zusammensein mit dem Partner
– Fehlender Kontakt zur Familie / zu Freunden
– Fehlender Kontakt zu Haustieren die bei den Eltern leben
– Menschen halten Abstand – negatives Gefühl
– Menschen halten keinen Abstand – auch negatives Gefühl
– Komisches Gefühl beim Tragen einer Gesichtmaske (kennt man bei uns nicht, Mimik fällt weg)

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

– Die Gesundheit anderer Menschen ist gefährdet
– Die Arbeitslosigkeit vieler Menschen
– Die Wirtschaft
– Die eigene Unsicherheit um den Job (wie lange geht es noch so?)
– Das Gefühl nicht abschätzen zu können, wie lange dieser Umstand noch so bleibt

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

– Entschleunigung
– Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben
– Wertschätzung vieler Dinge
– Dankbarkeit
– Das Gefühl, nach Corona in einem Cafehaus sitzen zu können, meine Freunde und Familie zu umarmen, zu lachen und die Sonne zu genießen

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

– Klare Strukturierung in den Tag bringen!
– Nicht in der Joggighose arbeiten
– Sich so zurecht machen, als wäre es ein normaler Tag
– Pausen machen
– Bücher lesen, die ich schon lange lesen wollte
– Eine Online-Fortbildung machen
– Skype Team Meetings (Skypepausen)
– Ausmisten!
– Eine Pflanze kaufen
– Vögel beobachten und füttern
– Die Stille hören
– Neue Rezepte ausprobieren
– Partnerworkouts (Youtube) ausprobieren

Freitag, 3. April 2020
Weiblich, 27 Jahre, Salzburg/Pongau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die persönlichen, sozialen Kontakte sind viel weniger geworden. Ich sehe persönlich nur meinen Partner und seine Großmutter, welche mit uns im Haus wohnt. Die sozialen Kontakte via Videofonie und Telefonie sind hingegen viel mehr geworden. Gemeinsame Online-Treffen, welche sonst nur drei bis vier Mal im Jahr stattfanden, konnten so nun schon öfter stattfinden und sind leichter organisierbar. Einschränkung der Hobbies ist sehr zentral und auch schwer zu verkraften. Die Arbeitsweise im Home-Office hat sich auch verändert, zeigt aber auch positives Neues auf.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Angst um meine Eltern und Personen in Risikogruppen aus dem Umfeld. Generelle Unruhe war zu Beginn der Krise ganz deutlich, hat sich nun gebessert. Ängste bzgl. bevorstehender Geburt – diese alleine absolvieren zu müssen, dass der Partner nicht dabei sein kann.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Positive Auswirkungen auf die Umwelt! Dass es auch ohne den ganzen Flugverkehr geht und nicht so viel sein muss! Näher zusammenrücken in der Familie und bei Freunden, obwohl soziale Distanz da ist.

Mehr achten auf sich selbst; Langsameres Tempo; Achtsam sein; Arbeiten machen, die man lange aufgeschoben hat; Reduktion auf das Wesentliche; Beschäftigen mit sich selbst, allein sein lernen; Nicht so viel mit dem Auto fahren dürfen/müssen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Meditieren! Ich habe es mir angewöhnt, besonders wenn ich unruhig werde, nehme ich mir eher die Zeit dafür, manchmal sogar 2x täglich, sonst 1x in zwei Wochen!

Bewegung an der frischen Luft, Arbeiten machen, die ich lange aufgeschoben habe. Weiter arbeiten zu können (Home-Office Möglichkeit)! Nicht zu viel Nachrichten ansehen – maximal 1x am Abend und da nur seriöse.

Freitag, 3. April 2020
Weiblich, 30 Jahre, Berufsberaterin, Pinzgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die Tagesstruktur von mir und meiner Familie hat sich komplett verändert. Statt Schule/Kindergarten und in die Arbeit fahren sind wir nun alle zu Hause: Homeoffice + Schulaufgaben zu Hause erledigen (1. Klasse) + Bedürfnissen der Kinder gerecht werden + mehr Haushalt (da mehr zu Hause…)

Fernsehen ist für die Kinder nach drei Wochen zu Hause auch nicht mehr interessant, die Zeitspannen, in denen ich ungestört arbeiten kann, werden immer kürzer, die Kinder brauchen viel Aufmerksamkeit, wollen spielen, sich nicht immer nur alleine beschäftigen.

