Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 30: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Das soziale Umfeld vermisse ich sehr. Das Verzichten auf die sozialen Kontakte ist für mich persönlich das Gravierendste. Andere Einschränkungen wie beim Einkaufen oder dass man nirgends hinfahren kann, berühren mich nicht so sehr. Aber die Nähe zu Freunden oder Nachbarn oder zur eigenen Familie fehlt mir sehr. Umarmungen fallen zum Beispiel weg und man muss auf Distanz bleiben, wo es vorher eine sehr große Nähe gab.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich bin kein Mensch, der sich gesundheitlich große Sorgen macht. Eher beschäftige ich mich damit, ob alle sozialen Kontakte wieder aufleben. Ob wieder alles so wird wies es mal war. Ich mache mir auch Sorgen darüber, wie die Menschen reagieren, wenn die Maßnahmen lockerer werden. Werden die Menschen dann übertreiben? Kommt alles wieder auf uns zurück und verschärft sich die Situation dann wieder? Ich habe Angst, dass zu Früh die Leine locker gelassen wird, und dass uns allen das nicht wirklich hilft.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Mir fällt auf, dass die meisten Menschen viel respektvoller miteinander umgehen, viele sind auf Distanz sogar noch freundlicher. Beim Spazierengehen zum Beispiel hat nun jeder ein freundliches Lächeln im Gesicht und grüßt von der anderen Straßenseite her. Ich habe die Hoffnung, dass wir mehr schätzen lernen, was wir in unserer Gesellschaft und in unserem Alltag alles für Möglichkeiten haben. Wie wertvoll es ist, wenn man Freunde und Bekannte und Familie wieder um sich haben kann. Ich hoffe auch, dass viele wieder mehr Bescheidenheit an den Tag legen, da man jetzt sehr gut sehen kann, mit wie wenig man eigentlich auskommt. Und dass man so auch gut leben kann.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich habe den Vorteil, den Luxus, dass ich in einem Haus mit Garten lebe. Ich kann raus, ohne dass ich unter Leute muss. Wir kochen grundsätzlich viel selber, das machen wir jetzt natürlich auch. Es gliedert sich aber sehr stark heraus, wer mir wichtig ist und wem ich wichtig bin.

Die Vorfreude auf die sozialen Kontakte „nach“ Corona hilft mir sehr durch diese Zeit. Ich freue mich sehr darauf, mein kleines Taufpatenkind wieder in den Arm zu nehmen. Ich möchte, dass wir die jetzige Situation alle gesund überstehen und dann normal weitermachen können. Und mit „normal“ meine ich das Zwischenmenschliche und nicht die Wirtschaft.

Dienstag, 7. April 2020
Weiblich, 46 Jahre, Hausfrau, Salzburg Flachgau