Michael Peitler

Zu den Auswirkungen von subjektivierter und entgrenzter Arbeit

michael peitlerGrundlegender Wandel von Arbeitsverhältnissen
Seit den 1980er Jahren ist die Konstitution von Arbeit einem grundlegenden Wandel unterworfen. Neue Technologien und die Öffnung der Märkte hin zu einer globalen Weltwirtschaft haben eine teilweise Neuordnung der Organisation von Arbeit nach sich gezogen. Die Sozialwissenschaften diskutieren diese unter Bezeichnungen wie ‚Subjektivierung’ und ‚Entgrenzung’ von Arbeit.

Subjektive Potentiale als Erfolgsfaktor
Ganz allgemein ist „Subjektivierung“ der Prozess, in dem „historisch konkrete Subjektive – also individuell je verschiedenartige – Leistungen bzw. Handlungen gesellschaftlich zunehmend funktional werden“. Subjektive Potentiale, die einstmals als Störfaktoren angesehen wurden, die es zu eliminieren galt, werden zunehmend als Erfolgsfaktoren erkannt. Beispiele für solche subjektiven Potentiale sind etwa Kreativität, Flexibilität, Empathie und Emotionalität.

Selbstverwirklichung versus hohem Leistungsdruck
Die Auswirkungen der Subjektivierung von  Arbeit hat auf  die  Menschen ambivalente Auswirkungen: Mehr Freiheit kann auch mehr Druck bedeuten, mehr Selbstbestimmung geht einher mit neuen Zwängen. Die zentralen Chancen der Subjektivierung bestehen in neuen Gestaltungsspielräumen für Individuen: Möglichkeiten der Partizipation und Selbstverwirklichung, Verminderung von Fremdkontrolle und Zwang, Verwirklichung individueller Interessen und Orientierungen, Neue Möglichkeiten der Vereinbarung von Arbeit und Leben, Segmentierung der Beschäftigten, Gestiegene Anforderungen und höherer Leistungsdruck, Wachsende Unsicherheiten und Prekarität, Entgrenzung von Arbeit und Leben. Eine Bewertung der Subjektivierung von Arbeit erweist sich als äußerst schwierig.

Entgrenzung von Arbeit
Der Begriff „Entgrenzung von Arbeit“ meint, dass sich bisherige Abgrenzungen und Gliederungen in der Erwerbsarbeit auflösen oder an Bedeutung verlieren. Das ‚Normalarbeitsverhältnis‘ ist nicht mehr so ’normal‘. Das Verhältnis vom Menschen zu seiner Arbeit wird neu organisiert und neu definiert. Dies führt zu einer Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse, dynamischen Qualifikationsanforderungen/“Entberuflichung“, Entgrenzung von Arbeitsort und Arbeitszeit.

Hohe Anforderung treffen gering Qualifizierte zuerst
Der „subjektive Faktor“ und damit die individuellen Ressourcen des Einzelnen gewinnen an Bedeutung. Die Qualifikation der Beschäftigten spielt hierbei eine zunehmende Rolle. In erster Linie können hoch qualifizierte ArbeitnehmerInnen ihre Ansprüche an eine ‚gute‘ Arbeit umsetzen. Jene Beschäftigten aber, die gering qualifiziert bzw. qualifizierbar sind, tragen ein hohes Risiko der Arbeitslosigkeit und prekärer Arbeitsverhältnisse.
Neue Konzepte der Organisation von Arbeit bedeuten jedoch auch für gut Qualifizierte steigende Anforderungen und höheren Leistungsdruck. Projektarbeit und Ergebnis- statt Prozesskontrolle – mit der Anforderung der
Selbststeuerung von Arbeitsabläufen und -zeiten – bedeuten meist eine quantitative und qualitative Ausweitung der Arbeitszeiten.

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