Christina Repolust

Pressemitteilung: Arbeitslosigkeit kränkt und macht krank

anstoesseLandtagsenquete zum Thema „Widerstandskraft und Arbeitslosigkeit“
Die Salzburger Anstöße 2010 setzten sich mit menschenwürdiger Arbeitslosigkeit im Fokus von Resilienz  Widerstandskraft, auseinander. Wissenschaftler aus 13 Ländern und 16 Forschungsdisziplinen präsentierten drei Tage lang ihre Forschungsergebnisse, eine NGO-Konferenz am Freitag, 21. Mai, verdichtete die wissenschaftlichen Befunde und Projekte mit den Erfahrungen der PraktikerInnen u. a. vom AMS Salzburg, Armutskonferenz, Bildungseinrichtungen.

Bereits die hier entwickelten Ideen sind ein Erfolg, Arbeitslosigkeit und Resilienz positiv zu verknüpfen, das Stärkende neben das Krankmachende zu stellen. Die Landtagsenquete, die gestern, 26. Mai zum Thema „Widerstandskraft und Arbeitslosigkeit“ stattfand, nahm die bisherigen Ergebnisse der Salzburger Anstöße 2010 in ihre Diskussion mit Interesse auf.

Diese Enquete des Salzburger Landtags in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg und dem Internationalen Forschungszentrum machte deutlich: Arbeitslosigkeit macht krank. Es braucht neue Impulse, kränkende und daher krank machende Indikatoren zu erkennen.

Univ.-Prof. Dr. Klaus Moser als Ordinarius für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Erlangen-Nürnberg  zeigte anschaulich die psychosozialen Folgen von Arbeitslosigkeit auf. Untersuchungen, in Summe mit  einer halben Million TeilnehmerInnen,  belegen, dass die psychische Gesundheit von Arbeitslosen schlechter ist als die von Erwerbstätigen. So leiden 16 % der Erwerbstätigen unter psychischen Störungen, während 34 % der Arbeitslosen davon betroffen sind. Je großzügiger die Unterstützungssysteme sind und je geringer die Ungleichheit in der Einkommensverteilung der jeweiligen Gesellschaft ausfällt, desto schwächer sind die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Gesundheit.

Parolen von „sozialer Hängematte“ und „Sozialschmarotzern“ helfen hier niemandem, schüren Misstrauen und machen die Betroffenen durch diese latenten Diffamierungen psychisch krank.

Außer den beiden Hauptreferenten Univ.-Prof. Dr. Klaus Moser und Univ.-Prof. DDDr. Clemens Sedmak nahmen auch der Vizerektor der Universität Salzburg, Univ.-Prof. Rudolf Mosler sowie die Landtagsabgeordnete Dr.in Brigitta Pallauf Bezug auf die Forschungsansätze von Marie Jahoda „Die Arbeitslosen von Marienthal“. Noch immer gelten Jahodas latente Funktionen von Erwerbsarbeit: aus dem Jahr 1983, die da sind: Zeitstruktur, Sozialkontakt, Teilhabe an kollektiven Zielen, Status und Identität sowie regelmäßige Tätigkeit/Aktivität.

Unvi.-Prof. DDDr. Clemens Sedmak betonte in seinem Statement mit dem Titel „Resilienz – Bewältigungsstrategien“ die Bedeutung der Rahmungen, die  mehrerer Standbeine – neben der Arbeit sollte es Familie, Freunde, Hobbys – in Erwerbsbiographien geben sowie die Fähigkeit, mit Unsicherheit zu leben. Der Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg stellte die Frage nach neuen Steuern, präsentierte eine Respekt-Kampagne „Arbeitslosigkeit“ sowie die Aspekte der Schulung der Eigenarbeit und der Arbeitslosigkeitsfähigkeit. „Wenn in England Schulstunden rund um das Thema Glück erfolgreich ablaufen, warum nicht auch für dieses große, Familien und hier besonders in den finanziellen Auswirkungen Kinder betreffende Thema.“

Appell der Enquete war, Abschied von Begriffen wie „Sozialschmarotzer“ zu nehmen, sagen doch die wissenschaftlichen Untersuchungen, dass Arbeitslosigkeit krank, ernsthaft krank, macht. Es gibt noch viel zu tun, in Salzburg und in Österreich, wo mit einer Nettoersatzrate von 55 bzw. 60 % das österreichische Arbeitslosengeld im europäischen Vergleich im letzten Drittel liegt, in Dänemark beispielsweise liegt es bei 95 %.

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