Beitrag 52: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung für mich ist, dass ich durch Corona so lange intensiv zu Hause sein kann. Ich studiere und arbeite zurzeit gleichzeitig. Das Studium ist ein Vollzeitstudium, das ich eigentlich in Linz absolviere und demnach normalerweise unter der Woche drei bis vier Tage gar nicht zu Hause bin. Mit Corona wurde alles von einem Tag auf den anderen auf Distance Learning umgestellt und mit den Ausgangsbeschränkungen war ich in den vergangenen beiden Monaten so viel daheim wie schon lange nicht mehr. Mein Job (aktuell 8h/Woche) hab ich schon vor der Krise teilweise aus dem Home-Office betrieben und die Umstellung war daher recht einfach. Gekriselt hat es im Studium. Alle waren gestresst und unsicher, wie das denn nun alles klappen soll. Man war nicht auf Distance Learning vorbereitet, geschweige denn mit den technischen Möglichkeiten vertraut. Nach der verwirrenden, stressigen Anfangszeit hat es sich nun aber eingependelt und auch das Studium verläuft fast normal. Inzwischen genieße ich es sogar, zu Hause zu sein. Meine wöchentliche Pendelei von Krems nach Linz fällt weg, Wegzeiten und Staus auf dem Weg zur Uni fallen weg. Ich kann mir jeden Tag kochen, was ich will und muss kein Mensa-Essen oder irgendwelche Weckerl essen. Mein Mann ist auch zu 100% im Home-Office seit Mitte März und daher kann ich auch in Kaffeepausen tratschen gehen. Wir haben außerdem getrennte Räume für unsere Arbeitsplätze, was das Studieren und Arbeiten sehr angenehm macht.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Sorgen mache ich mir um meine Angehörigen und deren Gesundheit. Meine Mutter und Oma leben jeweils alleine und waren in den Wochen der Ausgangsbeschränkungen recht einsam. Viel telefonieren hat zwar geholfen, aber man kann sich nicht durch das Telefon umarmen.

Abgesehen von der persönlichen Ebene mache ich mir auch Sorgen, wie denn das alles weitergehen wird. Kommt eine Wirtschaftskrise? Wird das Leben schwieriger? Kommt eine zweite oder dann auch dritte Corona-Welle? Machen die Geschäfte zu schnell wieder auf? Bin ich zu unvorsichtig? Ist es verantwortungslos, wenn ich meine Oma, Mama oder meinen kleinen Neffen umarme? Wann kann ich je wieder tanzen gehen?

Ich bin in der glücklichen Situation, dass mein Job und der meines Mannes sicher sind. Daher fühle ich mich nicht in meiner Existenz bedroht, doch ganz hinten im Kopf ist da immer auch ein Stimmchen, das mir sagt, dass sich das alles auch ganz schnell ändern kann.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Wie bereits bei Frage 1 angeführt, genieße ich meine Zeit zu Hause, die radikale Reduktion meiner Reisezeiten und die intensive Zweisamkeit mit meinem Mann. Ich hoffe, dass nach Corona Teile des Studiums auch als Distance-Learning-Lehrveranstaltungen angeboten werden, da dies die Teilnahme sehr erleichtert. Außerdem hoffe ich, dass in der Arbeitswelt Home-Office gekommen ist, um zu bleiben. Denn ein bis zwei Tage zu Hause Arbeiten pro Woche sind sicher in den meisten Bürojobbereichen weiterhin sehr gut möglich.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Mein Mann und ich unterstützen uns gegenseitig. Halten uns im Arm, wenn es mal zu viel wird oder geben uns Zeit allein. Telefonate mit Familie und FreundInnen bringen Abwechslung als Ansprechpartner. Zum Stressabbau habe ich wieder regelmäßig zu laufen begonnen, das hilft, um den Kopf frei zu bekommen. Außerdem habe ich meinen Nachrichtenkonsum im Gegensatz zum Beginn der Krise drastisch reduziert. Ständig die geballten negativen Meldungen waren etwas viel.

Sonntag, 17. Mai 2020
Weiblich, 33 Jahre, Projektmanagerin und Studentin, Krems Stadt