Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 27: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die größte Veränderung für mich ist es, nur einmal in der Woche in die Arbeit fahren zu müssen und sonst 24 Stunden zu Hause mit meiner Familie zu verbringen. Ich hätte nie gedacht, dass das so gut funktionieren könnte. Es ist nicht immer einfach, aber ich nehme diese Zeit als Geschenk. Wann sonst hat man so viel Zeit für einander oder für sich selbst? Ich genieße es einfach, einmal nichts machen zu müssen und Zeit dafür zu haben, zu überlegen, was ich wirklich will, was mir wichtig ist, was im Leben eigentlich zählt.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich finde es sehr traurig, dass viele Menschen gestorben sind und noch sterben müssen, dass viele ihre Arbeit verlieren, dass einige von Corona profitieren werden und andere alles verlieren, was sie bis jetzt erreicht haben. Ich habe noch keine Angst, weil ich hoffe, dass bei uns weiterhin alles gut läuft und wir gesund bleiben. Ich bin dankbar dafür, dass wir gesund sind und ein Haus mit Garten haben.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Seit längerer Zeit ist es mir nicht gut gegangen. Nach außen hin war eigentlich alles bestens, ich konnte das aber nicht richtig erleben oder genießen. Es klingt vielleicht seltsam, aber nach der ersten Woche mit den Corona-Einschränkungen, fühlte ich mich wie ein anderer Mensch. Ich kann mir nicht erinnern, wann ich zuletzt so erholt und glücklich war. Die ganze Verspannung, der Druck und Stress sind schlagartig weg. Ich habe endlich Zeit für alles gehabt und habe trotzdem fleißig zu Hause gearbeitet. Ich hoffe, dass ich das nach der Corona-Krise nicht sofort wieder verliere und langsamer leben kann. Ich merkte, dass ich in meiner Arbeit am falschen Platz bin, es raubt mir nur meine Kraft und es ist schade, so viel Zeit an einer Stelle zu verschwenden, wo man nur geschätzt wird, wenn es gerade passt.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich mache viel Sport, wenn mir danach ist, was früher nur zu bestimmten Zeiten möglich war. Ich habe jeden Tag Kraft dafür und Lust darauf. Kochen bereitet mir wieder Freude, wie früher. Ich habe aufgehört zu planen, was vor drei Wochen einfach undenkbar war.

Montag, 6. April 2020
Weiblich, 41 Jahre, Psychologin, Salzburg Umgebung