DIREKTE Soziale Kontakte fehlen uns: Austausch mit den Nachbarn über den Zaun ist zum Glück möglich, wir telefonieren viel über WhatsApp-Video mit den Großeltern, Onkel, Tante…

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Wie bekomme ich Arbeit und die Kinder unter einen Hut, wenn die Schule noch länger geschlossen ist? Schaffe ich das noch so über einen längeren Zeitraum? Zahlen die Fördergeber weiterhin für unser Projekt, das heißt, bleibt mein Arbeitsplatz erhalten?

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Kein „Freizeitstress“, keine Hetzerei in der Früh, kein Druck etwas erledigen zu müssen, verminderter Co2-Ausstoß, die Natur kann sich erholen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Sich eine schöne Aktivität zu überlegen (zum Beispiel was basteln, Blumen einpflanzen), mit den Kindern zu Musik tanzen und blödeln; viel rausgehen in den Garten oder in den Wald, telefonieren.

Freitag, 3. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, Trainerin, Flachgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich muss meine Volksschulkinder zu Hause betreuen (Homeschool), deren Lernmaterialien ausdrucken, Rückmeldungen an die Lehrerinnen geben, Instrumentalunterricht machen, Videos aufnehmen und mit den Instrumentallehrern sprechen. Bedeutung für mich: viel Zeit mit den Kindern. Grundsätzlich hat sich nicht viel geändert – wir waren auch vorher schon gut eingespielt. Es ist nur mehr geworden.

Ich kaufe jetzt online/per Lieferung ein. Das erspart Zeit fürs Einkaufen!!

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Meine größte Angst ist, dass ich und/oder mein Mann uns infizieren und bei schwerem Krankheitsverlauf meine Kinder keine Eltern mehr hätten. Auch der Tod eines Kindes ist eine große Angst.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Familien haben mehr Zeit für sich (nicht alle). Viele Eltern haben mehr Zeit für ihre Kinder. Einkaufen per Mail oder online mit Lieferung an die Haustür finde ich eine große Zeitersparnis.

Positiv: Das (hoffentlich) verstärkte Bewusstsein, dass Impfungen uns schützen. Nächstes Jahr lassen wir uns gegen die Grippe impfen.

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, Lehrerin, Flachgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Für mich ist es als Risikopatientin das schlimmste mich draußen nicht frei bewegen zu können und viel zu Hause sein zu müssen. Aufgrund meiner Depression versuche ich dennoch täglich spazieren zu gehen.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich habe Angst, mich am Coronavirus zu infizieren und aufgrund meiner Vorerkrankung daran zu sterben.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich lerne auf jeden Fall mich besser mit mir selbst zu beschäftigen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Helfen tun mir eigentlich meine Hunde, da ich sonst allein wäre. Diese geben mir Halt.

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, arbeitslos, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Am meisten trifft mich, dass unsere Kinder und Enkel nicht kommen können und wir in unserem „offenen Haus“ keine Gäste empfangen können.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich hab keine verschärfte Sorge, da ich Pensionistin bin und nur mehr sehr wenig beruflich arbeite, bin ich nicht wirtschaftlich bedroht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich genieße die Ruhe. Da ich seit ein halbes Jahr sehr krank war und noch immer mit Krücken unterwegs bin, ist der Unterschied zu den Wochen vorher nur gering. Hoffnung für die Zukunft habe ich, dass die vermehrte Solidarität auch nachher sichtbar bleibt und dass mehr Menschen deutlich bewusst wird, dass sich wegen des Klimawandels sehr viel ändern muss.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich höre viel Radio (Ö1 und Bayrische Sender), hab wieder zu nähen und stricken begonnen, telefoniere mehr mit Angehörigen und FreundInnen, studiere neue Lieder ein…

Und unbedingt: täglich einmal in die frische Luft – so weit mich meine Krücken tragen!!!

