Elisabeth Kapferer vom Tu was-Team und Josef Fanninger, Regionalmanager Lungau

Am Ende steht der ANFANG

Exakt 2.706 Tage liegen zwischen Eröffnungsfest des Sozialfestivals Tu was, dann tut sich was. im Salzburgischen Lungau und Abschlussveranstaltung in St. Virgil Salzburg.

2.706 Tage gefüllt mit zahlreichen Anfängen, schönen wie auch herausfordernden Erkenntnissen und verbindenden Bekannt- und Freundschaften.

Österreichs erstes Sozialfestival fand letzten Dienstag einen würdigen Abschluss mit Rückblicken, Diskussionen und Erkenntnissen aus den vier Tu was-Regionen Lungau (2011), Steirische Eisenstraße (2012-13), Mühlviertler Alm (2013-14) und Mostviertel-Mitte (2015-16).

Durchs Programm führte Elisabeth Kapferer vom Tu was-Projektteam Salzburg.

Tu was in Zahlen:

  • 4 Regionen
  • über 6 Jahre Miteinander-Tun
  • 350 eingereichte Projektideen
  • 238 prämierte Projekte, die in den Regionen umgesetzt werden konnten …

Zurückgeschaut und vorausgedacht:

Einen Rückblick auf die Zeit von 2011 bis heute gaben unter anderem Monika Weilharter als Projektinitiatorin und Johanna Eder aus dem Regionalmanagement Mostviertel-Mitte – da ging es um den Reiz des Neuen und Unbekannten eines „Sozialfestivals“, den Mut des Anfangens und die Möglichkeit, Neues ausprobieren zu können; da ging es um gute Begleitung und Unterstützung dabei, Ideen zum Leben zu verhelfen.

Einblicke in die wissenschaftliche Begleitung vermittelten Isabell Gstach, Elisabeth Kapferer, Susanne Katzlberger und Elisabeth Kocher vom Tu was-Wissenschaftsteam: Da zeigte sich zum Beispiel, dass Tu was nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ erreichen und zum Mitmachen motivieren konnte, sondern auch Menschen, die sonst nicht zu den „typischen“ Kreisen ehrenamtlichen oder bürgerschaftlichen Engagements zählen, etwa jüngere Menschen oder ganz besonders auch die „Zuagroasten“.

Tu was bot außerdem eine Möglichkeit, „Herzensthemen“ aufzugreifen, Dinge auszuprobieren, Veränderung anzustoßen und damit: Selbstwirksamkeit zu erleben – Erfahrungen, die sich auch in der Entwicklung des sozialen Kapitals niederschlagen.

Als „lernendes Festival“ hat sich Tu was dabei immer auch weiterentwickelt. Der Erfahrungsschatz aus den ersten Regionen konnte an die ProjektträgerInnen der späteren Festivalschauplätze weitergegeben werden, Gemeinschaftsgefühl und Kooperationen somit immer besser angeregt und unterstützt werden.

Im Rückblick bedeutet Tu was für mich …:

In den Worten der rund 30 VeranstaltungsteilnehmerInnen aus den Regionen steht Tu was für Begegnung, Austausch und Vernetzung, für eine „Erfolgsstory“, für gemeinsames Tun statt Nebeneinander, für ein freiwilliges und aufmerksames Füreinander-Dasein, für genutzte Möglichkeiten der Mitgestaltung. In Erfahrungen gesprochen bedeutet Tu was eine Art große, bunte Familie, Inspiration, Stärkung der eigenen Persönlichkeit und des Selbstvertrauens, Wachstum, Wecken des Möglichkeitssinns und schließlich Freude und „Zu(kunfts)versichtlichkeit“!

Franz Karl Prüller (ERSTE Stiftung) und Gertrude Eigelsreiter-Jashari (ehem. Jury-Mitglied) beim Austausch in der Kaffeepause.

Gestärkt machten sich die TeilnehmerInnen gemeinsam in Kleingruppen über Stolpersteine und hilfreiche Momente Gedanken. Besonders hervorgehoben wurde dabei, dass Tu was Zeit und Raum geben konnte, um gemeinsam über Gestaltungsmöglichkeiten, Spielräume und die Zukunft der Gemeinschaft nachzudenken und gute Ideen wachsen zu lassen. Die Kombination von leichter Zugänglichkeit und Niederschwelligkeit einerseits und guter Begleitung andererseits konnte viele Menschen überzeugen: „Jammer nicht, sondern tu was!“

 

Die Tu was-RegionalmanagerInnen betonten, dass die Erfahrung, mittun und mitgestalten zu können, das Selbstbewusstsein vieler Personen gestärkt hat und dies sich auch nach Festivalende in Folgeprojekten in den Regionen zeigt: „Tu was, dann tut sich auch weiter was…!“

Als wichtige Voraussetzung gelingender Weltverbesserung gilt, dass Vertrauen weiter bringt als Angst und das soziale Klima einer Gemeinschaft daher auf Vertrauen aufbauen und Vertrauen schaffen und fördern sollte. Bedeutsam ist ein Schritt aus dem Gewohnten, ein Durchbrechen und Hinterfragen von Selbstverständlichkeiten: Würde ein „Stromausfall“ zum Beispiel nicht viel Raum für Neues, Anderes öffnen?

Als wichtige Zutaten gelingender Weltverbesserung wurden Ermächtigung und Ermunterung genannt, die Bedeutung und Notwendigkeit politischer Bildung, das Zusammendenken von lokalen und globalen Fragen, das Populärmachen eines positiven, lustigen Erlebens von Gemeinschaft sowie – nicht zuletzt ganz im Sinne unseres Nachmittags – das erfolgreiche Sprechen über Erfolge.

Apropos Erfolge:

Auch wenn Tu was als Sozialfestival in den Regionen – und nunmehr auch als Gesamtprojekt – jeweils ein Ende gefunden hat, auch die Zahlen bestätigen, dass von den Aktivitäten Vieles weiterlebt und bleibt: Erhebungen drei Jahre nach Festivalende in den nunmehr ersten drei Regionen zeigen, dass sehr viele Aktivitäten weiter fortgesetzt werden konnten oder zum Erhebungszeitpunkt aktuell noch weiter liefen. Von den 206 Projekten aus dem Lungau, der Steirischen Eisenstraße und dem Mühlviertel gab es dazu von etwa 42% Rückmeldungen. Und erfreulicherweise gaben mehr als die Hälfte davon an: „Hier tut sich nach wie vor was!“

Die meisten TeilnehmerInnen folgten nach der Abschlussveranstaltung noch der Einladung zur Weltverbesserung „Und was tust du?“ im Virgilsaal.