{"id":1722,"date":"2020-03-04T09:00:41","date_gmt":"2020-03-04T08:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ifz-salzburg.at\/armut-und-gesundheit-nach-der-digitalisierung\/"},"modified":"2020-03-04T09:00:41","modified_gmt":"2020-03-04T08:00:41","slug":"armut-und-gesundheit-nach-der-digitalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ifz-salzburg.at\/en\/armut-und-gesundheit-nach-der-digitalisierung\/","title":{"rendered":"Armut und Gesundheit NACH der Digitalisierung"},"content":{"rendered":"<p>Am Donnerstag und Freitag, den 5. und 6. M\u00e4rz 2020, stellten sich acht Expertinnen und Experten die Frage, wie Armut\/soziale Ausgrenzung mit Gesundheit zusammenh\u00e4ngt und welche Folgen die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen f\u00fcr armutsgef\u00e4hrdete Betroffene hat.<span id=\"more-18344\"><\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die meisten Zusammenh\u00e4nge zwischen Armut\/sozialer Ausgrenzung und Gesundheit nicht ausreichend erforscht, schon gar nicht unter Einbeziehung von Betroffenen. Umso spannender war es, als die Grazer Philosophin\u00a0<a href=\"https:\/\/moraltheologie.uni-graz.at\/de\/institut\/mitarbeiterinnen\/univ-prof-dr-martina-schmidhuber\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Martina Schmidhuber<\/a>\u00a0einen ganz speziellen Aspekt hervorhob, n\u00e4mlich die Armutsgef\u00e4hrdung pflegender Angeh\u00f6riger von Menschen mit Demenz. Wie dringend diskutiert dieses Thema geh\u00f6rt, zeigen allein schon die Zahlen: gegenw\u00e4rtig sind rund 50 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Laut Prognosen wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 jedoch verdreifachen. Werden diese zu Hause gepflegt, sind es zu 80 Prozent Frauen, die diese Aufgabe \u00fcbernehmen. Doch im Alltag und in der Forschung sind diese quasi unsichtbar. Es wird kaum gefragt nach den finanziellen Herausforderungen oder gar den psychischen Belastungen (insbesondere bei \u201eyoung carers\u201c, bei Minderj\u00e4hrigen, die Angeh\u00f6rige pflegen).<\/p>\n<p>Den Beginn des Fachgespr\u00e4chs machte\u00a0<a href=\"https:\/\/www.healthcon.eu\/zur-person\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lutz Groh<\/a>, der seit mehr als 20 Jahren im Gesundheitswesen arbeitet und als Berater t\u00e4tig ist. Er nannte vier Aspekte, die das Gesundheitsverst\u00e4ndnis nach der Digitalisierung betreffen: 1. Self care (\u00dcbernahme von Verantwortung durch den Einzelnen aufbauend auf den drei Komponenten \u201eempowerment\u201c, \u201eliteracy\u201c und \u201eengagement\u201c); 2. Digital health (Kombination von unterschiedlichen Bereichen im Gesundheitswesen); 3. Eco-Systeme (Gesundheit ist nicht auf einen Faktor reduzierbar); 4. Salutogenese (Modell der st\u00e4ndigen Selbstoptimierung vs. Modell der ausgewogenen Balance).<\/p>\n<p>ifz-Pr\u00e4sident\u00a0<a href=\"http:\/\/www.ifz-salzburg.at\/gaisbauer-helmut-p\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Helmut P. Gaisbauer<\/a>\u00a0sprach anschlie\u00dfend \u00fcber gesundheitliche Chancengerechtigkeit und wie die Beziehung zwischen sozialem Status und Gesundheit von verschiedenen Aspekten beeinflusst wird. N\u00e4mlich einerseits durch materielle Faktoren wie Wohnbedingungen, aber auch durch verhaltensbezogene (zum Beispiel Rauchen) und psychosoziale Faktoren wie Stress.