Die unhaltbare Situation im Flüchtlingslager Moria stand im Zentrum der gestrigen „Corona Lectures“.

„Menschen schützen, nicht Grenzen schützen!“

Am gestrigen Dienstag, den 15. September 2020, fand in der Robert-Jungk-Bibliothek in Salzburg der Auftakt zur Reihe „Corona Lectures“ statt. Durch den verheerenden Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos am 8. September erhielt das Thema „Rette sich wer kann? Die Grenzen unserer Solidarität“ zusätzliche traurige Aktualität.

Die Psychologinnen Monika Gattinger und Kateřina Šrahůlková (Ärzte ohne Grenzen) zeichneten ein düsteres Bild von der Situation der geflüchteten Menschen. War in den vergangenen vier Jahren die Situation für die zeitweise über 20.000 Menschen im Lager – das für 2800 Menschen gedacht ist – schon unhaltbar, so hat sich die Situation nach dem Feuer nochmal denkbar verschlechtert. Es mangelt an allem: Toiletten, Duschen, Trinkwasser, Essen. Die Menschen, darunter viele Familien mit Kleinkindern, leben auf der Straße, ohne Schutz vor Gewaltakten und Missbrauch. Die Arbeit der vielen freiwilligen Helfer wird erschwert, ÄrztInnen und PsychologInnen können sich nur um einen Bruchteil derjenigen kümmern, die dringend Hilfe benötigen.

Der Friedens- und Konfliktforscher Werner Wintersteiner, der online zugeschalten war, warf zuvor einen theoretischen Blick auf Fluchtursachen und schlug ein sofortiges Umdenken durch einen Perspektivenwechsel vor. Vor allem sollten Fluchtabwehrursachen beseitigt werden.

Hier finden Sie einen Nachbericht auf der Homepage der Robert-Jungk-Bibliothek. Auch gibt es die Vorträge von Werner Wintersteiner und Ärzte ohne Grenzen auf JBZ TV zum achhöre und Nachsehen.

Die „Corona Lectures“ sind eine Kooperation vom Friedensbüro Salzburg, der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen und dem ifz. Der gestrige Auftakt zur Reihe wurde von ifz-Präsident Helmut P. Gaisbauer moderiert.