Approaching Capabilities with Children in Care

Die Forschung zu diesem Projekt fand von 2009 bis 2012 in Kooperation mit und unter Leitung von Clemens Sedmak statt und bestand aus vier Teilen: Basierend auf den wichtigsten Annahmen des Capability Approaches (d.h. des Fähigkeitenansatzes, fortan CA) wurde im ersten Projektabschnitt ein zielgerichtetes Forschungsdesign für die SOS Kinderdörfer entwickelt. Daraufhin wurden in einem zweiten Schritt zwei Feldstudien in Namibia und Nicaragua durchgeführt, um die Operationalisierung zu testen und um Primärdaten zu gewinnen (die Feldforschung wurde in Kooperation mit lokalen Universitäten durchgeführt und stützte sich auf Interviews mit Kindern und ihren Erziehern). Im dritten Abschnitt wurden die gesammelten Daten systematisch ausgelotet und in den theoretischen Rahmen eingeordnet. Abschließend wurden die Ergebnisse für den Programmansatz der SOS Kinderdörfer übersetzt. Der Abschlussbericht „Creating Co-Capabilities“ – verfasst von Clemens Sedmak, basierend auf der 2009 bis 2012 stattgefundenen Forschung sowie weiterer themenverwandter Publikationen von 2011 bis 2013 – wurde im Mai 2013 abgeschlossen.

An der Studie nahmen insgesamt nahmen 177 Kinder aus Nicaragua und Namibia teil. Unter den Teilnehmern waren Kinder in Fremdunterbringung (SOS Kinderdörfer oder andere Einrichtungen), Kinder aus anspruchsberechtigten Familienstärkungsprogrammen oder Kinder, die von keinem Programm unterstützt wurden (das heißt, die mit ihren biologischen Familien lebten). Die Ergebnisse wurden nach fünf vorab definierten Hauptkategorien analysiert: (1) Perspektiven die von/für die Kinder und Jugendlichen entwickelt wurden; (2) subjektive Werte (inklusive Bildungs-/Karrierevorstellungen); (3) die subjektive Bewertung der Aussicht darauf, diese Perspektiven zu verwirklichen; (4) die subjektive Bewertung von gegenwärtig empfangenen Leistungen; und (5) die subjektive Wahrnahmung, zusätzliche Unterstützung zu benötigen.

Die Forschung ermöglichte Einsichten in folgende Bereiche:

  • Die Relevanz des CA für die Situation von Kindern im Allgemeinen und insbesondere von Kindern in Fremdunterbringung
  • Die Möglichkeit, den CA durch die Arbeit mit Kindern zu operationalisieren
  • Die Möglichkeit, den CA auf eine Debatte über „Schlüsselfähigkeiten“ und „transformative Fähigkeiten“ anzupassen und zu verfeinern
  • Die Relevanz des CA als Hintergrundtheorie für eine internationale Nicht-Regierungsorganisation (fortan NGO), die sich auf die Unterstützung von Kindern spezialisiert hat.
  • Die Relevanz des CA als Planungsinstrument für eine internationale NGO
  • Die Relevanz des CA als Bewertungsinstrument
  • Die Entwicklung der CA zu einer breiter ausgelegten Theorie der sozialen Veränderung

Als Resultat dieser Ergebnisse ist das Forschungsprojekt, das ursprünglich als Pilotstudie entworfen und umgesetzt worden war, nun Grundlage für weiterführende Anwendungen in den SOS Kinderdörfern weltweit.

Unter anderem gingen bisher folgende Publikationen aus dem Projekt hervor:

C. Sedmak/B. Babic/C. Posch/R. Bauer (eds.), Der Capability-Approach in sozialwissenschaftlichen Kontexten. Überlegungen zur Anschlussfähigkeit eines entwicklungspolitischen Konzepts (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011).

C. Sedmak/G. Graf/E. Kapferer (eds.), Der Capability Approach und seine Anwendung. Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen erkennen und fördern (Wiesbaden: Springer VS 2013).

G. Graf, Realizing the Life Chances of Children – an Application of the Capability Approach, in: Hawa, Bilal; Weidtmann, Niels (eds.), with a Preface by Martha Nussbaum: The Capability Approach on Social Order, LIT: Münster 2012.

G. Graf/B. Babic/ O. Germes Castro, Approaching Capabilities with Children in Care – An International Project to Identify Values of Children and Young People in Care, in: Leßmann, Ortrud et al. (eds.): Closing the Capability Gap – Renegotiating Social Justice for the Young. Barbara Budrich: Opladen 2011, 267–276.

G. Graf/B. Babic/ O. Germes Castro, The Capability Approach as a Framework for the Evaluation of Child and Youth Care, in: European Journal of Social Work, Vol. 13, No. 3, September 2010, 409–413.