Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 44: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Ich war sehr viel unterwegs, eigentlich täglich, jetzt muss ich mich auf Zuhause beschränken. Am schmerzhaftesten ist für mich allerdings, dass ich meine Enkelkinder nicht berühren, nicht umarmen kann. Meine große Enkelin kommt im Herbst in die Schule, ich hätte gerne mit ihr geübt, und sie auf ihrem Weg dorthin begleitet, auch weil mir das persönlich sehr wichtig ist. Das fällt jetzt weg und macht mich sehr traurig. Und ich befürchte, dass ich womöglich ihren Schulstart im Herbst verpasse, das tut mir sehr weh.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Da mein Mann und ich schon älter sind, habe ich Angst um unser Leben. Da wir beide Vorerkrankungen haben, fürchte ich mich sehr vor einer Ansteckung! Ich stelle mir den Tod durch Corona schrecklich vor, so möchte ich auf keinen Fall enden. Gleichzeitig fühle ich mich sicher und geschützt von der Außenwelt. Alle nehmen Rücksicht. Man bringt uns Lebensmittel und Medikamente bis vor die Haustür. Alle kümmern sich um uns und wollen helfen.

Ich habe Angst, dass durch die jetzigen Öffnungen, der Virus neu aufflammen wird und zurückkommt. Und dass ich dann nicht mehr so geschützt bin, vor allem weil mein Mann dann wieder mehr unternehmen und dem Virus ausgesetzt sein wird.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Meine Hoffnung ist die Zukunft. Ich hoffe, dass die Menschheit etwas aus der Krise lernt. Dass der Habgier Einhalt geboten wird. Dass die Reichen nicht reicher werden, sondern der Wohlstand gerechter verteilt wird.

Auch für den Klimawandel hoffe ich: Meine Generation hat diesbezüglich sehr viel vermasselt, ich hoffe, dass die junge Generation es besser macht. Ich hoffe dies vor allem für meine Kinder und Enkelkinder.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Mein Überlebenswille hilft mir. Ich fühle mich derzeit gut aufgehoben. Ich lebe in einem sicheren Umfeld und halte mich an die Vorgaben der Regierung. Ich habe weder finanzielle noch berufliche Sorgen, da ich Pensionistin bin. Das ist schon mal eine große Erleichterung.

Was mich äußerst positiv erstaunt und was ich so nicht erwartet habe: die Haltung der jüngeren Generation. Früher hatte ich manchmal das Gefühl, wir „Alten“ gehen den „Jungen“ auf die Nerven und liegen ihnen auf der Tasche. Aber all die Maßnahmen und dass sich alle daran halten, das tun sie für uns Alten.

Auch die Regierung gibt mir viel Sicherheit, ich war mit fast all ihren Handlungen einverstanden. Ich bin allerdings dafür, dass die Maßnahmen noch zwei Wochen verlängert werden. Ich hoffe nicht, dass die Fallzahlen durch diese frühe Öffnung wieder steigen.

Mittwoch, 15. April 2020
Weiblich, 71 Jahre, pensionierte Lehrerin, Flachgau