Julia Müller

Arbeitslosigkeit: Von „überflüssigen Menschen“ und ihrer verletzten Würde

Margalits Überlegungen für eine Politik der Würde
Margalit stellt die Frage, wie die Wirtschaft in einer anständigen Gesellschaft gestaltet sein muss.  Immer mehr Menschen werden durch den postindustriellen Wandel wirtschaftlich bedeutungslos. Eine moralische Antwort ist gefordert.  Ergeben sich aus der aktuellen Organisation von Wirtschaft und Arbeit Bedrohungen für die menschliche Würde?

Kann Arbeitslosigkeit die menschliche Würde verletzen?

Wer arbeitslos ist, kann keinen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand leisten und ist auf die Leistungen des Sozialstaats angewiesen. Den Arbeitslosen wird das Gefühl vermittelt, dass sie der Gesellschaft zur Last fallen. „Wer nicht arbeitet, verdient nichts, produziert nichts, leistet nichts und konsumiert schließlich auch nur auf minimalem Niveau.“

Überflüssige Menschen

Die ungleiche Entwicklung von Produktion und Bevölkerungswachstum hat zu Überbevölkerung geführt. So werden immer mehr Menschen dauerhaft und systematisch aus dem Gefüge des kapitalistischen Systems ausgeschlossen – sie werden überflüssig.

Arbeitslosigkeit als sozioökonomische Bedeutungslosigkeit

„Menschliche Überflüssigkeit“ sagt etwas über zwischenmenschliche Beziehungen und Strukturen aus. Der Bezugskontext ist der Bereich der Arbeit und alle daran geknüpften Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Menschen, deren Arbeitskraft nicht mehr gebraucht wird und die als wirtschaftliche Akteure (z.B. als Konsumenten) bedeutungslos werden, sind sie für den Bereich der wirtschaftlichen Interaktionen überflüssig.

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