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 72 Jahre, pensionierte Psychotherapeutin, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Auflösung der Arbeit am Standort, Verlust des direkten Kontaktes mit MitarbeiterInnen und TeilnehmerInnen. Erschwerung bis Unmöglichkeit der Durchführung wichtiger Projektelemente wie Workshop-Umsetzung und Praktika für TeilnehmerInnen. Verlagerung der Haupttätigkeit der TrainerInnen auf Einzelcoaching und Krisenmanagement per Telefon.

Auf Leitungsebene liegt viel Arbeit und Verantwortung bzgl. der Fortführung der Dienstverhältnisse und Projekte in/nach Corona.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Erhaltung der Arbeitsplätze meiner MitarbeiterInnen bzw. Abschätzen der Notwendigkeit und des Ausmaßes an Kurzarbeit. Destabilisierung und Verlust der Fortschritte der TeilnehmerInnen, Brüche im Projektverlauf. Übernahme der Kosten von Seiten des Kostenträgers.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Anzapfen kreativer Kräfte aus dem Team, neue Ideen und Strukturen wie Online-Tagesstruktur/Workshops entstehen in einem guten produktiven Miteinander. Viele TeilnehmerInnen sind dankbar über unsere Angebote in dieser Krise und freuen sich auch, sich gegenseitig im Gruppensetting via Skype zu sehen. Ich hoffe, dass es gelingt, auch den Kostenträgern aufzuzeigen, wie stark das Engagement beider Projekte für die TeilnehmerInnen ist und wie wichtig diese sind. Es gelingt trotz oder durch die starke Isolation das Augenmerk auch darauf zu legen, was an Verbundenheit bereits vorhanden ist und die oft starke Basis zu verwenden um in dieser Krise etwas Stabilität und Hoffnung zu geben.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich denke, dass uns diese Phase sehr stark auf uns selbst zurück wirft und vielen Menschen Raum gibt, bzw. sie dazu zwingt, ihr Leben genau zu betrachten und die einzelnen Elemente davon zu reflektieren. Die Möglichkeit sich abzulenken bzw. „durchzupowern“ entfällt größtenteils und auch die Gesellschaft als Ganzes kann ihre Werte reevaluieren. Dies bezieht sich auch auf die Wichtigkeit ganzer Berufsgruppen, deren Gehalt ihre Signifikanz lange nicht widerspiegelte. Auch die vorherigen Diskussionen im Klimaschutz werden in ein neues Licht gerückt, wenn man feststellt, wie viel Verzicht tatsächlich möglich ist bzw. wie viel andere, umweltverträgliche Kanäle genutzt werden können.

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 36 Jahre, Leiterin eines Arbeitsintegrationsprojekts, Anthering
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Im Arbeits- und im familiären Bereich mache ich aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung. Homeschooling und Homeoffice zu verbinden ist eine große Herausforderung, beides erfordert viel Strukturierung, Priorisierung und Klarheit, weil sonst alle Tätigkeiten miteinander verschwimmen, alles gleich wichtig erscheint und man nicht mehr weiß, was man zuerst erledigen soll.

