Beitrag 2: Meine Erfahrungen zu COVID-19

Weiblich, 34 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt

Beitrag 15: Meine Erfahrungen zu COVID-19
Frage 1: In welchem Bereich Ihres Lebens machen Sie aktuell die tiefste Erfahrung von Veränderung? Bitte beschreiben Sie, was diese Änderung für Sie oder Ihr unmittelbares Umfeld bedeutet:

Privat: Ich kann Menschen, die mir wichtig sind, auf unabsehbare Zeit nicht persönlich treffen. Das wird über die Zeit belastender und macht mich zum Teil sehr traurig. Im Hintergrund wirkt eine leichte Besorgnis, wie sich die Situation langfristig auf meinen Arbeitgeber auswirken wird. Ich vermisse meine Kaffeehausbesuche.

Beruf: Home-Office lässt Freizeit und Arbeitszeit mehr und mehr verschwimmen. Ich vermisse den persönlichen Kontakt und Austausch mit KollegInnen. Sowohl beruflich als auch privat werden mir die Grenzen von digitaler Kommunikation bewusst. Etwas Atmosphärisches fehlt – Nähe, Wärme, gegenseitige Inspiration. Es können Themen „abgearbeitet“ werden, der Raum dazwischen, der Kreatives ermöglicht, fehlt mir.

Ich habe größten Respekt vor allen Menschen, die momentan den täglichen Betrieb und das Gesundheitssystem aufrecht erhalten. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Wertschätzung in Zukunft in den Löhnen für diese Berufsgruppen zum Ausdruck bringt.

Frage 2: Welche (neuen oder verschärften) Sorgen, welche Ängste begleiten Ihre jetzige Situation?

Ich habe Sorgen über die wirtschaftlichen Entwicklungen, das Sozial- und Gesundheitssystem. In gewisser Weise erscheint mir das Potenzial gegeben, dass Regierungen und Gesellschaftssysteme auseinanderbrechen könnten – mit allen damit verbundenen Risiken und auch Chancen und der Hoffnung, dass sich unser materialistischer Lebensstil grundlegend verändert.

Manchmal erscheint mir alles so irreal und ich frage mich, wann ich aus diesem „Traum“ erwache.

Ich habe Sorge, dass die riesigen Staatsverschuldungen bewirken, dass für eine Ökologisierung von Wirtschaft und Leben nun mangels Geld nichts mehr unternommen wird.

Frage 3: Können Sie persönlich der jetzigen Situation Positives abgewinnen, z.B. gewisse Erleichterungen, Befreiungen von Zwängen etc.? Gibt es etwas Konkretes, das Ihnen Hoffnung für die Zukunft „nach Corona“ gibt?

Ich sehe die Situation als riesigen Weckruf und insofern als große Chance für uns alle, als Einladung zur Reflexion über Zustand der Erde und uns selbst.

Meine Hoffnung ist, dass wir erkennen, wie verletzlich wir als Menschen sind und so als Menschheit nicht weitermachen können. Dass wir uns mehr auf das Wesentliche des Lebens besinnen, weniger konsumieren, uns weniger ablenken durch Events hier und dort.

Es erstaunt mich, welch gravierende Veränderungen möglich sind, wenn als notwendig gesehen. Stichwort Klimawandel. Corona hebelt – zum ersten mal für mich erlebbar – sämtliche wirtschaftlichen Sachzwänge aus.

Ich persönlich merke, wieviel ich nicht benötige. Auf wie wenig sich Leben reduzieren lässt, ohne etwas zu vermissen.

Ich war schon immer gerne mit mir selbst, kann daher diese Zeit für mich auch genießen. Ich liebe die Ruhe, dass in der Außenwelt nichts getan werden kann und muss, ich muss nirgends hin, kann einfach die Zeit hier genießen, vor allem mit vielen Aufenthalten in der Natur.

Frage 4: Was hilft Ihnen dabei, gut durch diese Situation zu kommen? Was stärkt Ihre Widerstandsfähigkeit? Gibt es neue Gewohnheiten oder alte, die Sie aufleben lassen, um Ihr Wohlbefinden zu stärken?

Am meisten helfen mir die Natur, Zeit der Innenschau, Meditation, Musik. Ich bin mehr in der Natur als je zuvor, lebe „bewegter“. Ich erlebe es als sehr bereichernd, dass all diese Aspekte momentan mehr Zeit in meinem Leben einnehmen als zuvor. Es ist eine Chance für mich, die Lebensausrichtung und Werte neu zu hinterfragen und zu „bestimmen“.

Freitag, 3. April 2020
Weiblich, 52 Jahre, Angestellte, Salzburg Stadt