Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 5: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Für mich gibt es tiefe Einschnitte sowohl in meinem Privat- als auch in meinem Berufsleben. Als Sozialarbeiterin arbeite ich mit Menschen, diese Arbeit basiert zum größten Teil auf persönlicher Face-to-Face Kommunikation. Diese wird aktuell zwar über einen telefonischen Kontakt weiterhin fortgesetzt, aber viele Informationen gehen hierbei verloren. Alleine das Anlächeln, die Gestik und die Mimik. Außerdem finde ich es wahnsinnig anstrengend so viel zu telefonieren. Außerdem vermisse ich es meine KollegInnen im Büro zu treffen, ein kleines Pläuschchen zu halten, dass vielleicht über die alltägliche Arbeit hinausgeht, aber den Zusammenhalt stärkt.

Privat vermisse ich es mich mit meiner Familie und meinen FreundInnen zu treffen. Zwar haben wir regelmäßig Videokonferenzen, es ist jedoch nicht das gleiche wie jemanden in Real zu sehen. Die Person zu spüren, zu riechen und zu erleben.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Aktuell habe ich Angst, dass bei uns in kurzer Zeit Zustände wie in Italien vorherrschen. Menschen die alleine sterben müssen oder vielleicht gar keine Behandlung mehr bekommen, da sie zu alt sind. Ich denke auch darüber nach, was so ein Zustand für eine Nation bedeuten muss. Dieses Gefühl von Versagen, nicht genug getan zu haben, zu spät reagiert zu haben, diesem Virus nicht mit gebürtiger Sorgfalt entgegengetreten zu sein und die Fehlersuche im Anschluss daran. Wer hat versagt, wer hätte mehr tun müssen… und welche nationalen und internationalen Streitigkeiten daraus entstehen können. Außerdem möchte ich nicht, dass ÄrztInnen und PflegerInnen in diese Situation der Überlastung kommen und entscheiden müssen, wem sie helfen und wer sterben soll. Das macht etwas mit Menschen und das würde auch etwas mit unserer Gesellschaft machen.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Die ersten zwei Wochen war es lustig im Home-Office zu sein und in der Jogginghose zu arbeiten. Aber gerade jetzt wo auch die Sonne wieder rauskommt und der Frühling beginnt, fällt es mir schwer, an der momentanen Situation etwas Positives zu finden.

Vielleicht aber hoffe ich, dass die Menschen ihre Freiheit mehr schätzen und mit ihren Mitmenschen respektvoller umgehen. Ihre Familien mehr umarmen und weniger wegen Kleinigkeiten streiten. Vielleicht auch, dass die Menschen mehr zusammenrücken und erkennen, welche Dinge für ein erfülltes Leben wirklich wichtig sind. Und das sind jene Menschen, die uns umgeben und uns auf unserem Lebensweg begleiten.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich hoffe, dass wir alle genug Kraft haben, um diese schwierige Zeit zu überstehen. Dass wir alle genug Verantwortung über diesen langen Zeitraum schultern können, um nicht unterzugehen. Ich wünsche mir, dass viele Menschen das Wohl aller über die eigenen Bedürfnisse stellen, damit wir möglichst heil aus der ganzen Sache rauskommen.

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, Sozialarbeiterin, Salzburg