Ich vermisse, die Umarmungen und herzlichen Begrüßungen mit meinen KollegInnen, Freunden und Verwandten außerhalb unseres Haushalts sehr. Fortbildungswochen und Kongresse fallen aus, damit ist der fachliche Austausch erschwert. Urlaube leider auch, aber damit kann ich leben, hier in Salzburg ist es ja auch sehr schön.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Allgemeine wirtschaftliche Sorgen und wie Dinge wo erhältlich sind, da die Öffnungszeiten der Geschäfte/Post reduziert sind. Eine Wirtschaftskrise ist sehr wahrscheinlich und wird jeden betreffen. Jeder ist potenzieller Keimüberträger, nicht nur für Covid-19, sondern auch für andere gefährliche Infektionskrankheiten.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Mehr Hygienebewusstsein in der Bevölkerung, mehr Nachbarschaftshilfe, kreative Ideen und Lösungsvorschläge kursieren im Netz, Zeit für unangekündigte Besuche bei Freunden und kurzes Tratscherl im 2-Meter-Sicherheitsabstand sind leichter möglich, weil die meisten Menschen zu Hause bleiben und keine Kaffee/Kuchenjausenerwartung besteht, man freut sich einfach, wenn man sich kurz aus der Ferne sieht und plaudern kann. Mehr Zeit für die eigene Familie und Kinder, bewusste Freizeitgestaltung in und um’s Haus. Fahrzeiten fallen weg, Stress, pünktlich wohin zu müssen und im Stau zu stecken fällt weg. Viele Naturerlebnisse sind leichter zu genießen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Zeit, sich auf das Kleine und Naheliegende besinnen; Weniger ist mehr, nicht alles, was wir zu brauchen glauben, brauchen wir wirklich. Mehr Zeit, gemeinsam schöne Dinge auszuprobieren. Wir lernen viel über die digitalen Möglichkeiten der Kommunikation dazu. Ich wünsche mir, dass anderen Epi- und Pandemien (Diphterie, Tbc, Tetanus, Masern, Influenza, Noro Viren…) in Zukunft die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln behandelt werden (Influenza-, Masern-Impfungen). Mehr Hygienebewusstsein und wer krank ist, soll nicht zur Arbeit gehen (müssen, oder das Gefühl haben, er/sie muss)…

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 48 Jahre, Ärztin, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Für mich gibt es tiefe Einschnitte sowohl in meinem Privat- als auch in meinem Berufsleben. Als Sozialarbeiterin arbeite ich mit Menschen, diese Arbeit basiert zum größten Teil auf persönlicher Face-to-Face Kommunikation. Diese wird aktuell zwar über einen telefonischen Kontakt weiterhin fortgesetzt, aber viele Informationen gehen hierbei verloren. Alleine das Anlächeln, die Gestik und die Mimik. Außerdem finde ich es wahnsinnig anstrengend so viel zu telefonieren. Außerdem vermisse ich es meine KollegInnen im Büro zu treffen, ein kleines Pläuschchen zu halten, dass vielleicht über die alltägliche Arbeit hinausgeht, aber den Zusammenhalt stärkt.

Privat vermisse ich es mich mit meiner Familie und meinen FreundInnen zu treffen. Zwar haben wir regelmäßig Videokonferenzen, es ist jedoch nicht das gleiche wie jemanden in Real zu sehen. Die Person zu spüren, zu riechen und zu erleben.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Aktuell habe ich Angst, dass bei uns in kurzer Zeit Zustände wie in Italien vorherrschen. Menschen die alleine sterben müssen oder vielleicht gar keine Behandlung mehr bekommen, da sie zu alt sind. Ich denke auch darüber nach, was so ein Zustand für eine Nation bedeuten muss. Dieses Gefühl von Versagen, nicht genug getan zu haben, zu spät reagiert zu haben, diesem Virus nicht mit gebürtiger Sorgfalt entgegengetreten zu sein und die Fehlersuche im Anschluss daran. Wer hat versagt, wer hätte mehr tun müssen… und welche nationalen und internationalen Streitigkeiten daraus entstehen können. Außerdem möchte ich nicht, dass ÄrztInnen und PflegerInnen in diese Situation der Überlastung kommen und entscheiden müssen, wem sie helfen und wer sterben soll. Das macht etwas mit Menschen und das würde auch etwas mit unserer Gesellschaft machen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Die ersten zwei Wochen war es lustig im Home-Office zu sein und in der Jogginghose zu arbeiten. Aber gerade jetzt wo auch die Sonne wieder rauskommt und der Frühling beginnt, fällt es mir schwer, an der momentanen Situation etwas Positives zu finden.

