Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 41: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Der plötzliche Umstieg auf Home-Office war eine der größten Veränderungen, die mir das Ausmaß bzw. auch die Veränderungen aufgrund der Pandemie so richtig bewusst gemacht haben. Seitens unseres Unternehmens gab es dabei sehr viel technische, inhaltliche und organisatorische Unterstützung, die aber vor allem in den ersten Tagen auch zu einer Überforderung und Anspannung führten: Volle Mailbox, 2x täglich Videokonferenz, unzählige Telefonate und eine Menge offener Fragen ließen eine Hektik aufkommen, die im Gegensatz zu den leeren Straßen und Geschäften stand. Mir den eigenen Druck zu nehmen, alles für alle sofort und perfekt koordinieren und kontrollieren zu können, war für mich eine der wesentlichen Erfahrungen/Herausforderungen in dieser Zeit.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Nicht zu wissen, wie lange diese Situation andauert, ab wann wir wieder in den „Normalbetrieb“ übergehen können, ist eine der vielen Fragen, die mich beschäftigen. Ebenso die Frage, welche wirtschaftlichen Auswirkungen ausbleibende Aufträge (österreichweit und in Salzburg) auf unseren Bereich/unsere Projekte haben werden: Wie lange wird es Kurzarbeit geben? Was ist dann?

Meine Kolleginnen und ich haben in den vergangenen Wochen ein – manchmal tägliches – „Auf & Ab“ im Umgang mit digitaler Kommunikation und fehlendem persönlichem Kontakt erlebt, sei es in Einzelcoachings bzw. -gesprächen oder in Teammeetings. Dabei bemerke ich, dass das „Durchhalten“, vor allem für einige unsere Klientinnen, immer schwieriger (und existenzbedrohender) wird.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Für mich ist die derzeitige Situation auch ein Lernprozess: Ich hatte – vor Corona – einen ziemlich genauen Plan im Kopf, wie ich die kommenden Monate (beruflich & privat) gestalte. Und so brauchte ich einige Zeit, mich in die neue Situation einzufinden und zu akzeptieren, dass vieles davon (derzeit?) nicht möglich ist und sich Prioritäten verschieben. Letztendlich war das Loslassen von Erwartungen, Zeitdruck und gewohnten Denkweisen aber auch befreiend. Diese Haltung macht mich innerlich ruhiger und gibt mir eine neue, andere Energie – die meine KollegInnen, Klientinnen und ich „nach Corona“ bestimmt gut brauchen können.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Die gegenseitige Unterstützung und der Austausch in den Teams, die Gespräche mit KollegInnen, das Nachlassen der Informationsflut und nicht zuletzt eine gewisse Routine im Umgang mit technischen Hilfsmitteln führen beruflich zu einer neuen „Normalität“, die mir im derzeitigen Arbeitsalltag sehr hilft. Ebenso sind reguläre, längere Mittagspausen, Yoga via Youtube und ein kurzer Arbeitsweg, neue Routinen, die ich durchaus positiv sehe.

Ich verbringe nun viel mehr Zeit zuhause und merke, dass ich für bestimmte Aufgaben (fast) keinen Plan mehr brauche. Sondern warten kann, bis ich Lust habe, sie zu machen (sogar Fensterputzen und Unkraut jäten).

Montag, 13. April 2020
Weiblich, 46 Jahre, Projektmanagement, Salzburg Stadt