Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 6: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Im Arbeits- und im familiären Bereich mache ich aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung. Homeschooling und Homeoffice zu verbinden ist eine große Herausforderung, beides erfordert viel Strukturierung, Priorisierung und Klarheit, weil sonst alle Tätigkeiten miteinander verschwimmen, alles gleich wichtig erscheint und man nicht mehr weiß, was man zuerst erledigen soll.

Ich vermisse, die Umarmungen und herzlichen Begrüßungen mit meinen KollegInnen, Freunden und Verwandten außerhalb unseres Haushalts sehr. Fortbildungswochen und Kongresse fallen aus, damit ist der fachliche Austausch erschwert. Urlaube leider auch, aber damit kann ich leben, hier in Salzburg ist es ja auch sehr schön.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Allgemeine wirtschaftliche Sorgen und wie Dinge wo erhältlich sind, da die Öffnungszeiten der Geschäfte/Post reduziert sind. Eine Wirtschaftskrise ist sehr wahrscheinlich und wird jeden betreffen. Jeder ist potenzieller Keimüberträger, nicht nur für Covid-19, sondern auch für andere gefährliche Infektionskrankheiten.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Mehr Hygienebewusstsein in der Bevölkerung, mehr Nachbarschaftshilfe, kreative Ideen und Lösungsvorschläge kursieren im Netz, Zeit für unangekündigte Besuche bei Freunden und kurzes Tratscherl im 2-Meter-Sicherheitsabstand sind leichter möglich, weil die meisten Menschen zu Hause bleiben und keine Kaffee/Kuchenjausenerwartung besteht, man freut sich einfach, wenn man sich kurz aus der Ferne sieht und plaudern kann. Mehr Zeit für die eigene Familie und Kinder, bewusste Freizeitgestaltung in und um’s Haus. Fahrzeiten fallen weg, Stress, pünktlich wohin zu müssen und im Stau zu stecken fällt weg. Viele Naturerlebnisse sind leichter zu genießen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Zeit, sich auf das Kleine und Naheliegende besinnen; Weniger ist mehr, nicht alles, was wir zu brauchen glauben, brauchen wir wirklich. Mehr Zeit, gemeinsam schöne Dinge auszuprobieren. Wir lernen viel über die digitalen Möglichkeiten der Kommunikation dazu. Ich wünsche mir, dass anderen Epi- und Pandemien (Diphterie, Tbc, Tetanus, Masern, Influenza, Noro Viren…) in Zukunft die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln behandelt werden (Influenza-, Masern-Impfungen). Mehr Hygienebewusstsein und wer krank ist, soll nicht zur Arbeit gehen (müssen, oder das Gefühl haben, er/sie muss)…

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 48 Jahre, Ärztin, Salzburg