<\/p>\n<p>Der Wiener Krankenversicherungsexperte\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sozialversicherung.at\/cdscontent\/?contentid=10007.844785&amp;portal=svportal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Michael Fuchs<\/a>\u00a0er\u00f6ffnete seinen Vortrag mit einer prinzipiell sehr guten Nachricht: Die Zahl der nichtversicherten Personen in \u00d6sterreich ist in den vergangenen 15 Jahren gesunken. Allerdings wies er auch auf die Gefahr hin, dass diese Entwicklung nicht unumkehrbar ist. Besonders betroffene Gruppen sind prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte, beeintr\u00e4chtigte Personen, Migrantinnen und Migranten sowie Personen, die eine freiwillige Versicherung nicht in Anspruch nehmen (k\u00f6nnen). Eine Nichtversicherung kann drastische Folgen nach sich ziehen, insbesondere f\u00fcr das Individuum: Der eigene Gesundheitszustand wird objektiv und subjektiv als schlechter wahrgenommen oder eine notwendige medizinische Behandlung wird tendenziell sp\u00e4ter beansprucht. Dabei bleiben vor allem psychische Erkrankungen oftmals unbehandelt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.diakonie.at\/autorin\/martin-schenk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Martin Schenk<\/a>\u00a0von der Diakonie erl\u00e4uterte am zweiten Tag des Fachgespr\u00e4chs eindr\u00fccklich die Zusammenh\u00e4nge zwischen Armut, Gesundheit und Gesundheitsversorgung. Dabei sprach er die verschiedenen Dimensionen sozialer Ungleichheit an: gesundheitliche Belastungen (am Arbeitsplatz, durch Umwelteinfl\u00fcsse, unterschiedliche Wohnverh\u00e4ltnisse) gesundheitliche Ressourcen (wie Selbstbewusstsein, Bildung, soziale Netzwerke, Erholung) und gesundheitliche Versorgung (Stadt-Land-Gef\u00e4lle).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.chip.fk13.tu-dortmund.de\/cms\/de\/Team\/Professur\/Hastall_Matthias.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Matthias R. Hastall<\/a>\u00a0sprach schlie\u00dflich \u00fcber das Arzt-Patientenverh\u00e4ltnis, das durch unterschiedliche Faktoren und Herangehensweisen gepr\u00e4gt ist: Alter, Geschlecht, Herkunft, Kleidung, soziales Umfeld. Hinzu kommt, dass sich in einer Ausnahmesituation pl\u00f6tzlich Experten und Laien gegen\u00fcberstehen. Wichtig ist hier eine partizipative Entscheidungsfindung. Der Mediziner\u00a0<a href=\"https:\/\/science.ccri.at\/research\/research-areas\/molecular-microbiology\/molecular-microbiology-details\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Thomas Lion<\/a>\u00a0kn\u00fcpfte mit seinem Vortrag nahtlos an das Thema an und sprach \u00fcber Gesundheit als Produktionsfaktor: Es wird auf einmal wichtig, sich darum zu k\u00fcmmern, gesund zu bleiben. So wird die individuelle Sorge um die Gesundheit nach dem Vorbild Michel Foucaults zum Angriffspunkt: \u00c4rzte werden in diesem System zu W\u00e4chtern von Gesundheit im staatlichen Auftrag. Das schlie\u00dft die Gefahr unreflektierter Instrumentalisierung mit ein.<\/p>\n<p>Den Abschluss des zweit\u00e4tigen, intensiven Fachgespr\u00e4chs bildete schlie\u00dflich die Coaching-Expertin\u00a0<a href=\"https:\/\/alderconsult.wordpress.com\/elisabeth-alder-wurrer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Elisabeth Alder-W\u00fcrrer<\/a>. In ihren Augen erfordert eine digitalisierte Welt regelm\u00e4\u00dfige Umweltbeobachtung, Austausch mit anderen, R\u00e4ume f\u00fcr Scheitern, lebenslanges Lernen und regelm\u00e4\u00dfige Reflexion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Donnerstag und Freitag, den 5. und 6. 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