Altwerden in Gemeinschaft

Altwerden in Gemeinschaft – Neue Perspektiven für bedürfnisgerechtes Wohnen

Die demographische Altersentwicklung stellt Österreich zusehends vor eine Herausforderung: Auf 100 Menschen über 65 Jahre kommen gegenwärtig 278 erwerbsfähige Personen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren – 2050 werden es nur mehr 181 sein (vgl. Statistik Austria 2018, 3). Das gesellschaftliche Unterstützungspotenzial für ältere Menschen nimmt künftig also erheblich ab. Vor diesem Hintergrund äußern zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung Angst vor sozialer Isolation im Alter (vgl. Silver Living 2017). Gemeinschaftliche Wohnformen bilden dazu einen hoffnungsvollen Gegenentwurf.

In der Stadt Salzburg konnten auf Initiative des Vereins „Christliche Wohngemeinschaft für Menschen in der zweiten Lebenshälfte“ bisher vier Projekte umgesetzt werden, in denen Seniorinnen und Senioren Tür an Tür miteinander leben und sich auf der Grundlage ihres Glaubens gegenseitig bei der Alltagsgestaltung unterstützen: Zwei dieser Projekte sind Teil eines größeren Wohnquartiers mit unterschiedlichen Nutzungsfunktionen (St. Hildegard in Gneis und St. Raphael in Aigen), für die beiden anderen wurde eine eigenständige Wohnanlage errichtet (St. Antonius in Itzling und St. Nikolaus in Taxham). Insgesamt betreut der Verein derzeit 48 individuelle Wohnungen für Einzelpersonen und Paare. Jede der vier Gemeinschaften teilt sich darüber hinaus einen Raum für soziale Aktivitäten.

Das ifz stellt im Rahmen des Forschungsprogramms „Altwerden in Gemeinschaft“ die verschiedenen Akteurinnen und Akteure der christlichen Wohngemeinschaften vor und vergleicht ihre praktischen Erfahrungen mit dem Konzept. Dabei stehen drei Themenbereiche im Mittelpunkt:

  • Welche Wertvorstellungen und Erwartungen werden mit der Teilnahme an einer (christlichen) Wohngemeinschaft verbunden?
  • Wie wird das Zusammenleben in der Praxis wahrgenommen und welche Gründe spielen dafür eine Rolle?
  • Wodurch zeichnet sich ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz aus und welche Herausforderungen bringt der gemeinsame Wohnalltag diesbezüglich mit sich?

Die Ergebnisse der interviewbasierten Studie sollen zur Entwicklung eines Leitfadens beitragen, der die Konzeption und Realisierung von zukünftigen Projekten unterstützt, die sich gemeinschaftliches Wohnen und soziale Geborgenheit im Alter zum Ziel setzen – auf der Grundlage christlicher Spiritualität oder anderer Lebensentwürfe.

 

Quellen:

Silver Living (2017). Angst vor Einsamkeit im Alter ist weit verbreitet, URL https://www.silver-living.com/silver-living/news/silver-living-studie-angst-vor-einsamkeit-im-alter-ist-weit-verbreitet/ (Zugriff 07.03.2019).

Statistik Austria (2018). Bevölkerungs‐und Erwerbsprognose bis 2080 für Österreich und die Bundesländer, URL http://www.statistik.at/wcm/idc/idcplg?IdcService=GET_PDF_FILE&RevisionSelectionMethod=LatestReleased&dDocName=119663 (Zugriff 07.03.2019).