Gottfried Schweiger und Michael Peitler

Arbeit und Anerkennung: Umkämpfte Arbeit – Umkämpftes Leben. Kampf um Anerkennung im Kontext der Subjektivierung und Entgrenzung von Arbeit

Zusammenhang von Erwerbsarbeit, Anerkennung und Identität
Der These Axel Honneths folgend stellt wechselseitige Anerkennung die Grundlage menschlicher Identitätsentwicklung dar. Arbeit kommt v.a. in Form der Erwerbsarbeit in modernen Gesellschaften enorme Bedeutung zu. Sie ist Quelle des Lebensunterhalts, der sozialen Absicherung, der bürgerschaftlichen Integration sowie von Selbstwertgefühl und Sinngebung. Die Erfahrung von Anerkennung bzw. Missachtung von und in der Arbeit spielt für den Einzelnen und den gesellschaftlichen Zusammenhang daher eine wichtige Rolle.

Arbeitsbeziehungen tragen hierbei einen zentralen Konflikt in sich: einerseits wird Anerkennung gesucht und gefordert, andererseits ist das Unternehmen auf die Verwertung der Arbeitskraft zur Erzeugung von Profit ausgerichtet. Kämpfe in, um und für Arbeit können so als Kämpfe um Anerkennung verstanden werden, die auf mehreren Ebenen ausgefochten werden. Hier soll die subjektive Seite dieses Kampfes um Anerkennung in den Mittelpunkt gerückt werden.

Wandel in der Arbeitswelt
Geringfügige Beschäftigung, befristete Beschäftigung sowie Leiharbeit, (neue) Selbstständigkeit: Ich-AG, Beschäftigung mit freiem Dienstvertrag und Tätigkeit als “Neue Selbstständige” gelten als atypische Beschäftigung. In Österreich sind inzwischen etwas mehr als 1/3 der Menschen atypisch beschäftigt. Auch die Begriffe “Subjektivierung und Entgrenzung” beschreiben neuer Formen der Organisation von Arbeit. In diesem Wandel liegen verschiedene Gefahrenpotenziale für die Beschäftigten: die Aushöhlung von Rechten (Arbeitszeitregelungen, Kündigungsschutz, gesicherte Versorgung im Alter), die für Anerkennung auf rechtlicher Ebene stehen; sowie eine vollständige Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die letzlich auch Anerkennung verdreht.

Typologien der Soziologen Keller, Seifert, Brinkmann, Fleissner und Kauppa
Dieser Wandel zu neuen Formen der Arbeit trifft Beschäftigte unterschiedlich. Die Soziologen Keller und Seifert beschreiben unterschiedliche Gefährdungspotenziale durch atypische Beschäftigung. Sie beschränken sich auf die Merkmale Einkommen, Integration in die soziale Sicherung, Beschäftigungsstabilität und -fähigkeit. Fleissner und Kauppa beschreiben ihrerseits unterschiedliche Typologien.

Prekäre Beschäftigung stellt strukturelle Missachtung dar
Aus anerkennungstheoretischer Perspektive lässt sich prekäre Beschäftigung als strukturelle Missachtung verstehen. Ein weiter gefasster Anerkennungsbegriff, der nicht nur symbolisch oder kommunikativ gefasst wird, erlaubt es alle fünf Dimensionen von Prekarität einzubeziehen. In ihnen sind es vor allem die Anerkennung in Form von Rechten bzw. kognitiver Achtung und Anerkennung in Form von sozialer Wertschätzung, die bedroht bzw. verweigert werden. So beziehen sich die reproduktiv-materielle, die sozial-kommunikative sowie die Status- und Anerkennungsdimension auf Anerkennung in Form von sozialer Wertschätzung, weshalb prekäre Vergütung, der Ausschluss aus sozialen Netzen und symbolische Missachtung als Entwürdigung, Geringschätzung und Stigmatisierung zu verstehen sind.

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