Studienergebnisse Arbeitslosigkeit und Wörterbuch für Betroffene

Rückblick: Arbeitslos – Wenn das Leben auf „stand by“ steht

Am Dienstag den 15. Mai präsentierte das internationale forschungszentrum für soziale und ethische fragen (ifz) aktuelle StudienerPresse-Wörterbuchgebnisse einer am ifz von 2009 bis 2011 durchgeführten Studie, die sich mit Arbeit und Anerkennung beschäftigt. Landesrätin Cornelia Schmidjell, AMS-Geschäftsführer Siegfried Steinlechner, und zahlreiche ExpertInnen des Arbeits- und Beschäftigungssektors sowie Betroffene waren gekommen. Präsentiert wurde ein Wörterbuch mit dem Titel „Arbeitslosigkeit von A bis Z“, das parallel zur Forschung am ifz entstand, um Betroffenen Anstöße für diese schwierige Zeit zu bieten.
Presse-Sedmak-Schmidjell-Sternemann

Landesrätin Schmidjell vertritt die Ansicht, dass die Förderung der Fähigkeiten von Menschen auch in Zeiten schwieriger Lebensumstände und schicksalhafter Ereignisse Aufgabe der Sozialpolitik ist. Gefördert werden Fähigkeiten von arbeitslosen Menschen unter anderem durch Schulungen. Die Umfrage von Michael Peitler hat ergeben, dass der Ruf, den Schulungen in der öffentlichen Meinung genießen, schlechter ist als gerechtfertigt. Denn die Zufriedenheit mit Schulungen bei den Betroffenen ist hPresse-Vorragendeoch, so Michael Peitler. 2/3 aller SchulungsteilnehmerInnen suchen sich die Kurse selbst aus. Vier von zehn SchulungsteilnehmerInnen geben zudem an, Freundschaften und Bekanntschaften in Schulungen geschlossen zu haben. Weiters sind sich 80 Prozent nach Abschluss des Kurses über ihre Fähigkeiten besser bewusst als noch davor. Einziger Wehrmutstropfen bleibt: Nur 45 Prozent der SchulungsteilnehmerInnen glauben, nach Abschluss eines Kurses mehr Chance auf einen Arbeitsplatz zu haben als zuvor. Dabei unterscheidet sich der Optimismus von jüngeren und älteren SchulungsteilnehmerInnen eminent. Ältere Arbeitslose sind wesentlich weniger häufig der Ansicht, rasch wieder eine Anstellung zu bekommen. AMS-Geschäftsführer Steinlechner argumentiert hier: Ältere haben realistischere Ansichten, Jüngere sind noch etwas realitätsferner. Im Allgemeinen sind aber die Vorstellungen der Allgemeinheit, als älterer Arbeitssuchender eine Beschäftigung zu finden, sehr negativ. Negativer als sie tatsächlich sein müssten.

Für all jene, die auf einen geeigneten Arbeitsplatz hoffen, müssen die Rahmenbedingungen bestmöglich gestaltet werden, appelliert Armutsforscher Clemens Sedmak. Dem Begriff „menschenwürdiger Arbeitslosigkeit“ folgend soll man arbeitslosen Menschen neben der notwendigen finanziellen Absicherung auch Spielräume (zum Erproben ihrer Fähigkeiten), Wachstums- und Dialogmöglichkeiten bieten.

Das Wörterbuch „Arbeitslosigkeit von A bis Z“ möchte diesem Gedanken folgen und Betroffenen Anstöße geben, an denen sie in ihrer Situation wachsen können. Ziel ist es, Arbeitslose zu aktiv Handelnden zu machen, indem sie die Zeit der Arbeitslosigkeit nicht als „Stand by“-Zeit sehen müssen, sondern als Chance auf Weiterentwicklung

Download Audiodokument: Sedmak.menschenwuerdige.Arbeitslosigkeit.15.5.2012