Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 7: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Auflösung der Arbeit am Standort, Verlust des direkten Kontaktes mit MitarbeiterInnen und TeilnehmerInnen. Erschwerung bis Unmöglichkeit der Durchführung wichtiger Projektelemente wie Workshop-Umsetzung und Praktika für TeilnehmerInnen. Verlagerung der Haupttätigkeit der TrainerInnen auf Einzelcoaching und Krisenmanagement per Telefon.

Auf Leitungsebene liegt viel Arbeit und Verantwortung bzgl. der Fortführung der Dienstverhältnisse und Projekte in/nach Corona.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Erhaltung der Arbeitsplätze meiner MitarbeiterInnen bzw. Abschätzen der Notwendigkeit und des Ausmaßes an Kurzarbeit. Destabilisierung und Verlust der Fortschritte der TeilnehmerInnen, Brüche im Projektverlauf. Übernahme der Kosten von Seiten des Kostenträgers.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Anzapfen kreativer Kräfte aus dem Team, neue Ideen und Strukturen wie Online-Tagesstruktur/Workshops entstehen in einem guten produktiven Miteinander. Viele TeilnehmerInnen sind dankbar über unsere Angebote in dieser Krise und freuen sich auch, sich gegenseitig im Gruppensetting via Skype zu sehen. Ich hoffe, dass es gelingt, auch den Kostenträgern aufzuzeigen, wie stark das Engagement beider Projekte für die TeilnehmerInnen ist und wie wichtig diese sind. Es gelingt trotz oder durch die starke Isolation das Augenmerk auch darauf zu legen, was an Verbundenheit bereits vorhanden ist und die oft starke Basis zu verwenden um in dieser Krise etwas Stabilität und Hoffnung zu geben.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich denke, dass uns diese Phase sehr stark auf uns selbst zurück wirft und vielen Menschen Raum gibt, bzw. sie dazu zwingt, ihr Leben genau zu betrachten und die einzelnen Elemente davon zu reflektieren. Die Möglichkeit sich abzulenken bzw. „durchzupowern“ entfällt größtenteils und auch die Gesellschaft als Ganzes kann ihre Werte reevaluieren. Dies bezieht sich auch auf die Wichtigkeit ganzer Berufsgruppen, deren Gehalt ihre Signifikanz lange nicht widerspiegelte. Auch die vorherigen Diskussionen im Klimaschutz werden in ein neues Licht gerückt, wenn man feststellt, wie viel Verzicht tatsächlich möglich ist bzw. wie viel andere, umweltverträgliche Kanäle genutzt werden können.

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 36 Jahre, Leiterin eines Arbeitsintegrationsprojekts, Anthering