{"id":1731,"date":"2019-05-03T14:24:19","date_gmt":"2019-05-03T12:24:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ifz-salzburg.at\/ambiguitaet-als-potenzial\/"},"modified":"2019-05-03T14:24:19","modified_gmt":"2019-05-03T12:24:19","slug":"ambiguitaet-als-potenzial","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ifz-salzburg.at\/en\/ambiguitaet-als-potenzial\/","title":{"rendered":"Ambiguit\u00e4t als Potenzial"},"content":{"rendered":"<p>Sechs ExpertInnen trafen sich am vergangenen Wochenende am ifz, um \u00fcber Ambiguit\u00e4t und Ambivalenz zu sprechen. Im Kern ging es darum, wie sich uneindeutige Sachverhalte und ihre widerspr\u00fcchlichen Bewertungen im Kontext der Demokratie aushalten lassen. Thematisiert wurde dabei zugleich die Frage, wie es gelingt, im Unauslotbaren einen Reiz anstelle einer Bedrohung zu sehen.<span id=\"more-17568\"><\/span><\/p>\n<p>Die Religionsphilosophin und ifz-Wissenschafterin Annette Langner-Pitschmann f\u00fchrte in das zweit\u00e4gige Fachgespr\u00e4ch ein. Sie stellte die Expertinnen und Experten vor, die aus unterschiedlichen Bereichen kamen und dadurch eine jeweils andere Perspektive zur Diskussion beitragen konnten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.raphael-susewind.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Raphael Susewind<\/a>, Sozialanthropologe am King\u2019s College London, beschrieb den Umgang mit Ambiguit\u00e4t als eine Kulturleistung, mit der wir auf innere Zerrissenheit reagieren und diese \u00fcberwinden k\u00f6nnen. In diesem Zusammenhang verwendete er neben der Ambiguit\u00e4tstoleranz auch den Begriff \u201eAmbiguit\u00e4tsfreude\u201c und zeigte an zwei empirischen Beispielen, wie wertvoll es sein kann, die Wirklichkeit unabh\u00e4ngig von jeder begrifflichen Deutung zu erleben.<\/p>\n<p>Karoline Scharpenseel aus M\u00fcnchen analysierte unseren Umgang mit Widerspr\u00fcchlichkeiten und Mehrdeutigkeit aus dem Blickwinkel der Politischen Philosophie. Am Beispiel der Theorie Michael Walzers zeigte sie auf, dass Differenzen im Miteinander unterschiedlicher Weltanschauungen ein durchaus wertvolles Gut sind, da unser Zusammenleben nur durch sie wachsen kann. Ausgehend vom Toleranzbegriff Rainer Forsts veranschaulichte sie, was es hei\u00dft, Meinungsunterschieden im gegenseitigen Respekt zu begegnen.<\/p>\n<p>Die Psychoanalytikerin Regina Miltner aus K\u00f6ln zeichnete nach, was die Psychologie meint, wenn sie einen Menschen als \u201eambiguit\u00e4tstolerant\u201c beschreibt. Dabei wurde deutlich, dass der Mensch auf gesch\u00fctzte und von Erwartungen befreite R\u00e4ume angewiesen ist, um widerspr\u00fcchliche oder diffuse Gef\u00fchlszust\u00e4nde tats\u00e4chlich aushalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Michael Schneider-Velho, Leiter des Fachbereichs Politische Bildung des <a href=\"https:\/\/www.pi-muenchen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">P\u00e4dagogischen Instituts M\u00fcnchen<\/a>, sprach \u00fcber Spannungsfelder und Ambiguit\u00e4t im Kontext Schule. Dabei ging es vor allem um widerspr\u00fcchliche Aufgaben und Anforderungen an Lehrkr\u00e4fte. Aber auch f\u00fcr Sch\u00fclerInnen ist die Schule ein ambivalenter Ort, wo es einerseits um Identit\u00e4tsentwicklung und Subjektivierung, aber auch um das Ringen f\u00fcr Anerkennung geht.<\/p>\n<p>Auch der Humor kam beim Fachgespr\u00e4ch nicht zu kurz, denn schlie\u00dflich zehren viele Bereiche, allen voran die Kunst, die Religion und Theologie \u2013 aber eben auch der Humor \u2013 von ambiguen Themen. Der an der Katholischen Privatuniversit\u00e4t Linz lehrende Theologe <a href=\"https:\/\/ku-linz.at\/theologie\/institute\/fundamentaltheologie_und_dogmatik\/personen\/?tx_persons_personlist%5Bperson%5D=19&amp;tx_persons_personlist%5Baction%5D=show\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Andreas Telser<\/a> n\u00e4herte sich in seinem Vortrag dieser Perspektive und wies den Humor in seinem Potenzial zu Befreiung und Verletzung als eine irreduzibel mehrdeutige Gr\u00f6\u00dfe aus. Er pl\u00e4dierte daf\u00fcr, den Humor der Religion an die Seite zu stellen, um die gl\u00e4ubige Bezogenheit auf das Absolute zu relativieren, ohne sie zu entkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Immer wieder wurde in den Referaten deutlich, dass sich die Kategorien des Ambiguen und des Ambivalenten nur verstehen lassen, wenn sie als Eigenschaften des Resonanzraums geteilter Erfahrung betrachtet werden. Das abschlie\u00dfende Referat von Annette Langner-Pitschmann griff diesen Gedanken auf und arbeitete unter anderem ausgehend von der Konstitution des religi\u00f6sen Glaubens das Potenzial prinzipiell nie restlos bestimmbarer Konzepte und Gedanken heraus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sechs ExpertInnen trafen sich am vergangenen Wochenende am ifz, um \u00fcber Ambiguit\u00e4t und Ambivalenz zu sprechen. Im Kern ging es darum, wie sich uneindeutige Sachverhalte und ihre widerspr\u00fcchlichen Bewertungen im Kontext der Demokratie aushalten lassen. 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