Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 29: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die tiefste Erfahrung von Veränderung betrifft bei mir die Einschränkungen unmittelbarer sozialer (realer/physischer) Kontakte.

In Bezug auf Familie und Freunde/Freundinnen: Ich versuche, über andere Wege (telefonisch, E-Mail) mit ihnen Verbindung zu halten und sie und mich in der derzeitigen Situation zu ermutigen und darauf zu hoffen, zu vertrauen, dass wir uns bald wieder sehen und persönlich treffen werden.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Meine Sorgen und etwaigen Ängste sind weniger gesundheitlicher Art – ich sehe die derzeitige Covid-19-Situation hier eher gelesen; Sorgen machen mir Diskussionsbeiträge und zum Teil auch geplante Maßnahmen, was den Umgang mit bestimmten Grundrechten durch politische Entscheidungsträger, die Polizei etc. betrifft – Ungarn ist sicher ein extremes Beispiel, aber gewisse autoritäre Züge und Verhaltensweisen zeigen sich durchaus in Österreich. Es wird auch in Zukunft nicht immer einfach sein, unterschiedliche Rechte und Freiheiten unterschiedlicher Gruppen gegen- und miteinander abzuwägen: Der Eigenverantwortung jedes/r einzelnen, selbst einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise zu leisten, sollte im Zweifelsfall mehr Gewicht als verordneten Regelungen beigemessen werden, wenngleich es letztere sicher auch in gewisser Weise unbedingt braucht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Positives kann ich der derzeitigen Situation durchaus abgewinnen, da sie mich zu einem grundsätzlicheren Nachdenken über das Verhältnis von Mensch (als Teil der Natur) und dem Virus (als Teil der Natur) bringt – letztlich hat die Natur meiner Interpretation nach einen gewissen Eigensinn und wir Menschen als Teil der Natur können sie nur begrenzt beherrschen und kontrollieren. Als Mensch und Sozialwissenschaftler anregend und positiv nehme ich Solidaritätserfahrungen und (freilich offen, wie lange auch noch nach der Corona-Krise) wahrnehmbare Solidaritätseffekte wahr; die Einschränkung des Konsums auf Grundversorgungsgüter ist insofern auch unter Umständen positiv, als sie mich zum Nachdenken bringt, was ich wirklich zum Leben brauche und vielleicht ist das auch bei anderen der Fall. Corona regt jedenfalls mein Denken und meine Phantasie an und ich beschäftige mich bewusst auch mit Diskussionsbeiträgen anderer, die in diese Richtung interpretiert werden können – insofern hat die derzeitige Situation auch ein kreatives Potenzial – ob und wie sich dies auch in anderen Bereichen oder Problemen (etwa die nach wie vor bestehenden Herausforderungen in den Bereichen Klima, Migration/Flucht/Asyl) auswirken wird, bleibt für mich aber offen.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Wichtig für mich ist genug Zeit zur Entspannung, im Rahmen der Ausgangsbeschränkungen auch viel Bewegung im Freien (halt alleine), die Natur und auf gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf zu achten – eigentlich brauche ich diesbezüglich meinen Lebensstil nicht allzuviel ändern; in vielen interessanten Büchern zu lesen und auch meine Arbeit wenn möglich anregend zu gestalten: dies alles kann durchaus meine Widerstandsfähigkeit stärken; neue Gewohnheiten nehme ich bis jetzt noch nicht wahr – eher das Bemühen, das Leben trotzdem möglichst erfüllt zu leben und mich am Aufblühen der Natur und des Frühlings (auch wenn es viel zu warm ist…) zu freuen. Und auch mich hin und wieder mit anderen auszutauschen, wie sie durch die derzeitige Situation kommen.

Dienstag, 7. April 2020
Männlich, 58 Jahre, Sozialwissenschaftler, Wien