Beitrag 3: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Beitrag 3: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Meine tiefste Erfahrung ist derzeit, dass wir von einem „früher“ und einem anderen „heute“ unterscheiden müssen, dass sich alles schlagartig verändert hat: Tagesablauf, Familienleben, Schule, Arbeit, Freizeit, Mobilität und wir nicht damit rechnen können, dass das „Danach“ dem „Davor“ gleicht. Die Zeiten haben sich schlagartig geändert und wir wissen noch nicht, was uns erwartet. Diese Erfahrung zieht sich durch den ganzen Tag: wir leben in der Improvisation, probieren aus, wie es sich zuhause arbeitet, wenn alle zuhause sind. Unsere Kinder proben den Fernunterricht, wir kochen anders, kaufen anders ein, hören anders Nachrichten, besinnen uns anders – und wir versuchen uns darauf einen Reim zu machen: Was bedeutet das alles für „Nachher“? Was gilt es aus dieser Situation zu lernen? Und was brauchen wir jetzt, um gut durch diese Übergangszeit zu kommen?

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Meine Ängste und Sorgen beziehen sich auf das allgemeine Miteinander nach der Pandemie. Werden die vielen, die ihre Arbeit verloren haben, wieder so gebraucht werden, dass sie in vernünftigen Arbeitsstellen unterkommen? Wie überstehen die vielen Schutzbedürftigen und Menschen, die am Rande stehen, diese Krise? Können die schlimmsten Folgen abgefedert werden?

Und wie machen wir weiter nach der Krise, unter verschlechterten ökonomischen Bedingungen? Gelingt so etwas wie eine Wende zu einer klimafreundlichen Wirtschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt? Und werden wir unseren öffentlichen Wohlstand (Gesundheitssystem, Bildung, Kunst und Kultur usw.) dabei halten können?

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Die ersten Tage waren eine große organisatorische Erleichterung, weil alles von zuhause aus zu erledigen war und die beruflichen Anforderungen vor allem in Adaptionen bestehender Dinge und Absagen von Geplantem bestand. In der dritten Woche merke ich, wie die Arbeit, die ausschließlich über den Computer und das Internet läuft, auch in den eingeschränkten und so wohltuenden Online-Besprechungen, immer anstrengender wird, weil mir der echte zwischenmenschliche Kontakt, die echte Begegnung auch an anderen Orten zu fehlen beginnt. Eindeutig positiv ist, dass wir als Familie deutlich mehr Zeit miteinander verbringen, gemeinsame Mahlzeiten und Pausen zwischendurch haben, mehr von einander erfahren und intensiver im Austausch stehen. Außerdem finden wir regelmäßig Zeit für gemeinsame körperliche Betätigung außer Haus.

Mittwoch, 1. April 2020
Männlich, 48 Jahre, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Flachgau