Workshop 26./27. August 09
Julia MÜller

26.08.2009
Workshop: Ronald Dworkin’s „Sovereign Virtue. The Theory and Practice of Equality“

Der zweitägigen Workshop diskutiert Dworkins Gleichheitskonzeption und setzt sie in Kontrast mit einem nicht-egalitaristisches Konzept der Gerechtigkeit: Thomas Schrammes „Gerechtigkeit und soziale Praxis“.

Dworkin entwickelt den grundlegenden Wert der Gleichheit für moderne Gesellschaften, in der jeder einen Anspruch auf gleiche Rücksicht und gleichen Respekt (equal concern and respect) hat. Für eine Gesellschaft in der der Gleichheitsgrundsatz in ausreichendem Maße verwirklicht wird, gilt, dass jeder ein erfolgreiches Leben führen können muss und zudem jeder die Verantwortung für den Vollzug seines eigenen Lebens trägt.

Die Entscheidungen darüber welche Art der Gleichheit hergestellt werden muss, werden bei Dworkin nach Marktprinzipien gebildet. In einer fiktiven Versteigerung (equal auction) und anschließendem Neid-Test wird die Verteilung der Ressourcen festgelegt. Diesem letztlich als Versicherungssystem konzipierten Ausgangsmodell sollte dann, in der realen Welt ein differenziertes Besteuerungssystem entsprechen, dass das so ermittelte Ideal der Gleichheit an Ressourcen hervorbringt.

Die Schwachpunkte in Dworkins Konzeption werden schnell deutlich: nach einmal getroffenen Entscheidungen können unterschiedliche Notlagen nicht mehr nach Schwere oder Ausmaß neu beurteilt werden. Die Individuen tragen die Verantwortung für die einmal getroffenen Entscheidungen, und es gibt keine Möglichkeit der späteren Anpassung.

Die nicht-egalitaristische Perspektive von Thomas Schramme’s „Gerechtigkeit und soziale Praxis“ entwirft eine konträre Idee der Gerechtigkeit. Schramme weist die Präsumtion der Gleichheit und die idealtypische Konstruktion von Gleichheit zurück, denn seiner Ansicht nach können die Kämpfe darüber, was an wen, in welcher Weise verteilt wird nur innerhalb eines konkreten, nicht eines theoretischen Feldes entschieden werden. Vielmehr geht es um die Frage der Inklusion, um an den Kämpfen um Gerechtigkeit überhaupt teilnehmen zu können. Schramme legt ein Konzept nicht-komparativer Gerechtigkeit dar, indem nicht von vorneherein festegelegt werden kann, in welchem Ausmaß und welcher Hinsicht Gleichheit relevant ist. Die Ausformulierung Bestimmung von Gleichheits- und Gerechtigkeitsprinzipien kann erst in der sozialen Praxis erfolgen.