Vielleicht aber hoffe ich, dass die Menschen ihre Freiheit mehr schätzen und mit ihren Mitmenschen respektvoller umgehen. Ihre Familien mehr umarmen und weniger wegen Kleinigkeiten streiten. Vielleicht auch, dass die Menschen mehr zusammenrücken und erkennen, welche Dinge für ein erfülltes Leben wirklich wichtig sind. Und das sind jene Menschen, die uns umgeben und uns auf unserem Lebensweg begleiten.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich hoffe, dass wir alle genug Kraft haben, um diese schwierige Zeit zu überstehen. Dass wir alle genug Verantwortung über diesen langen Zeitraum schultern können, um nicht unterzugehen. Ich wünsche mir, dass viele Menschen das Wohl aller über die eigenen Bedürfnisse stellen, damit wir möglichst heil aus der ganzen Sache rauskommen.

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, Sozialarbeiterin, Salzburg
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung erlebe ich derzeit im Beruf, da ich komplett von zu Hause aus arbeite. Das ist für mich sehr ungewohnt und fühlt sich jetzt in der dritten Woche auch noch seltsam an. Hinzu kommt, dass meine Eltern, mein Bruder, meine Tanten und Onkel im Ausland leben und ich derzeit keine Möglichkeit habe, sie zu besuchen oder umgekehrt. Zu wissen, nicht schnell zu ihnen fahren zu können um sie zu besuchen oder ihnen zu helfen, ist sehr merkwürdig und lässt mich ziemlich hilflos zurück. Das Wegfallen aller direkten sozialen Kontakte war für mich im ersten Moment gedanklich sehr schwer zu akzeptieren, da ich wusste, dass Telefonate oder Online-Chats diese direkte Kommunikation nicht wirklich ersetzen. Aber es geht besser als gedacht…

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Um mich selbst oder meine Kernfamilie mache ich mir weniger Sorgen. Ich glaube, dass wir im kleinen Kreis die jetzige Situation relativ gut überstehen werden. Allerdings sorge ich mich sehr um alte Menschen und all jene, die jetzt allein zuhause sitzen und Angst haben. Wie ergeht es jetzt all jenen, die vorher schon zu kämpfen hatten, sei es in finanzieller oder gesundheitlicher Hinsicht? Und was machen jene Menschen, die in Ländern wohnen, in denen es keine oder so gut wie keine Gesundheitsvorsorge gibt? Und wie schnell werden sich Länder wie Italien von dieser jetzigen Situation erholen können?

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Wir als Familie haben jetzt mehr Zeit füreinander. Viele Nachmittagsbeschäftigungen fallen weg, wie Kinderturnen oder Spielenachmittage. Das ist einerseits zwar schade, da auch der soziale Kontakt damit wegfällt, aber im Moment empfinde ich es als Befreiung. Ich genieße den Tag viel mehr und erlebe ihn bewusster. Ich habe mehr Zeit, sogar für mich. Obwohl der Tag jetzt auch strikt durchgeplant ist, mit Home-Office und Kinderbetreuung, ist alles viel entspannter. Und sogar das Einkaufen klappt besser als vorher. Vor Corona spürte ich manchmal den Zwang, etwas machen zu müssen, aus verschiedenen Gründen. Das fällt im Moment komplett weg!

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, Redakteurin, Salzburg Land
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Meine tiefste Erfahrung ist derzeit, dass wir von einem „früher“ und einem anderen „heute“ unterscheiden müssen, dass sich alles schlagartig verändert hat: Tagesablauf, Familienleben, Schule, Arbeit, Freizeit, Mobilität und wir nicht damit rechnen können, dass das „Danach“ dem „Davor“ gleicht. Die Zeiten haben sich schlagartig geändert und wir wissen noch nicht, was uns erwartet. Diese Erfahrung zieht sich durch den ganzen Tag: wir leben in der Improvisation, probieren aus, wie es sich zuhause arbeitet, wenn alle zuhause sind. Unsere Kinder proben den Fernunterricht, wir kochen anders, kaufen anders ein, hören anders Nachrichten, besinnen uns anders – und wir versuchen uns darauf einen Reim zu machen: Was bedeutet das alles für „Nachher“? Was gilt es aus dieser Situation zu lernen? Und was brauchen wir jetzt, um gut durch diese Übergangszeit zu kommen?

