Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 4: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung erlebe ich derzeit im Beruf, da ich komplett von zu Hause aus arbeite. Das ist für mich sehr ungewohnt und fühlt sich jetzt in der dritten Woche auch noch seltsam an. Hinzu kommt, dass meine Eltern, mein Bruder, meine Tanten und Onkel im Ausland leben und ich derzeit keine Möglichkeit habe, sie zu besuchen oder umgekehrt. Zu wissen, nicht schnell zu ihnen fahren zu können um sie zu besuchen oder ihnen zu helfen, ist sehr merkwürdig und lässt mich ziemlich hilflos zurück. Das Wegfallen aller direkten sozialen Kontakte war für mich im ersten Moment gedanklich sehr schwer zu akzeptieren, da ich wusste, dass Telefonate oder Online-Chats diese direkte Kommunikation nicht wirklich ersetzen. Aber es geht besser als gedacht…

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Um mich selbst oder meine Kernfamilie mache ich mir weniger Sorgen. Ich glaube, dass wir im kleinen Kreis die jetzige Situation relativ gut überstehen werden. Allerdings sorge ich mich sehr um alte Menschen und all jene, die jetzt allein zuhause sitzen und Angst haben. Wie ergeht es jetzt all jenen, die vorher schon zu kämpfen hatten, sei es in finanzieller oder gesundheitlicher Hinsicht? Und was machen jene Menschen, die in Ländern wohnen, in denen es keine oder so gut wie keine Gesundheitsvorsorge gibt? Und wie schnell werden sich Länder wie Italien von dieser jetzigen Situation erholen können?

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Wir als Familie haben jetzt mehr Zeit füreinander. Viele Nachmittagsbeschäftigungen fallen weg, wie Kinderturnen oder Spielenachmittage. Das ist einerseits zwar schade, da auch der soziale Kontakt damit wegfällt, aber im Moment empfinde ich es als Befreiung. Ich genieße den Tag viel mehr und erlebe ihn bewusster. Ich habe mehr Zeit, sogar für mich. Obwohl der Tag jetzt auch strikt durchgeplant ist, mit Home-Office und Kinderbetreuung, ist alles viel entspannter. Und sogar das Einkaufen klappt besser als vorher. Vor Corona spürte ich manchmal den Zwang, etwas machen zu müssen, aus verschiedenen Gründen. Das fällt im Moment komplett weg!

Donnerstag, 2. April 2020
Weiblich, 38 Jahre, Redakteurin, Salzburg Land