Clemens Sedmak
Beitrag zum Bericht Studienjahr 09/10

Warum, warum und wie? Eine Kultur des Fragens

SedmakWarum fällt es manchen Menschen leichter als anderen, mit Schicksalsschlägen umzugehen? Warum fühlen sich viele Menschen auf ihrem Arbeitsplatz zuwenig geschätzt? Wie kann man das ändern?

Am Internationalen Forschungszentrum stellen wir Fragen. Warum? Und wir suchen Antworten: Wie? Wir wollen den Dingen auf den Grund gehen; und wir wollen uns überlegen, wie wir Verhältnisse verändern können.

Wenn wir herausfinden, was sich Menschen in der Arbeitswelt als Formen von Anerkennung wünschen, dann können wir konkrete Vorschläge machen, was ein Betrieb hier in die Wege leiten kann. Wenn wir herausfinden, woher die Mönche in der Wüste im vierten Jahrhundert Kraft für ihr Leben bekommen haben – auch unter widrigen Umständen –, dann können wir Ideen für unsere heutige Zeit weitergeben. Wenn wir uns überlegen, warum es entscheidend ist, die Förderung von Fähigkeiten in der Arbeit mit Kindern in den Mittelpunkt zu stellen, können wir uns überlegen, wie Schlüsselfähigkeiten von Kindern gefördert werden können.

Für diese Kultur des Fragens suchen wir auch immer wieder „Impulse von außen“. Aus diesem Grund veranstalten wir runde Tische, wo wir Kolleginnen und Kollegen einladen, die stärker in der Praxis verankert sind (Vereine, Sozialeinrichtungen, Initiativen). Wir arbeiten mit dem Kindermuseum Wien, mit der Caritas Innsbruck, mit SOS Kinderdorf International zusammen – um nur einige zu nennen. Impulse von außen liefern uns auch Gäste, die wir einladen – Wissenschafterinnen und Wissenschafter aus verschiedenen Ländern und Disziplinen.So hatten wir eine rumänische Philosophin bei uns zu Gast, die über den „Care Drain“ in Rumänien forscht – sich also damit beschäftigt, dass viele rumänische Eltern im Ausland arbeiten und ihre Kinder bei den Großeltern oder anderen Verwandten zurücklassen. Im Mai hatten wir eine amerikanische Kommunikationswissenschafterin zu Gast, die sich vor allem mit Fragen der Medienethik beschäftigt. Unsere Gäste geben uns Impulse in vielen Gesprächen „zwischendurch“ und im Rahmen des Forschungsseminars, das wir regelmäßig abhalten. Dabei kommen einmal in der Woche alle zusammen, um einen Vortrag zu hören und darüber zu diskutieren. Auch hier stellen wir Fragen: Warum? Wie?

Aus dieser Kultur des Fragens wollen wir „Anstöße“ geben? Das ifz hat heuer erstmals gemeinsam mit der Salzburg Ethik Initiative und dem Zentrum für Ethik und Armutsforschung die „Salzburger Anstöße“ mit ausgerichtet. Es handelt sich um ein Treffen von 40 jungen Wissenschafterinnen und Wissenschaftern, die drei Tage lang Ideen austauschen. Heuer ging es um „Widerstandskraft und Arbeitslosigkeit“, z.B. um die Frage, wie die Widerstandskraft von arbeitssuchenden Menschen gestärkt werden kann. Wir haben eine Reihe von Ideen gesammelt, diese auch mit Vereinen und der Politik diskutiert und haben auch eine Enquete des Landtags Salzburg zum Thema gestaltet. So werden diese Anstöße in die Politik weitergegeben. Wir werden diese Ideen weiterverfolgen – etwa die Idee, ein „Haus der Eigenarbeit“ in Salzburg zu gründen, oder die Idee, eine Kampagne zu organisieren, die mehr Respekt vor Arbeitssuchenden vermittelt. Hier sind wir dann schon beim „Wie“.

Fragen sind nicht Luxus, sondern die Nährstoffe für ein gutes geistiges und soziales Klima. Wir nehmen Fragen auf, die an uns herangetragen werden; wir geben Anstöße zu Antworten weiter. Eben dies macht ein Forschungszentrum aus. Und diese Arbeit wäre ohne das Interesse und die Förderung von Freunden und Förderern des ifz nicht möglich. Dafür sage ich „Danke“, schließe die Zusicherung an, dass wir unsere Mittel für „Fragen für Menschen“ einsetzen, und ende mit der Bitte, uns die Treue und das Wohlwollen zu halten.