Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 21: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Die Arbeit von Zuhause aus ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Einerseits ist die Kommunikation mit den Kollegen deutlich eingeschränkt – trotz der Möglichkeit von Videokonferenzen und Chat. Es herrscht halt echte Distanz. Andererseits ist die Trennung von Arbeit und Freizeit verschwommen. Wenn Leute zum Mittagessen zu einer dringenden Konferenz anrufen, was normalerweise nicht typisch ist, dann nervt das sehr. Außerdem wird irgendwie erwartet, das man jederzeit online erreichbar ist.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich bin in einer vergleichsweise günstigen Situation. Derzeit ist noch Arbeit zu erledigen und ohne Kinder im Haushalt ist dies auch ohne viel Ablenkung möglich. Daher gibt es dazu keine akuten Ängste. Allerdings befürchte ich, dass meine Mitarbeiter immer mehr Sorge um ihren Arbeitsplatz haben bzw. sich das verstärkt. Ist schon deutlich vorhanden. Mehr als beruhigen kann ich da derzeit leider kaum.

Konkrete Angst hab ich natürlich um meine Angehörigen, wie zum Beispiel die etwas älteren Eltern. Außerdem kann ich nicht ausschließen, dass ich selber erkranke und Komplikationen habe.

Angst um die tägliche Versorgung habe ich nicht.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Trotz der verschwommenen Trennung zwischen Arbeit und Freizeit ist die Möglichkeit zwischendurch einen Spaziergang oder Sport zu machen, recht positiv. Ich nutze das täglich, zurzeit gibt es ja keine Ausgangssperre.

Trotz der großen Unsicherheit bezüglich zukünftiger Aufträge für unsere Firma ist es tatsächlich befreiend, dass offenbar der Druck bei laufenden Projekten etwas rausgenommen wurde. Es wird nicht sofortige Erledigung erwartet, zumindest derzeit.

Die Hoffnung für die Zukunft wäre am ehesten, dass die schlimmsten Auswüchse des Kapitalismus in Form von globalisierter just-in-time-Produktionswirtschaft zumindest hinterfragt werden. Das hat ja jetzt viele Probleme aufgeworfen. Die Aufstellung von lebenswichtiger Infrastruktur wird auch zu diskutieren sein (hoffentlich). Ein Effekt der Krise könnte sein, dass man etwas mehr auf Fakten und die Wissenschaft hört als Gegenpol zum allgegenwärtigen Populismus. All das wird von der Dauer der Pandemie abhängen, sollte alles in wenigen Wochen vorbei sein, wird nicht viel bleiben. So gesehen kann eine längere Krise der Gesellschaft vielleicht Alternativen aufzeigen, die langfristig die (ganz konkret) erlittenen Opfer wettmachen könnten.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Ich habe eine harmonische Beziehung zu meiner Partnerin. Dann kann das intensive Zusammenleben eine Bereicherung sein und tatsächlich die Widerstandskraft stärken. Da ich jede Menge Hobbies habe, ist mir auch nie fad. Meine Klassik-CDs kann ich jetzt in Ruhe hören, die sonst schon Staub ansetzen. Ist zwar speziell, aber die Pandemie hat bewirkt, dass ich mich mit der zugrunde liegenden Mathematik der Ausbreitung beschäftigt habe, was mir bei meiner Arbeit bei einem aktuellen Projekt geholfen hat.

Neue Gewohnheiten haben sich bis jetzt nicht herausgebildet, außer regelmäßiges Händewaschen.

Sonntag, 5. April 2020
Männlich, 45 Jahre, Angestellter, Salzburg Stadt