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Meine Ängste und Sorgen beziehen sich auf das allgemeine Miteinander nach der Pandemie. Werden die vielen, die ihre Arbeit verloren haben, wieder so gebraucht werden, dass sie in vernünftigen Arbeitsstellen unterkommen? Wie überstehen die vielen Schutzbedürftigen und Menschen, die am Rande stehen, diese Krise? Können die schlimmsten Folgen abgefedert werden?

Und wie machen wir weiter nach der Krise, unter verschlechterten ökonomischen Bedingungen? Gelingt so etwas wie eine Wende zu einer klimafreundlichen Wirtschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt? Und werden wir unseren öffentlichen Wohlstand (Gesundheitssystem, Bildung, Kunst und Kultur usw.) dabei halten können?

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Die ersten Tage waren eine große organisatorische Erleichterung, weil alles von zuhause aus zu erledigen war und die beruflichen Anforderungen vor allem in Adaptionen bestehender Dinge und Absagen von Geplantem bestand. In der dritten Woche merke ich, wie die Arbeit, die ausschließlich über den Computer und das Internet läuft, auch in den eingeschränkten und so wohltuenden Online-Besprechungen, immer anstrengender wird, weil mir der echte zwischenmenschliche Kontakt, die echte Begegnung auch an anderen Orten zu fehlen beginnt. Eindeutig positiv ist, dass wir als Familie deutlich mehr Zeit miteinander verbringen, gemeinsame Mahlzeiten und Pausen zwischendurch haben, mehr von einander erfahren und intensiver im Austausch stehen. Außerdem finden wir regelmäßig Zeit für gemeinsame körperliche Betätigung außer Haus.

Mittwoch, 1. April 2020
Männlich, 48 Jahre, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Flachgau
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Vor Corona war ich meistens den ganzen Tag unterwegs – nun bin ich fast nur Zuhause.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich habe, was meine Wohn- und Arbeitssituation betrifft, das Privileg, gut abgesichert zu sein und sehr angenehme Lebensbedingungen zu haben. Dennoch merke ich, dass sich emotional sehr viel bewegt, mit großen Sorgen um andere Menschen mit schlechteren Bedingungen, auch in anderen Teilen der Welt und was die Zukunft betrifft. Der Klimawandel und die Umweltzerstörung, die Ausbeutung von Natur, Tieren und Menschen – das sind riesige Herausforderungen, die verlangen, dass wir die Art wie wir Erfolg, Wohlstand und Glück definieren und miteinander umgehen, im Kleinen wie im Großen radikal verändern, sonst wird es notwendigerweise weitere schlimme Krisen von globalem Ausmaß geben. Und damit auch mehr Leid und Ungerechtigkeit, wenn jene, denen es vergleichsweise gut geht, dies mit immer härten Mitteln auch verteidigen und sich abschotten wollen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Für mich ist es befreiend zu merken, worauf ich alles „verzichten“ kann, ohne dass es ein Verlust ist. Was für mich wesentlich ist, tritt nun noch deutlicher zutage und danach möchte ich auch noch stärker leben.

Mittwoch, 1. April 2020
Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Einschränkung erfahre ich derzeit in meiner Freizeit, da viele meiner Freizeitaktivitäten wegfallen, wie abends mit Freunden Klettern gehen oder am Wochenende Radfahren etc. Auch der fehlende direkte Kontakt zu meinen Eltern fehlt mir. Dies wirkt sich auch auf meine zwei Kinder aus, die auch nicht mehr zu ihren Großeltern können.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich frage mich, wie die finanziellen Auswirkungen der Krise spürbar werden. Ob sich die Auftragslage wieder bessert oder sogar noch verschlechtert.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Das Familien-Zusammenleben ist leichter geworden. Der tägliche Stress am Morgen und Mittag, wenn es darum geht, die Kinder in den Kindergarten und die Krabbelstube zu bringen, entfällt. Wir haben als Familie mehr Zeit miteinander und füreinander. Ich hoffe sehr, dass wir „nach“ Corona wieder reisen und in Urlaub fahren können. Und dass sich das finanziell alles ausgeht.

Dienstag, 31. März 2020
Männlich, 39 Jahre, Selbstständig, Salzburg Land