Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 24: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die wohl tiefste Veränderung ist die neue Verbundenheit mit dem eigenen Zuhause. Ich habe mich Zuhause schon immer sehr wohl gefühlt und bislang fällt mir auch noch nicht die Decke auf den Kopf. Das liegt aber insbesondere daran, dass ich von Zuhause arbeiten, Sport machen kann, ich nicht allein bin (mein Freund ist ebenfalls da), ich keine Kinder um mich habe, denen es zu langweilig wird. Mir gefällt es aktuell, dass ich meinen Alltag so strukturieren kann, dass er zu mir und meinen Bedürfnissen passt. Mir wird auf der anderen Seite jeden Tag bewusster, wie privilegiert ich eigentlich bin. Die Gedanken an die Menschen, die kein gemütliches Zuhause haben, mit vielen Menschen auf engstem Raum leben, häusliche Gewalt erfahren oder aktuell unter starken Existenzängsten leiden müssen, quälen mich sehr.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Mich persönlich quälen die Sorgen um Andere am meisten… Insbesondere um die Gesundheit meiner Familie, meiner Freunde und deren Familien. Außerdem kommt hinzu, dass wir natürlich nicht wissen, was wirtschaftlich auf uns zu kommt, wenn die Krise überstanden ist.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Wie bereits unter Frage 1 beschrieben, kann ich der Situation aktuell sehr viel Positives abgewinnen, aber auch nur, weil ich in dieser privilegierten Situation bin. Alles ist entschleunigt, ich kann in Ruhe an meiner Dissertation schreiben, leckeres Essen kochen, Sport treiben, lesen… Alles wofür sonst immer zu wenig Zeit war.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Struktur hilft. Ein immer gleicher Ablauf aus Aufstehen, Frühstücken, Arbeiten/Schreiben, Mittagessen, Arbeit/Schreiben, zum Feierabend laufen gehen, anschließend Zuhause Sport treiben und abends mit meinem Freund gemeinsam Lesen, Fernsehen etc. Eigentlich vergeht die Zeit viel zu schnell.

Montag, 6. April 2020
Weiblich, 30 Jahre, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dortmund